ASML Aktie: Mehr als acht Prozent in sieben Tagen
Der globale Chipmarkt verliert binnen einer Woche eine Billion Dollar. ASML rutscht unter wichtige Chartmarken, während Analysten über das Ausmaß der Korrektur streiten.

Kurz zusammengefasst
- Chip-Branche verliert Billion Dollar
- Asml fällt unter charttechnische Marken
- SK Hynix enttäuscht trotz Rekordgewinn
- Chinesische Konkurrenz sorgt für Unruhe
Der weltweite Halbleitersektor hat diese Woche über eine Billion Dollar an Marktwert eingebüßt. ASML gehört zu den Verlierern. Die Aktie des niederländischen Chipausrüsters fiel am Freitag um 1,54 Prozent auf 1.421,80 Euro und setzt damit einen Abwärtstrend fort, der den Titel in den vergangenen sieben Handelstagen mehr als acht Prozent gekostet hat.
Noch dramatischer sieht die Lage in Asien aus. SK Hynix verlor an einem einzigen Handelstag 14,65 Prozent, Samsung Electronics mehr als 13 Prozent. Bei Nvidia schmolz der Marktwert seit vergangenem Freitag um 238 Milliarden Dollar, SK Hynix, Samsung und Micron zusammen um weitere 462 Milliarden Dollar.
Was den Ausverkauf ausgelöst hat
Der Kern der Sorge: Investoren fragen sich, ob die gigantischen Investitionen in KI-Infrastruktur ihre Wachstumsgrenze schneller erreichen als erwartet. Die Frage lautet, ob kurzfristige Erlöse die beispiellosen Ausgabenniveaus überhaupt noch rechtfertigen können. Hinzu kommt wachsende Konkurrenz aus China.
SK Hynix lieferte trotz Rekordergebnis einen Dämpfer. Der Betriebsgewinn versechsfachte sich fast auf umgerechnet 42 Milliarden Dollar im zweiten Quartal – verfehlte damit aber die Markterwartung von rund 44 Milliarden Dollar. Ein Rekordquartal, das dennoch enttäuschte. Genau das verunsichert Anleger derzeit besonders.
Parallel dazu meldet sich Chinas Chipindustrie zurück. Der Speicherchiphersteller CXMT ging diese Woche an die Börse und legte am Montag um 466 Prozent zu, am Mittwoch folgten weitere 12,6 Prozent. Berichten zufolge hat China zudem bei fortschrittlichen Chipfertigungsmaschinen deutliche Fortschritte gemacht – eine direkte Bedrohung für ASML, dessen Lithografiesysteme bislang konkurrenzlos galten. Allein in der vergangenen Woche verlor die ASML-Aktie mehr als elf Prozent.
Charttechnik zeigt Warnsignale
Die Verkaufswelle hat wichtige technische Marken gerissen. ASML notiert derzeit klar unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1.537,34 Euro und auch unter dem 100-Tage-Durchschnitt von 1.384,79 Euro. Der 200-Tage-Durchschnitt bei 1.202,44 Euro gilt als nächste größere Unterstützung, sollte sich der Abwärtstrend fortsetzen.
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei knapp 59 Prozent. Das unterstreicht, wie nervös der Handel seit dem Rekordhoch von 1.748 Euro Ende Juni geworden ist. Verteidigen Käufer die aktuelle Unterstützungszone, könnte sich die Aktie laut Markttechnikern stabilisieren. Rutscht der Kurs weiter ab, rückt der 200-Tage-Durchschnitt als nächstes Ziel in den Fokus.
Analysten uneins über Ausmaß der Reaktion
Nicht alle Marktbeobachter halten den Ausverkauf für fundamental gerechtfertigt. Bank of America bewertet die Reaktion als Übertreibung. Andere Analysten verweisen darauf, dass die chinesische Konkurrenz noch in einem frühen Stadium steckt.
David Riedel, Gründer und Präsident der Riedel Research Group, ordnet die Bewegung nüchterner ein. Die Kursverluste bei KI-nahen Chipwerten seien vor allem ein Abbau von Übertreibungen im Markt. Sorgen um die Finanzierung von KI-Projekten und wachsenden chinesischen Wettbewerb hätten die Stimmung zwar belastet – Speicherchiphersteller würden sich aber erholen, so Riedel. Sie müssten lediglich einen Teil ihrer plötzlichen Kursgewinne wieder abgeben.
Für ASML-Aktionäre bleibt die 100-Tage-Linie bei 1.384,79 Euro die entscheidende Marke der kommenden Handelstage. Hält der Kurs oberhalb dieses Niveaus, ist eine Stabilisierung möglich. Bricht die Aktie darunter, rückt die 200-Tage-Linie bei 1.202,44 Euro als nächste Verteidigungslinie in den Blick.
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