ASML Aktie: Kapazitätsausbau bis 2028 rückt näher

ASML erwägt eine höhere EUV-Fertigung ab 2028. Entscheidend sind Lieferketten, Campus-Ausbau und die Nachfrage nach KI-Chips.

Eduard Altmann ·
Abstrakte Darstellung einer modernen Halbleiterfertigung in einem Reinraum mit Fokus auf Hochtechnologie und Präzision. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • ASML-Aktie steigt um 2,3 Prozent
  • EUV-Kapazitäten für 2027 nahezu vergeben
  • Mehr als 110 Systeme 2028 geprüft
  • Neue Fabrik soll Nachfrage abfedern

Die Aktie von ASML legte am jüngsten Handelstag um 2,3 Prozent zu und ging bei 1.456,80 Euro aus dem Handel. Gleichzeitig stehen Anleger vor einer richtungsweisenden Weichenstellung: Nach jüngsten Marktturbulenzen im Halbleitersektor und wechselhaften Stimmungen rund um das Thema künstliche Intelligenz rückt die langfristige Lieferfähigkeit des niederländischen Ausrüsters in den Mittelpunkt.

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters erklärte die US-Bank JPMorgan nach einem Treffen mit dem Finanzvorstand des Konzerns am Montag, dass ASML Optionen prüfe, um im Jahr 2028 mehr als 110 EUV-Lithografiesysteme herstellen zu können.

Da die Kapazitäten für modernste Lithografiesysteme für das Jahr 2027 nach Unternehmensangaben bereits nahezu ausverkauft sind, gewinnt die Frage nach der tatsächlichen Skalierbarkeit für Investoren rasant an Bedeutung.

Nachfrageüberhang trifft auf industrielle Hochlaufpläne

Derzeit zeichnet sich bei den extrem-ultravioletten Belichtungsanlagen (EUV) ein deutlicher Engpass ab. Für das Jahr 2027 peilt ASML die Auslieferung von mindestens 80 Maschinen an. Ein möglicher Ausbau auf mehr als 110 Einheiten bis 2028 entspräche einer deutlichen Steigerung gegenüber den bisherigen Zielmarken, die eine Anhebung um etwa 30 Prozent diskutierten.

Getrieben wird diese Entwicklung vom anhaltenden Ausbau modernster Rechenzentren und deren Bedarf an komplexen Prozessoren. Bereits Anfang des Monats hatte das Unternehmen mit dem Bau eines neuen Produktionscampus in den Niederlanden begonnen, um dem Nachfrageschub durch Anwendungen künstlicher Intelligenz infrastrukturell zu begegnen.

Zudem teilte der Konzern mit, eng mit Großkunden zusammenzuarbeiten, um die fortschrittlichsten Lithografiesysteme für hochentwickelte Prozessoren von Chipentwicklern bereitzustellen. Für Anleger geht es nun darum, ob dieser ambitionierte Hochlauf ohne gravierende Margen- oder Ausführungsrisiken bewältigt werden kann.

Machbarkeit der Fertigungsziele entscheidet über die Bewertung

Der zentrale Dreh- und Angelpunkt für die mittelfristige Bewertung ist das Erreichen der angestrebten Stückzahlen im EUV-Segment bei stabilen Margen. Lithografiesysteme dieser Kategorie zählen zu den komplexesten Industriemaschinen weltweit.

Jeder zusätzliche Produktionsplatz verlangt nicht nur Hallenkapazitäten, sondern extrem spezialisierte Optiken, Laserquellen und Reinraumkomponenten aus einem hochgradig arbeitsteiligen Netzwerk.

Investoren müssen daher genau abwägen, ob die avisierte Schwelle von über 110 Anlagen im Jahr 2028 eine realistische Zielgröße darstellt oder ob Lieferkettenengpässe die Auslieferungspläne verzögern. Das Vertrauen des Marktes stützt sich derzeit darauf, dass die operative Ausführung mit den theoretischen Bestellungen Schritt hält.

Volle Auftragsbücher untermauern das Wachstumsszenario

Gelingt es ASML, die Produktionskapazitäten wie geprüft auszuweiten, spricht das Fundament für die Fortsetzung des langfristigen Aufwärtstrends. Das bullische Szenario basiert auf der Kombination aus technologischer Monopolstellung und gesicherter Abnahme: Da führende Halbleiterhersteller auf die modernsten Werkzeuge angewiesen sind, um nächste Chipgenerationen zu fertigen, besitzen die Niederländer eine enorme Preissetzungsmacht.

Der Umstand, dass die Fertigung für 2027 fast vollständig vergeben ist, nimmt dem Konzern das zyklische Absatzrisiko früherer Halbleiterphasen. Sollten ab 2028 tatsächlich mehr als 110 EUV-Maschinen pro Jahr das Werk verlassen, würde dies das Umsatzvolumen auf ein neues Plateau heben.

Das Papier, das seit Jahresanfang bereits um 58 Prozent zugelegt hat, würde in diesem Fall weiteres Aufwärtspotenzial erschließen, da Skaleneffekte greifen und margenstarke Serviceerlöse mit jeder installierten Basis automatisch anwachsen.

Risiken durch Klumpenbildung und konjunkturelle Bremsspuren

Auf der anderen Seite birgt die massive Kapazitätserweiterung handfeste Gefahren, die Anleger nicht ausblenden dürfen. Das bärische Szenario speist sich vor allem aus der extremen Abhängigkeit von wenigen Großkunden und deren Investitionsbudgets im Bereich künstlicher Intelligenz.

Sollten die Erträge aus KI-Infrastrukturprojekten hinter den Erwartungen der Technologiekonzerne zurückbleiben, drohen Streichungen oder zeitliche Streckungen von Lieferterminen. Zudem binden Großprojekte wie der neu begonnene Fertigungscampus erhebliche Finanzmittel.

Treten während der mehrjährigen Bau- und Anlaufphase Verzögerungen auf oder kühlt sich die globale Halbleiternachfrage unerwartet ab, drohen hohe Fixkosten auf eine geringere Auslastung zu treffen. Eine solche Entwicklung würde die Profitabilität empfindlich treffen und könnte zu deutlichen Bewertungskorrekturen führen.

Leitplanken für die kommenden Monate

Für die weitere Kursentwicklung kommt es auf die Bestätigung der industriellen Zeitpläne an. Solange die Nachfrage nach Hochleistungsprozessoren für Rechenzentren ungebrochen bleibt und die Baufortschritte am neuen Produktionscampus planmäßig verlaufen, bleibt die fundamentale Wachstumsstory intakt.

Kippt jedoch die Investitionsbereitschaft der großen Halbleiterkunden oder zeigen sich Risse in der Zulieferkette für Schlüsselkomponenten, gerät die anvisierte Zielmarke von mehr als 110 Systemen für 2028 schnell ins Wanken.

Der nächste konkrete Katalysator für die Aktie liegt in der formalen Festlegung der Kapazitätsziele für das Jahr 2028, die das Management im Zuge künftiger strategischer Aktualisierungen präzisieren dürfte. Bis dahin müssen Investoren genau beobachten, ob die Pläne vom Prüfstadium in feste Beschlüsse übergehen.

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ASML Holding Aktie

1.611,80 EUR

– 15,60 EUR -0,96 %
KGV 61,96
KUV 17,97
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,26 %
Marktkapitalisierung 621,03 Mrd. EUR
Ø Kursziel 2.044,69 EUR
ISIN: NL0010273215 WKN: A1J4U4

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