ASML: TSMC stemmt sich gegen 10-Prozent-Aufschlag

ASML will Lithografie-Systeme teurer machen, stößt aber auf Widerstand von Großkunde TSMC. Zudem entsteht in China Konkurrenz für DUV-Systeme.

Eduard Altmann ·
ASML Holding Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Preiserhöhung von zehn Prozent geplant
  • TSMC stemmt sich gegen Preisanstieg
  • Shanghaier Hersteller startet DUV-Serienfertigung
  • Aktie verliert trotz Jahresplus an Momentum

ASML greift zu einem Mittel, das selbst für den unangefochtenen Monopolisten der Lithografiebranche ungewöhnlich ist: Medienberichten zufolge will der Konzern die Preise für seine EUV- und DUV-Systeme um rund 10 Prozent anheben.

Interessant ist nicht die Zahl selbst, sondern der Widerstand, der ihr entgegenschlägt – ausgerechnet vom größten Kunden TSMC. Für mich ist das der eigentliche Prüfstein für die Preissetzungsmacht des Unternehmens, und ich bin skeptisch, ob ASML diesen Konflikt ohne Zugeständnisse übersteht.

Die Marktmacht hat Grenzen

Auf den ersten Blick spricht vieles für ASML: Die Fertigungskapazität für Lithografiesysteme ist nach Unternehmensangaben bis Ende 2027 praktisch ausgebucht, gestützt durch eine im August angehobene Umsatzprognose von 43 bis 45 Milliarden Euro für das laufende Jahr. Wer voll ausgelastet ist, kann eigentlich Preise durchsetzen.

Doch TSMC ist kein x-beliebiger Abnehmer, sondern der Kunde, dessen Fertigungserfolge die gesamte KI-Wertschöpfungskette tragen. Wenn dieser Kunde sich öffentlich gegen eine Preiserhöhung stemmt, zeigt das, dass selbst ein Monopolist Rücksicht auf seine wichtigsten Abnehmer nehmen muss. Ich lese das als Warnsignal, nicht als Randnotiz.

Verschärft wird die Lage durch die Nachricht, dass ein staatlich unterstützter Hersteller aus Shanghai mit der Serienfertigung eigener Immersions-DUV-Systeme begonnen hat. Fünf Einheiten sollen 2026 entstehen, zwanzig im Jahr darauf, Abnehmer wären SMIC, Hua Long und CXMT. Das betrifft zunächst nur das untere Ende der Produktpalette, weit entfernt von der EUV-Spitzentechnologie.

Doch es zeigt: China baut an einer Alternative, während ASML gleichzeitig versucht, die Preise für genau jene Kunden zu erhöhen, die keine Alternative haben. Diese Gleichzeitigkeit wirkt für mich wie ein strategisches Risiko, das der Markt noch nicht vollständig eingepreist hat.

Institutionelle Anleger uneins

Auch bei den Großinvestoren zeigt sich kein einheitliches Bild. BlackRock hat seinen Bestand im zweiten Quartal um 4,9 Prozent aufgestockt und hält nun rund 1,28 Millionen Aktien im Wert von etwa 2,55 Milliarden Dollar. Deepwater Asset Management dagegen hat seine Position im selben Zeitraum um 72,3 Prozent reduziert.

Solche gegenläufigen Bewegungen sind für sich genommen wenig aussagekräftig, doch sie passen zu einem Bild, in dem die Investorengemeinde zwischen struktureller Stärke und wachsenden politischen wie kommerziellen Risiken hin- und hergerissen ist.

Aus dem laufenden Jahr stammen ältere, aber weiterhin gültige Kursziele von Analysehäusern: Bernstein bekräftigte am 12. August seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 2.859 Dollar und verwies auf erwartete Auslieferungen von 91 EUV-Maschinen 2027 und 113 im Jahr 2028. Bank of America hatte tags zuvor ein Kursziel von 2.831 Dollar genannt und die Wettbewerbsposition des Unternehmens in der KI-getriebenen Chipfertigung hervorgehoben.

