ASML Aktie: Rekordzahlen gegen China-Schock
Trotz Rekordumsatz und angehobener Prognose belasten Berichte über chinesische DUV-Konkurrenz den ASML-Aktienkurs.

Kurz zusammengefasst
- Rekordumsatz von 9,3 Milliarden Euro
- Umsatzprognose für 2026 deutlich angehoben
- Chinesischer Rivale startet DUV-Produktion
- Aktie verliert knapp fünf Prozent
Zwei Nachrichten prallen bei ASML gerade aufeinander. Die eine heißt Rekordumsatz und angehobene Prognose. Die andere: ein chinesischer Rivale, der plötzlich eigene Lithografie-Maschinen baut. Am Dienstag verlor die Aktie 4,91 Prozent und schloss bei 1.390,40 Euro.
Starke Zahlen, schwacher Kurs
Am 15. Juli meldete ASML für das zweite Quartal einen Nettoumsatz von 9,3 Milliarden Euro. Die Bruttomarge lag bei 54,0 Prozent. Auf dieser Basis hob der Konzern seine Umsatzprognose für 2026 kräftig an: von zuvor 36 bis 40 Milliarden Euro auf jetzt 43 bis 45 Milliarden Euro.
Eigentlich Gründe für Optimismus. Doch Medienberichte von Anfang dieser Woche überschatten die guten Zahlen. Ein staatlich unterstütztes Unternehmen aus Shanghai soll demnach die begrenzte Serienproduktion eigener Immersions-DUV-Maschinen gestartet haben. ASML selbst hat das nicht bestätigt. Der Markt reagierte trotzdem heftig: Auf Wochensicht steht die Aktie 11,81 Prozent im Minus, zum 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro fehlen inzwischen 20,46 Prozent.
Die entscheidende Frage: dauerhafter Schaden oder Übertreibung?
Für Anleger geht es im Kern um eine Abwägung. Untergräbt der chinesische DUV-Vorstoß den langfristigen Wert von ASMLs klassischem Geschäft dauerhaft? Oder reicht der Boom bei High-NA-EUV-Systemen für KI-Infrastruktur aus, um die hohe Bewertung der Aktie zu rechtfertigen?
Bullen setzen auf die High-NA-Dominanz
Das positive Szenario stützt sich auf ASMLs Monopolstellung im technologisch anspruchsvollsten Segment der Chipindustrie. Intel Foundry hat nach eigenen Angaben als erstes Unternehmen weltweit Logikchips mit High-NA-EUV-Technologie in Serie gefertigt. Dieser Schritt soll margenstarke Umsätze liefern, die chinesische Wettbewerber derzeit nicht nachbilden können.
Hinzu kommen handfeste Kapazitätspläne. ASML will die EUV-Fertigung 2027 um 30 Prozent ausbauen und prüft eine weitere Erhöhung um 30 Prozent für 2028 – die anhaltende KI-Nachfrage macht das nötig. Technisch spricht ein RSI von 36,6 dafür, dass die Aktie in überverkauftes Terrain läuft, was oft kurzfristige Erholungen auslöst. Trotz eines Kursrückgangs von 15,48 Prozent binnen 30 Tagen liegt der Titel weiterhin 16,43 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt von 1.194,15 Euro. Der langfristige Aufwärtstrend, getragen von einem Plus von 123,18 Prozent binnen zwölf Monaten, ist damit noch nicht gebrochen.
Bären warnen vor geopolitischer Erosion
Das Gegenargument: Exportbeschränkungen könnten den Aufbau einer eigenständigen Halbleiterindustrie in China ungewollt beschleunigt haben. Berichten zufolge zielen die neuen chinesischen DUV-Maschinen – auch wenn sie in der Leistung noch hinterherhinken – bereits auf Lieferungen an Großkunden wie SMIC und Hua Hong ab, möglicherweise schon 2026.
Die Zahlen zur Umsatzverteilung untermauern diese Sorge. Chinas Anteil am ASML-Umsatz soll 2026 auf rund 20 Prozent gefallen sein, nach 33 Prozent im Vorjahr. Ein Markt, der bislang Wachstum lieferte, schrumpft damit spürbar als Absatzgebiet.
Auch das kurzfristige Kursbild hat sich eingetrübt. Der aktuelle Kurs liegt 9,43 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1.535,12 Euro – ein Signal, dass die kurzfristige Dynamik klar negativ gedreht ist. Bei einer Marktkapitalisierung von 549,19 Milliarden Euro reagiert die Aktie entsprechend empfindlich auf jede wahrgenommene Bedrohung ihres Wachstumsvorsprungs. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität ist zuletzt auf 55,80 Prozent gesprungen.
Ausblick: Die 2027er-Roadmap wird zum Prüfstein
Solange ASML den 200-Tage-Durchschnitt von 1.194,15 Euro hält, dürfte die These vom strukturellen KI-Wachstum für langfristig orientierte Anleger die Oberhand behalten. Rutscht die Aktie dagegen weiter in Richtung ihres 52-Wochen-Tiefs von 588,00 Euro, wäre das ein Signal für eine grundlegendere Neubewertung des geopolitischen Risikos.
Der nächste konkrete Prüfstein dürften die offiziellen Zahlen zum dritten Quartal sein, ebenso weitere Updates zum Kapazitätsausbau für 2027. Eine nachhaltige Erholung hängt davon ab, ob ASML zeigen kann, dass der Ausbau der High-NA-EUV-Flotte mögliche Marktanteilsverluste bei älteren DUV-Systemen in China mehr als ausgleicht. Fällt der RSI deutlich unter die Marke von 30, wäre eine kurzfristige Stabilisierung denkbar – vorausgesetzt, niederländische oder US-Behörden verschärfen die Exportregeln nicht weiter.
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