ASML: Auftragsbücher bis 2028 gefüllt
ASML überzeugt mit bis 2028 gefüllten Auftragsbüchern und stabilen Gewinnrevisionen. Geopolitische Risiken bleiben, doch die strukturelle Nachfrage nach Lithografie-Systemen ist ungebrochen.
Kurz zusammengefasst
- Auftragsbücher bis 2028 gefüllt
- Konsolidierung nach starker Rallye
- Geopolitische Risiken bleiben bestehen
- Nachfrage nach Lithografie ungebrochen
Halbleiteraktien sind gerade Nervensache. Ein bekannter Chip-Analyst warnt vor einem weiteren Rückgang der Branchengruppe um 10 Prozent, Goldman Sachs beschreibt den aktuellen Handel zwischen Chips und Software als historisches „fotografisches Negativ“ – Long auf Halbleiter, Short auf Software.
In diesem nervösen Umfeld hat ASML aus meiner Sicht einen Vorteil, den viele Wettbewerber nicht bieten können: sichtbare Visibilität weit über das laufende Jahr hinaus.
Die Kernnachricht: Zyklus-Resistenz statt Story-Fantasie
Seeking Alpha stellte am Montag ASML und den Wafer-Fab-Ausrüster KLA direkt gegenüber – beide profitieren vom KI-Ausbau, doch nur ASML sei aktuell noch kaufenswert. Der Grund: ASML habe seine Auftragsbücher bereits für 2027 und 2028 gefüllt, verfüge über stärkere Gewinnrevisionen und sei insgesamt weniger zyklisch als der Wettbewerb. KLA punkte zwar mit höherem kurzfristigem Wachstum, doch dieses Momentum sei im Kurs bereits eingepreist.
Für mich ist genau das der entscheidende Unterschied in einer Marktphase, in der Anleger nach jedem Halbleiterwert fragen: Wie viel vom Wachstum ist schon Kurs, und wie viel liegt noch vor uns? Bei ASML spricht die mehrjährige Auftragsabdeckung dafür, dass ein guter Teil der Substanz noch nicht verbraucht ist – ein Kontrast zu Aktien, deren Rallye stark von kurzfristigem AI-Hype getragen wird.
Kursbild: Konsolidierung nach starker Rallye
Die Aktie schloss am Dienstag bei 1.495,80 Euro, nach einem moderaten Plus von 0,2 Prozent. Auf Wochensicht steht ein leichtes Minus von 0,5 Prozent zu Buche, während der 30-Tage-Trend mit plus 2,5 Prozent weiterhin positiv bleibt.
Bereits am 20. August notierten Marktbeobachter, dass ASML nach einer zweiwöchigen Rallye zum zweiten Mal in Folge nachgab und eine charttechnische Schlüssellinie testete – ein Muster, das ich als gesunde Verschnaufpause nach einem kräftigen Lauf lese, nicht als Trendbruch.
Mit einem Kurs rund 3,5 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt, aber deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt, befindet sich das Papier in einer Konsolidierungsphase innerhalb eines intakten Aufwärtstrends.
Der RSI von 46,5 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand – Raum nach oben wie nach unten ist also technisch vorhanden. Bemerkenswert bleibt die Performance seit Jahresbeginn von 62 Prozent, ein Wert, der die fundamentale Stärke des Jahres unterstreicht, auch wenn die jüngsten Wochen ruhiger verlaufen.
Geopolitik bleibt der Risikofaktor, den niemand wegdiskutieren sollte
Was mich vorsichtig stimmt, ist das Umfeld, in dem ASML operiert. Ein Fachbeitrag vom Dienstag beschreibt, wie multinationale Unternehmen zwischen konkurrierenden US- und chinesischen Sanktionen sowie Exportkontrollen navigieren müssen – mit Folgen für Lieferketten und Marktunsicherheit.
Parallel dazu zeigen Berichte rund um Nvidia, wie stark China-Exportthemen aktuell die gesamte Halbleiterbranche belasten: Nvidias China-Umsatz halbierte sich im zweiten Quartal, in Taiwan wurde Anklage gegen neun Personen wegen illegaler Serverexporte erhoben.
Für ASML als Ausrüster mit enger Verzahnung zu asiatischen Chipherstellern ist das kein Randthema. Zugleich zeigt der Blick auf SK Hynix und Samsung, die ihre Fab-Kapazitäten in Dalian und Xi’an massiv ausbauen, dass die zugrundeliegende Nachfrage nach fortschrittlicher Lithografie-Ausrüstung ungebrochen bleibt – unabhängig davon, wie die Exportregeln im Detail ausgestaltet werden.
Mein Fazit
Unterm Strich überwiegen für mich die strukturellen Argumente. Eine Auftragslage, die bis 2028 reicht, ist in einem Sektor, der gerade wegen Bewertungssorgen und Exportrisiken nervös reagiert, ein seltenes Gut. Die aktuelle Kursschwäche wirkt auf mich eher wie eine technische Verdauungspause nach einer starken Rallye als wie das Ende der Story.
Wer die geopolitischen Risiken im Blick behält, dürfte in ASML weiterhin eine der widerstandsfähigeren Wetten auf den langfristigen Halbleiterzyklus sehen – auch wenn kurzfristig weitere Rücksetzer nicht auszuschließen sind.
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