ASML: Iran-Krise verzögert US-Exportverbot

Die Iran-Krise verzögert ein US-Exportverbot für ASML, doch der Druck aus Washington und die Konkurrenz aus China bestehen fort. Der Aktienkurs bleibt unter Druck.

Andreas Sommer ·
Abstrakte Darstellung von Halbleiterfertigungstechnologie in einem sterilen Reinraum mit atmosphärischer Beleuchtung. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • US-Sanktionspaket gegen Iran verzögert Chip-Verbot
  • Washington plant Schreiben an 35 Länder
  • Chinesische Konkurrenz treibt Lithografie-Fertigung voran
  • ASML-Aktie fällt 5,2 Prozent in sieben Tagen

Der geopolitische Druck auf ASML lässt nicht nach, doch ein akutes Verbotsszenario ist vertagt. Washington hatte die Niederlande zuletzt gedrängt, den Export von Lithografietechnik nach China weiter einzuschränken. Nun sorgt der eskalierende Konflikt mit dem Iran dafür, dass ein verschärftes US-Chipverbot gegen ASML nicht in dieser Woche kommt, wie am Samstag berichtet wurde.

Iran-Krise überlagert Chip-Diplomatie

Washington bereitet nach eigenen Angaben die „härtesten Sanktionen“ gegen Teheran vor, während im Golf von Hormus der Schiffsverkehr drastisch eingebrochen ist. Diese außenpolitische Prioritätsverschiebung bindet Kapazitäten, die sonst in die Verhandlungen mit den Niederlanden über schärfere Exportregeln für ASML geflossen wären. Der Druck auf Den Haag bleibt jedoch hoch – ein aufgeschobenes Verbot ist kein aufgehobenes.

Parallel verschärft sich die Blockbildung im globalen Technologiewettstreit. Berichten zufolge bereitet die US-Regierung ein Schreiben an rund 35 Länder vor, das diese vor eine Wahl zwischen einer US-geführten Technologiekoalition und einem chinesischen Gegenmodell stellen soll. Für ASML als zentralen Ausrüster der globalen Halbleiterindustrie bedeutet jede weitere Lagerbildung ein zusätzliches Risiko für den Zugang zu Absatzmärkten.

Konkurrenzdruck aus China wächst weiter

Die politische Gemengelage trifft ASML in einer Phase, in der chinesische Wettbewerber ihre eigene Lithografie-Fertigung vorantreiben – ein Thema, das die Aktie bereits vor rund drei Wochen belastet hatte und seither um gut sechs Prozent zugelegt hat. Die Furcht vor technologischer Aufholjagd aus China bleibt damit ein struktureller Belastungsfaktor, unabhängig vom Ausgang der aktuellen Sanktionsdiskussion.

Zusätzlich zeigt sich der Wettbewerb im Bereich Advanced Packaging in Bewegung: LG Electronics hat einem Wettbewerbsbericht zufolge den ersten kommerziellen Auftrag für ein maskenloses Laser-Direktbelichtungssystem für fortschrittliche Chipverpackung erhalten. ASML selbst hatte in diesem Segment 2025 seinen ersten Scanner vorgestellt, konkurriert dort aber inzwischen mit einer breiteren Anbieterlandschaft aus Nikon, Canon, Veeco und SUSS.

Was das für Anleger bedeutet

Am Freitag schloss die ASML-Aktie bei 1.507,80 Euro, ein Plus von 0,4 Prozent auf Tagesbasis. Auf Sicht von sieben Handelstagen steht dennoch ein Rückgang von 5,2 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass die geopolitischen Unsicherheiten trotz der kurzfristigen Verschnaufpause im Kurs nachwirken. Der Titel notiert damit rund 14 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro, das Ende Juni erreicht wurde.

Für Anleger bleibt die Gemengelage unübersichtlich: Eine unmittelbare Verschärfung der US-Exportregeln ist durch die Iran-Krise vorerst vom Tisch, die grundsätzliche Stoßrichtung Washingtons gegenüber ASML und den Niederlanden hat sich jedoch nicht geändert.

Wer auf eine schnelle Entspannung setzt, dürfte enttäuscht werden – die Baustellen China-Konkurrenz, US-Sanktionsdruck und globale Technologieblockbildung bleiben allesamt offen und werden die Kursentwicklung auch in den kommenden Wochen prägen.

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ASML Holding Aktie

1.472,80 EUR

+ 53,40 EUR +3,76 %
KGV 57,59
KUV 15,95
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,30 %
Marktkapitalisierung 568,06 Mrd. EUR
Ø Kursziel 2.041,85 EUR
ISIN: NL0010273215 WKN: A1J4U4

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