Asiatische Märkte im Aufwind

Starke Chip-Nachfrage treibt asiatische Aktienindizes an, während Japans Notenbank zwischen Zinserhöhungen und politischem Druck steht.

Felix Baarz ·
Qualcomm Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Nikkei steigt um über 3,5 Prozent
  • Yen nahe 40-Jahres-Tief zum Dollar
  • BOJ-Mitglied fordert schnellere Zinserhöhungen
  • Australien meldet überraschend starke Jobdaten

Die globalen Finanzmärkte senden widersprüchliche Signale. Starke Chip-Zahlen beflügeln asiatische Aktien, während Zentralbanken weltweit unter wachsendem politischen Druck stehen — und der Yen auf ein 40-Jahres-Tief zudriftet.

Micron-Zahlen zünden den Funken

Asiatische Börsen haben am Donnerstag kräftig zugelegt. Der Auslöser: Micron Technology meldete Kundenbestellungen von 22 Milliarden US-Dollar für seine Speicherchips, Qualcomm erwartet bis 2029 einen Datencenter-Umsatz von 15 Milliarden Dollar. Für Anleger, die zuletzt angesichts aufgeblähter KI-Bewertungen nervös geworden waren, kam das einer Beruhigungspille gleich.

Der japanische Nikkei schoss über 3,5 Prozent nach oben, Südkoreas KOSPI — ohnehin schon der weltweit stärkste Aktienmarkt in diesem Jahr — legte weitere 5,5 Prozent zu. Der breite MSCI-Index für Asien-Pazifik außerhalb Japans stieg um 1,3 Prozent. „Tech-Aktien haben nach Börsenschluss einen dringend benötigten Impuls erhalten“, kommentierte Tony Sycamore von IG.

Die Skepsis bleibt trotzdem. Bewertungsbedenken sind nicht über Nacht verschwunden. Nick Twidale von ATFX Global fasst es treffend zusammen: „Ich bin nicht sicher, wie lange die Euphorie anhält. Bewertungssorgen werden die Stimmung weiterhin belasten.“

Japans Zentralbank zwischen Inflation und Politikdruck

Während Tokios Börse feiert, brodelt es hinter den Kulissen der japanischen Geldpolitik. Die Bank of Japan (BOJ) hat ihren Leitzins diesen Monat auf 1,0 Prozent angehoben — den höchsten Stand seit 31 Jahren. Nun gerät sie von zwei Seiten unter Druck.

Auf der einen Seite steht das Ratsmitglied Naoki Tamura. In einer Rede vor Unternehmensführern in Kobe forderte er Zinserhöhungen alle paar Monate und zeigte sich bereit, das Tempo bei Bedarf zu beschleunigen. Sein Argument: Die Unternehmen geben steigende Importkosten schneller und breiter weiter als noch nach Russlands Einmarsch in die Ukraine 2022. Die Inflationserwartungen steigen. „Wenn sich die Chancen materialisierende Aufwärtsrisiken bei den Preisen erhöhen, ist es notwendig, das Tempo der Zinserhöhungen ohne Zögern zu beschleunigen“, sagte Tamura.

Auf der anderen Seite steht die Regierung von Premierministerin Sanae Takaichi. Ein Reuters vorliegender Entwurf des langfristigen Wirtschaftsplans der Regierung fordert die BOJ explizit auf, eine Geldpolitik zu betreiben, die die private Nachfrage stützt — und beruft sich dabei auf gesetzliche Koordinierungspflichten. Die Sprache ist ungewöhnlich direkt für ein solches Dokument. In der Vergangenheit hielten sich Regierungen mit konkreten Formulierungen zurück.

Der frühere BOJ-Direktor Takahide Kiuchi bringt es auf den Punkt: „Die Formulierungen erscheinen indirekt, aber die Sprache drängt offensichtlich gegen Zinserhöhungen und unterstreicht die Vorsicht der Regierung gegenüber Abwärtsrisiken durch voreilige Erhöhungen.“

Yen am Abgrund, Dollar auf Jahreshoch

Das Ergebnis dieser Spannungen spiegelt sich direkt am Devisenmarkt wider. Der Yen handelt bei rund 161,73 pro US-Dollar — nahe einem 40-Jahres-Tief. Ein Rückfall unter 161,96 würde den niedrigsten Stand seit 1986 bedeuten. Die Märkte beobachten gespannt, ob Tokio zu einer Devisenintervention greift.

Gleichzeitig marschiert der Dollar weiter. Er erreichte ein 13-Monats-Hoch, gestützt durch die Erwartung weiterer Fed-Zinserhöhungen. Der Dollarindex notierte bei rund 101,63. Diese Dollar-Stärke drückt auf Gold: Der Preis fiel erstmals in diesem Jahr unter 4.000 Dollar je Unze und erreichte den tiefsten Stand seit November.

Die Renditedifferenz zwischen den USA und Japan bleibt das zentrale Problem für den Yen. Solange die BOJ unter politischem Druck bleibt, während die Fed weiter strafft, dürfte der Druck auf die japanische Währung anhalten.

Australien überrascht, Kanada beschwichtigt

Zwei weitere Zentralbanken stehen vor Richtungsentscheidungen. In Australien fiel die Arbeitslosenquote im Mai überraschend auf 4,4 Prozent — von 4,5 Prozent im Vormonat. Die Beschäftigung stieg um 40.300 Stellen und übertraf damit die Prognosen deutlich. Die Reserve Bank of Australia hatte ihren Leitzins zuletzt bei 4,35 Prozent belassen, nach drei Erhöhungen früher im Jahr. Die starken Jobdaten halten Spekulationen über eine weitere Anhebung lebendig.

In Kanada hingegen bemüht sich die Zentralbank um Schadensbegrenzung. Nach zwei aufeinanderfolgenden Quartalen mit negativem Wachstum weist die Bank of Canada den Begriff „Rezession“ zurück. Das erste Quartal schrumpfte um 0,1 Prozent auf Jahresbasis — hauptsächlich wegen eines starken Rückgangs bei Waffensystemkäufen. Policymaker sehen Wachstum im zweiten Quartal als wahrscheinlich und halten den Leitzins bei 2,25 Prozent.

Iran-Krieg prägt das globale Bild

Der Hintergrund für alle diese Entwicklungen ist der Iran-Krieg, der seit dem 28. Februar die Energiemärkte und die geopolitische Stimmung beherrscht. Öl fiel auf ein Vier-Monats-Tief, während Tanker den Strait of Hormuz wieder verlassen. Brent-Rohöl notiert bei rund 73 Dollar je Barrel.

In Washington eskaliert unterdessen der innenpolitische Streit. Präsident Trump beantragte beim Kongress zusätzliche 87,6 Milliarden Dollar — davon 67,15 Milliarden für das Militär. Sowohl Senat als auch Repräsentantenhaus verabschiedeten bereits Kriegsvollmachtsresolutionen, die Trump auffordern, den Militäreinsatz zu stoppen. Die Abstimmung über das Nachtragsbudget wird mit Blick auf die Midterms im November brisant.

Sinkende Ölpreise helfen dabei, globale Inflationserwartungen zu dämpfen. Der US-amerikanische 5-Jahres-Breakeven-Inflationssatz fiel auf den niedrigsten Stand in diesem Jahr. Für die BOJ, die EZB und die Fed bleibt die Frage offen: Wie nachhaltig ist diese Entspannung — und was passiert, wenn das Öl wieder dreht?

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