ASML Aktie: China hebelt Exportkontrollen aus

Chinesische Chiphersteller nutzen nachgerüstete ASML-Maschinen trotz Embargo, während ein heimischer EUV-Prototyp das Technologiemonopol bedroht. Analysten sind über die Folgen gespalten.

Dr. Robert Sasse ·
ASML Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Ältere ASML-Systeme werden in China nachgerüstet
  • Berichte über einen chinesischen EUV-Prototypen
  • Wachstumsprognose für 2026 deutlich gedämpft
  • Analysten uneins über Bewertung und Risiken

ASML steht vor einem strukturellen Problem: Chinesische Chipfertiger umgehen westliche Exportbeschränkungen durch Modifikationen älterer Lithographie-Anlagen. Am Samstag wurden neue Belege dafür bekannt, dass die niederländischen Systeme trotz Lizenzentzug weiterhin in chinesischen Hightech-Fertigungslinien laufen. Gleichzeitig kursieren Berichte über einen chinesischen EUV-Prototypen – ein direkter Angriff auf ASMLs technologisches Monopol.

Retrofitting statt Neukauf

Konkret geht es um ASMLs Modelle 2050i und 2100i, die vor dem Lizenzentzug im September 2024 nach China geliefert wurden. Diese Systeme werden nun nachgerüstet und für fortschrittliche Fertigungsprozesse eingesetzt. Das Kalkül der chinesischen Hersteller ist klar: Warum neue, womöglich nicht lieferbare Maschinen kaufen, wenn sich ältere Equipment für die eigenen Zwecke aufrüsten lässt?

Für ASML bedeutet das einen doppelten Rückschlag. Die Exportkontrollen wirken weniger restriktiv als erhofft, und gleichzeitig droht ein Auftragsrückgang, weil chinesische Kunden bestehende Anlagen länger nutzen.

Noch brisanter: Marktquellen berichten von einem chinesischen EUV-Prototypen, der durch Reverse Engineering entstanden sein soll. Sollte China tatsächlich eigene EUV-Systeme entwickeln können, würde ASMLs jahrzehntelange technologische Führungsposition fundamental infrage gestellt.

Anleger zwischen Wachstum und Risiko

Trotz dieser Entwicklungen bleibt die Aktie robust. Mit einem Schlusskurs von rund 1.056 US-Dollar liegt das Papier etwa 50 Prozent über dem Jahresanfang. Allerdings konsolidiert der Titel seit dem Allzeithoch von 1.141 US-Dollar Anfang Dezember.

Die fundamentalen Zahlen stützen die Bewertung: Im dritten Quartal 2025 erzielte ASML einen Umsatz von 7,5 Milliarden Euro bei einem Nettogewinn von 2,1 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr 2025 peilt das Management ein Umsatzwachstum von rund 15 Prozent an.

Das Problem liegt in der Prognose für 2026: Analysten rechnen nur noch mit sechs Prozent Umsatzwachstum. Der Grund ist die erwartete Normalisierung des China-Geschäfts. Die nun bestätigten Retrofitting-Praktiken verstärken die Sorge, dass dieser Rückgang stärker ausfallen könnte als bislang kalkuliert.

Analysten gespalten

JPMorgan Chase hat sein Kursziel kürzlich von 1.175 auf 1.275 US-Dollar angehoben und bleibt bei „Buy“. Die Bank setzt darauf, dass die strukturelle Nachfrage durch KI und Cloud-Computing die geopolitischen Risiken überkompensiert. Barclays hingegen stuft die Aktie mit „Neutral“ ein und verweist auf Bewertungsrisiken sowie die geopolitische Volatilität.

Der Konsensus tendiert aktuell zu „Moderate Buy“ – ein Zeichen für die gespaltene Einschätzung zwischen kurzfristigen China-Risiken und langfristigem Wachstumspotenzial außerhalb Chinas.

Politisches Risiko verschärft sich

Die Meldungen vom Samstag werfen eine grundsätzliche Frage auf: Wie wirksam sind Exportkontrollen, wenn die Technologie vor Ort nachgebaut oder modifiziert werden kann? Für ASML bedeutet das eine zusätzliche Risikodimension, die über klassische Markt- und Wettbewerbsrisiken hinausgeht. Die politische Strategie, Chinas Aufholjagd zu bremsen, zeigt Risse – und ASML sitzt zwischen den Fronten.

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ASML Aktie

1.592,02 USD

+ 75,42 USD +4,97 %
KGV 52,35
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,55 %
Marktkapitalisierung 613,59 Mrd. USD
ISIN: USN070592100 WKN: A1J85V

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