ASML und TSMC im Kapazitäts-Engpass — Rocket Lab hebt ab, Strategy kämpft
Der KI-Boom treibt die Nachfrage nach Hochleistungschips über das Angebot hinaus. Während ASML von Rekordaufträgen profitiert, kämpft TSMC mit Engpässen. Rocket Lab und Strategy zeigen extreme Kursbewegungen.

Kurz zusammengefasst
- Rekord-EUV-Auftrag von SK Hynix für Asml
- TSMC als Flaschenhals für KI-Chip-Produktion
- Rocket Lab mit Großauftrag und Kursrallye
- Strategy finanziert Bitcoin-Käufe aggressiv
Rekordaufträge, Raketendeals und Bitcoin-Finanzierungsdruck: Fünf Tech-Aktien zeigen diese Woche, wie unterschiedlich die Kräfte im Technologiesektor wirken. Während der KI-Boom die Chipindustrie an ihre physischen Grenzen treibt, sorgen Einzelereignisse bei Rocket Lab und Strategy für heftige Kursausschläge.
Ein Thema zieht sich wie ein roter Faden durch die Branche: Die Nachfrage nach Hochleistungschips übersteigt das Angebot um ein Vielfaches. Branchenschätzungen beziffern das Missverhältnis auf etwa den Faktor drei. Für Ausrüster wie ASML ist das ein Segen, für Auftragsfertiger wie TSMC ein strategisches Dilemma — und für den gesamten Sektor ein Taktgeber.
ASML: Historischer EUV-Auftrag von SK Hynix
SK Hynix hat bei ASML EUV-Lithografie-Systeme im Wert von umgerechnet rund 7,9 Milliarden US-Dollar bestellt. Es ist der größte jemals öffentlich bekannte Einzelauftrag für diese Technologie. Laut Bernstein-Analyst David Dao umfasst die Bestellung etwa 30 neue EUV-Maschinen, die bis Dezember 2027 in zwei südkoreanische Fertigungsstätten geliefert werden sollen — eine davon spezialisiert auf HBM-Chips für KI-Anwendungen, die andere auf fortschrittlichen DRAM.
Der Auftrag entspricht grob einem Viertel des Jahresumsatz-Niveaus von ASML und untermauert das Ziel, bis 2030 einen Jahresumsatz von 60 Milliarden Euro zu erreichen. Ende 2025 lag der Auftragsbestand bereits bei 38,8 Milliarden Euro.
Die Analysten reagierten fast einhellig positiv:
- BofA hob das Kursziel an und verwies auf die knappe Foundry- und DRAM-Kapazität
- Bernstein erhöhte ebenfalls das Ziel bei beibehaltener „Outperform“-Einstufung
- 40 Kaufempfehlungen stehen aktuell nur einer Halteempfehlung gegenüber
Einzig Morgan Stanley mahnte, dass die EUV-Nachfrage 2026 stark auf das zweite Halbjahr konzentriert sein dürfte. Die ASML-Aktie notiert heute bei 1.175 Euro — ein Minus von rund 2,5 Prozent gegenüber dem Vortag, aber immer noch fast 19 Prozent im Plus seit Jahresbeginn.
TSMC: Das wertvollste Nadelöhr der Chipwelt
Wenn ASML die Maschinen liefert, dann ist TSMC die Fabrik, in der sie laufen — und genau dort wird es eng. Ein Broadcom-Manager beschrieb die Lage kürzlich drastisch: Was einst wie „unendliche“ Kapazität wirkte, sei 2026 zum Flaschenhals geworden.
Die Konsequenzen reichen bis zu Nvidias nächster KI-Plattform „Feynman“. Berichten zufolge muss Nvidia möglicherweise Teile des Designs anpassen, weil der Zugang zu TSMCs modernster 2-Nanometer-Fertigung begrenzt ist. Nur die kritischsten Komponenten sollen den neuesten Prozess nutzen, der Rest wandert auf ältere Nodes.
TSMCs Zahlen spiegeln die Nachfrageschwemme wider. Im vierten Quartal 2025 stieg der Umsatz um gut 20 Prozent auf 33,7 Milliarden US-Dollar, wobei 77 Prozent der Wafer-Erlöse auf fortschrittliche Knoten unter 7 Nanometer entfielen. Für das erste Quartal 2026 prognostiziert das Unternehmen 34,6 bis 35,8 Milliarden US-Dollar, für das Gesamtjahr ein Umsatzwachstum von knapp 30 Prozent. Das Investitionsbudget für 2026 liegt bei 52 bis 56 Milliarden US-Dollar.
