Aselsan Aktie: MURAD-Radar besteht Testflug
Aselsan gewinnt nach dem Börseneinbruch 6,0 Prozent. Ein erfolgreicher Radartest und polnisches Interesse stärken die Perspektiven des Konzerns.

Kurz zusammengefasst
- MURAD-Radar erzielt ersten Zielaufschlag
- Polen sieht türkische Rüstungsindustrie als Vorbild
- Aselsan kooperiert beim ARSUS-System
- Aktie steigt um 6,0 Prozent
Nach den heftigen Turbulenzen an der Istanbuler Börse am gestrigen Mittwoch zeigt sich die Aktie des Rüstungselektronik-Spezialisten Aselsan am heutigen Donnerstag deutlich erholt.
Während technische Fortschritte bei der Radarentwicklung die technologische Position des Konzerns unterstreichen, sorgt internationale Anerkennung auf der Verteidigungsmesse MSPO in Polen für zusätzliches Vertrauen. Polen plant, das industrielle Erfolgsmodell der türkischen Verteidigungsbranche für die eigene Rüstungsstrategie zu übernehmen.
Meilenstein für das MURAD AESA-Radar
Ein technologischer Durchbruch gelang am gestrigen Mittwoch bei Testflügen des Jet-Trainers HÜRJET. Wie Haluk Görgün, Leiter der türkischen Verteidigungsindustrie-Behörde SSB, mitteilte, wurde der Prototyp HÜRJET P2 erstmals mit dem von Aselsan entwickelten MURAD AESA-Radar ausgestattet. Während des Fluges gelang es dem System, ein aktives Radar-Lock auf ein begleitendes Flugzeug vom Typ HÜRJET P1 zu setzen.
Dieser Erfolg markiert einen wesentlichen Schritt für die Einsatzfähigkeit des nationalen Radarsystems, das künftig eine zentrale Rolle in der Luftverteidigung einnehmen soll. Die Auslieferung der ersten Einheiten des Typs HÜRKUŞ-II an die Luftstreitkräfte stehe laut Görgün unmittelbar bevor, nachdem die entsprechenden Tests abgeschlossen wurden.
Diese Fortschritte fügen sich in eine Reihe früherer technischer Erfolge ein, wie den Abschluss eines NATO-Projekts vor gut drei Wochen oder erfolgreiche Waffentests vor rund zwei Wochen, die den technologischen Reifegrad des Unternehmens untermauerten.
Polen forciert Zusammenarbeit mit Aselsan
Flankiert werden die technischen Erfolge von einer diplomatischen Aufwertung auf der Messe MSPO 2026 im polnischen Kielce. Der polnische Verteidigungsminister Kosiniak-Kamysz bezeichnete die Transformation der türkischen Rüstungsindustrie als direktes Vorbild für sein Land. Er verwies darauf, dass die Türkei ihren Eigenanteil an militärischer Ausrüstung in zwei Jahrzehnten von 20 Prozent auf über 80 Prozent gesteigert hat.
Für Aselsan ergeben sich daraus konkrete industrielle Perspektiven. In Polen kooperiert das Unternehmen bereits mit AMZ Kutno, um das ARSUS-System in das gepanzerte Fahrzeug LOTR Kleszcz zu integrieren.
Diese Partnerschaften sind Teil einer massiven Exportoffensive: Die türkischen Rüstungsexporte stiegen laut Industrieminister Kacır von lediglich 248 Millionen US-Dollar im Jahr 2002 auf über 10 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025. Allein zwischen Juni 2025 und Mai 2026 wurden Güter im Wert von fast 10,9 Milliarden US-Dollar ausgeführt, wovon ein erheblicher Anteil auf NATO-Partner entfiel.
Marktreaktion nach dem Börsenbeben
Die heutige Erholung der Aktie erfolgt vor dem Hintergrund eines dramatischen Vortages. Am Mittwoch erlebte der BIST 100 mit einem Minus von zeitweise über 7 Prozent den schwersten Einbruch seit Monaten, was zur Auslösung von Handelsunterbrechungen führte.
Der Kurs von Aselsan kann sich heute mit einem Plus von 6,0 % deutlich stabilisieren und notiert bei 381,50 TRY. Damit liegt das Papier wieder rund 9,8 % über seinem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt. Anleger blicken nun auf die für heute Morgen anberaumte Dringlichkeitssitzung von Finanzminister Şimşek, die weitere Stabilität in den Gesamtmarkt bringen soll.
Während die Branche von steigenden Budgets in Europa profitiert, zeigen die Auftragsbestände nationaler Schwergewichte wie Rheinmetall oder Hensoldt, dass das Marktumfeld für Verteidigungselektronik trotz kurzfristiger Börsenschwankungen robust bleibt.
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