ASML: 5,75-Prozent-Ausverkauf nach Broadcom-Schock
ASML-Aktie fällt nach Rekordhoch um fast sechs Prozent. Ein schwaches KI-Umsatzziel von Broadcom löst einen branchenweiten Abverkauf aus.

Kurz zusammengefasst
- Asml-Aktie fällt nach Rekordhoch
- Broadcom verfehlt KI-Umsatzerwartungen
- Analysten erhöhen Kursziele für ASML
- China-Anteil sinkt, Korea wächst
Kurz nachdem ASML zum wertvollsten Unternehmen in der europäischen Börsengeschichte aufgestiegen war, folgte der Dämpfer. Am Freitag schloss die Aktie bei 1.429,40 Euro — ein Minus von 5,75 Prozent auf Tagesbasis, ausgelöst von einem breiten Abverkauf im Halbleitersektor. Das 52-Wochen-Hoch von 1.529,80 Euro, erst am 4. Juni markiert, liegt bereits wieder 6,5 Prozent entfernt.
Broadcom zieht den Sektor nach unten
Der Auslöser kam aus den USA. Broadcom meldete nach Börsenschluss am 3. Juni solide Quartalszahlen, verfehlte aber mit einem KI-Chip-Umsatzziel von 16 Milliarden Dollar für das laufende Quartal die Analystenerwartung von 17,2 Milliarden Dollar. Die Jahresprognose für KI-Halbleiter blieb unverändert. Die Reaktion war heftig: Broadcom-Aktien verloren am Folgetag 14 Prozent, und der Abverkauf erfasste die gesamte Lieferkette.
ASML, KLA Corporation, Applied Materials und Lam Research büßten jeweils zwischen 5 und 6 Prozent ein. Stärker als US-Zinsdaten, die ebenfalls für Unruhe sorgten, war es dieses Guidance-Signal, das Anleger aufschreckte — die Sorge: Könnte der Investitionszyklus in KI-Chipkapazitäten früher als erwartet seinen Höhepunkt erreichen?
Analysten erhöhten Kursziele — kurz vor dem Einbruch
Die Ironie der Woche: Gleich mehrere Großbanken hoben ihre Kursziele für ASML an, bevor der Sektor wegbrach.
- BofA Securities: Kursziel auf 1.921 Euro angehoben (von 1.710 Euro), Rating „Buy“
- Barclays: Kursziel auf 1.900 Euro (von 1.575 Euro), Rating „Overweight“
- JPMorgan: Kursziel auf 1.900 Euro (von 1.515 Euro), Rating „Overweight“
- Morgan Stanley: Kursziel auf 1.660 Euro (von 1.400 Euro), Rating „Overweight“
Alle vier Häuser verweisen auf wachsende Nachfragesichtbarkeit bis 2028 und steigende Kapazitäten bei EUV-Systemen. BofA hob nach einem Investorentreffen mit ASMLs Investor-Relations-Chef hervor, dass die EUV-Stückzahl bis Ende 2027 über 90 Einheiten pro Jahr steigen könnte — getrieben durch kürzere Lieferzeiten und Effizienzgewinne in der Fertigung. Hinzu kommen steigende Durchschnittspreise und Margen bei den neueren E- und F-Generationen.
China schrumpft, Korea wächst
Ein strukturelles Thema bleibt die geografische Verschiebung der Erlöse. Chinas Umsatzanteil fiel von 36 auf 19 Prozent, während Südkorea von 22 auf 45 Prozent zulegte und Taiwan von 13 auf 23 Prozent. US-Exportbeschränkungen begrenzen das China-Geschäft — der Anteil dürfte 2026 bei rund 20 Prozent verharren.
Das klingt nach Verlust, ist aber aus Margensicht ein Upgrade: Wegfallendes DUV-Geschäft mit China wird durch höhermargiges EUV-Geschäft mit KI-Kunden in Taiwan, Korea und den USA ersetzt. BofA erwartet zudem, dass China ab 2027 wieder stärker nachfragt, wenn Speicherchip-Reinräume verfügbar werden.
CEO mahnt Brüssel zur Zurückhaltung
Parallel zur Marktbewegung mischte sich ASML-Chef Christophe Fouquet in die europäische Technologiepolitik ein. Er begrüßte auf LinkedIn wesentliche Teile des EU-Pakets vom 3. Juni — bestehend aus Chips Act 2.0, Cloud and AI Development Act und einer Open-Source-Strategie — warnte die Kommission jedoch vor zu viel bürokratischer Steuerung bei staatlich geförderten Projekten. „Wir müssen das Risiko von Überkomplizierung und Bürokratie vermeiden und auf privatwirtschaftliche Expertise setzen“, schrieb Fouquet. Eine klare Botschaft an Brüssel: Fördern ja, dirigieren nein.
Was die kommenden Wochen entscheiden
Trotz des Freitagseinbruchs steht ASML seit Jahresbeginn noch immer rund 45 Prozent im Plus — und hat sich in zwölf Monaten mehr als verdoppelt. Die Jahresumsatzprognose von 36 bis 40 Milliarden Euro, im April angehoben, steht unverändert. Der nächste Quartalsbericht folgt im Juli 2026.
Bis dahin dürften Makrosignale — vor allem die US-Zinsentwicklung — und die Investitionsankündigungen der großen Chipkonzerne den Ton angeben. Bestätigen TSMC, Samsung oder Intel ihre Kapazitätspläne, könnte das die Kursziele der Analysten rasch wieder in den Vordergrund rücken.
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