Beide Einschätzungen datieren aus der ersten Augusthälfte und spiegeln damit die Stimmung vor der aktuellen Preisdebatte wider, nicht die Reaktion darauf.

Der Kurs bewegt sich seitwärts, die Story wird komplizierter

Am Markt notiert die Aktie aktuell bei 1.511,60 Euro, ein Plus von 0,6 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 1.502,40 Euro. Über sieben Tage steht dennoch ein Minus von 6,0 Prozent zu Buche, über 30 Tage eines von 4,6 Prozent. Das relativiert die Jahresperformance von 64 Prozent seit Jahresanfang keineswegs, zeigt aber, dass der Markt die jüngsten Nachrichten nicht euphorisch aufnimmt.

Unterm Strich sehe ich ASML an einem Scheidepunkt, der über reine Kurszahlen hinausgeht. Die Kombination aus Preiserhöhungsversuch, Widerstand des Schlüsselkunden und aufkeimender chinesischer Konkurrenz macht deutlich, dass die Position des Unternehmens zwar dominant, aber nicht mehr unantastbar ist.

Wer die Aktie hält, sollte diese Entwicklung genauer beobachten als die nächste Kurszielanhebung eines Analysehauses – denn hier entscheidet sich, ob ASML seine Preismacht tatsächlich durchsetzen kann oder ob TSMC am Ende die stärkere Verhandlungsposition behält.

Anzeige

ASML Holding-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue ASML Holding-Analyse vom 20. August liefert die Antwort:

Die neusten ASML Holding-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für ASML Holding-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 20. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

ASML Holding: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

ASML Holding Aktie

1.502,00 EUR

– 0,40 EUR -0,03 %
KGV 60,58
KUV 17,19
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,27 %
Marktkapitalisierung 592,21 Mrd. EUR
Ø Kursziel 2.001,14 EUR
ISIN: NL0010273215 WKN: A1J4U4

Community Forum zu ASML Holding

Ähnliche Artikel

Beyond Meat Aktie: Barclays hebt Kursziel auf 10 Dollar – bleibt bei Underweight

Beyond Meat Aktie: Barclays hebt Kursziel auf 10 Dollar – bleibt bei Underweight

Turnaround ·
Xiaomi Aktie: 26 Prozent höhere Smartphone-Preise

Xiaomi Aktie: 26 Prozent höhere Smartphone-Preise

Halbleiter ·
Nordic Mining Aktie: 150 Millionen NOK Liquidität bis September

Nordic Mining Aktie: 150 Millionen NOK Liquidität bis September

Turnaround ·
Bayer Aktie: Gerichtstermin verschoben

Bayer Aktie: Gerichtstermin verschoben

Pharma & Biotech ·
Realty Income Aktie: BlackRock baut 7-Milliarden-Position auf

Realty Income Aktie: BlackRock baut 7-Milliarden-Position auf

Immobilien & REITs ·

Weitere Artikel zu ASML Holding

Alle Artikel anzeigen
ASML: Jahresprognose auf 45 Milliarden angehoben

ASML: Jahresprognose auf 45 Milliarden angehoben

Earnings ·
ASML Holding Aktie: Berenberg hebt Kursziel auf 2.100 Euro

ASML Holding Aktie: Berenberg hebt Kursziel auf 2.100 Euro

Halbleiter ·
ASML: Bernstein bestätigt Kursziel von 2.452 Dollar

ASML: Bernstein bestätigt Kursziel von 2.452 Dollar

Halbleiter ·
ASML: 60 EUV-Systeme 2026 geplant

ASML: 60 EUV-Systeme 2026 geplant

Halbleiter ·
ASML: Source Foundry erhält 500 Millionen Dollar

ASML: Source Foundry erhält 500 Millionen Dollar

Halbleiter ·