ASML: 91 EUV-Systeme für 2027
Trotz fallender Kurse heben Analysten die Kursziele für ASML an. Entscheidend wird die Prognose für EUV-Auslieferungen 2027.

Kurz zusammengefasst
- Kursziele trotz Kursrückgang angehoben
- Fokus auf EUV-Auslieferungen 2027
- Monopolstellung bei Chip-Lithografie
- Aktienrückkaufprogramm läuft weiter
ASML steht vor einer entscheidenden Woche. Am Mittwoch legt der niederländische Lithografie-Ausrüster seine Quartalszahlen vor, und die Wall Street hat sich in den Tagen davor mit Kurszielanhebungen überschlagen. Der Haken: Der Aktienkurs will davon bislang nichts wissen.
Am Montag schloss das Papier bei 1.519,80 Euro. Das liegt gut 13 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro, das ASML erst am 30. Juni erreicht hatte. Auf Monatssicht steht ein Minus von 7,05 Prozent zu Buche, während der Kurs binnen sieben Tagen nur leicht nachgab. Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Handelstage liegt bei happigen 64 Prozent.
Kursziel-Rally trotz fallender Kurse
Die Diskrepanz zwischen Analystenmeinung und Kursverlauf ist auffällig. Morgan Stanley-Analyst Lee Simpson hob sein Kursziel am 8. Juli von 1.660 auf 1.830 Euro an und bestätigte die Einstufung „Overweight“.
Noch deutlicher wurde Bernstein. Analyst David Dai erhöhte sein Kursziel von 1.971 auf 2.623 US-Dollar und begründete den Schritt mit einer „beispiellosen KI-getriebenen Expansion“ bei fortschrittlicher Logik- und DRAM-Kapazität. Bernstein rechnet nun mit 91 EUV-Systemauslieferungen im Jahr 2027 und 113 im Jahr 2028.
Deutsche Bank zog nach und hob ihr Kursziel von 1.600 auf 1.800 Euro an, verbunden mit einer „Buy“-Empfehlung. Bemerkenswert dabei: Die Anhebung kam ausgerechnet an einem Tag, an dem die Aktie um 2,08 Prozent auf 1.552 Euro nachgab. Susquehanna lieferte die dramatischste Korrektur des laufenden Zyklus und schraubte sein Kursziel bereits am 30. Juni von 1.475 auf 2.350 Euro hoch — nach eigenen Angaben gestützt auf Channel-Checks, die eine Aufwärtsrevision des Auftragsbestands bei EUV-Systemen (SCE) auf über ein Jahr Vorlaufzeit nahelegen.
Die Marke, auf die alle schauen
Hinter den Kurszielen steckt eine gemeinsame Wette der Analysten auf eine konkrete Kennzahl. Morgan Stanley hat die kritische Schwelle bei 90 bis 100 EUV-Systemen verortet, die ASML glaubwürdig für 2027 zusagen kann. Wird diese Marke übertroffen, könnte die hohe Bewertung der Aktie frische Rechtfertigung finden. Bleibt ASML darunter, geraten selbst die optimistischsten Kursziele unter Druck.
Die fundamentale Basis für den Optimismus bilden die Investitionspläne der größten Speicherchip-Hersteller der Welt. Micron hat für das Geschäftsjahr 2026 rund 27 Milliarden Dollar an Investitionen eingeplant. Samsung und SK Hynix haben gemeinsam über mehrere Jahre hinweg etwa 520 Milliarden Dollar zugesagt.
Dieses Geld fließt fast zwangsläufig zu ASML. Das Unternehmen hält ein Monopol von 100 Prozent bei EUV-Lithografie und einen geschätzten Marktanteil von 98,5 Prozent bei Immersionslithografie. Der nächste Technologiezyklus, angeführt von der High-NA-EUV-Maschine zum Stückpreis von rund 350 Millionen Euro, soll das jährliche EUV-Umsatzwachstum auf 30 Prozent treiben — mit einem Zielumsatz von 42,7 Milliarden Euro bis 2030.
Aktienrückkäufe laufen unbeirrt weiter
Unabhängig von der Diskussion um die Quartalszahlen setzt ASML sein Kapitalrückgabeprogramm fort. Aktuelle Wochenmeldungen zeigen tägliche Rückkäufe von rund 10.000 Aktien mit einem Transaktionsvolumen von etwa 15,87 Millionen Euro pro Handelstag. Die gewichteten Durchschnittspreise dieser Käufe lagen zuletzt zwischen 1.525 und 1.611 Euro.
Was am Mittwoch zählt
ASML meldet die Zahlen vor Handelsbeginn in Europa, begleitet von einer Investorenkonferenz am selben Tag. Der Konzern hatte den Nettoumsatz für das zweite Quartal auf 8,4 bis 9,0 Milliarden Euro taxiert, bei einer Bruttomarge von 51 bis 52 Prozent. Im April hob ASML zudem die Jahresprognose 2026 von zuvor 34 bis 39 Milliarden Euro auf 36 bis 40 Milliarden Euro an.
Einen Tag nach ASML, am 16. Juli, legt mit TSMC einer der wichtigsten Abnehmer für fortschrittliche Chip-Fertigung eigene Zahlen vor. Der taiwanesische Auftragsfertiger hatte für das zweite Quartal einen Umsatz zwischen 39,0 und 40,2 Milliarden Dollar bei einer Bruttomarge von 65,5 bis 67,5 Prozent in Aussicht gestellt, mit einem Umsatzwachstum von über 30 Prozent für das Gesamtjahr.
Der RSI von 47,1 signalisiert derzeit weder Über- noch Unterkauf. Entscheidend wird am Mittwoch vor allem sein, was das Management zur Auslieferungskapazität für 2027 sagt — genau jene Zahl, an der sich die jüngste Serie von Kurszielanhebungen messen lassen muss.
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