Alle 18 abdeckenden Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf. Der Kurs liegt heute bei 295 Euro — rund 10 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch, aber weiterhin deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt. Neue Kapazitäten in Taiwan und den USA sollen frühestens 2027 spürbare Entlastung bringen.
Rocket Lab USA: Doppelter Schub durch NASA und SpaceX-Fantasie
Rocket Lab erlebte diese Woche gleich zwei Kurssprünge. Zunächst trieb NASA-Administrator Jared Isaacmans 20-Milliarden-Dollar-Mondprogramm „Ignition“ die Aktie um 10,5 Prozent nach oben. Tags darauf legte sie weitere 9,9 Prozent zu — diesmal befeuert durch Berichte über einen möglichen SpaceX-Börsengang, der die gesamte Raumfahrtbranche elektrisierte.
Fundamental untermauert wurde die Rallye durch einen handfesten Großauftrag: Ein 190-Millionen-Dollar-Vertrag für 20 HASTE-Hyperschalltestflüge über vier Jahre, der größte Startvertrag in der Firmengeschichte. Der Gesamtauftragsbestand kletterte damit über die Marke von zwei Milliarden Dollar — ein Plus von 73 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die operativen Kennzahlen zeigen Fortschritte:
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- Q4-2025-Umsatz: 180 Millionen Dollar, plus 36 Prozent zum Vorjahr
- Jahresumsatz 2025: 602 Millionen Dollar, Wachstum von 38 Prozent
- GAAP-Bruttomarge: 38 Prozent
- Q1-2026-Prognose: 185 bis 200 Millionen Dollar Umsatz
Der Start der neuen Neutron-Rakete wurde nach einem Tanktestproblem auf das vierte Quartal 2026 verschoben. Clear Street nahm die Beobachtung mit Kaufempfehlung und einem Kursziel von 88 Dollar auf. Die Aktie bleibt allerdings weit von der Profitabilität entfernt — das negative KGV von -175 spricht für sich.
Strategy: Wenn die Finanzierungsmaschine zum Risiko wird
Strategy bleibt der eigenwilligste Wert in dieser Runde. Statt Chips oder Raketen dreht sich alles um Bitcoin — und um die zunehmend aggressive Art, den Kauf zu finanzieren. Am 23. März weitete das Unternehmen seine Kapitalmarkt-Programme um insgesamt 42 Milliarden Dollar aus, verteilt auf Stammaktien und die Vorzugsaktie STRC.
Die Mechanik dahinter verdient einen genaueren Blick. STRC ist eine ewige Vorzugsaktie mit einer Dividendenrendite von 11,5 Prozent. Allein die jüngste Emission über 1,18 Milliarden Dollar erzeugt rund 135 Millionen Dollar jährliche Dividendenverpflichtungen. Insgesamt übersteigt die annualisierte Dividendenlast aus dem STRC-Programm bereits eine Milliarde Dollar — bei einem Quartalsumsatz von gerade einmal 123 Millionen Dollar.
Mit den Erlösen kaufte Strategy zuletzt 1.031 Bitcoin zu einem Durchschnittspreis von 74.326 Dollar. Der Gesamtbestand beläuft sich auf 762.099 Bitcoin, erworben für durchschnittlich 75.694 Dollar pro Stück. Strukturell verwandelt sich das Unternehmen damit in ein institutionelles Bitcoin-Vehikel mit Einkommenskomponente für Anleger, die Krypto-Exposure in einem vertrauten Aktienformat suchen.
Die Aktie notiert bei 118,45 Euro — gut 45 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt und fast 70 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Die extreme Volatilität von annualisiert knapp 63 Prozent unterstreicht das Risikoprofil. Kritiker warnen, dass der hohe „Negative Carry“ aus den Vorzugsaktien-Dividenden in einem anhaltenden Bitcoin-Bärenmarkt untragbar werden könnte. Der nächste Stresstest folgt am 4. Mai mit den Quartalszahlen.
ams-OSRAM: Umbau mit Gegenwind
Bei ams-OSRAM steht der Konzernumbau im Mittelpunkt. Das Unternehmen hat mit „Simplify“ ein neues Spar- und Transformationsprogramm aufgelegt, das bis zum Geschäftsjahr 2028 zusätzliche Einsparungen von 200 Millionen Euro jährlich bringen soll. Rund 2.000 Stellen sind betroffen, etwa die Hälfte davon in Europa. Das Vorgängerprogramm „Re-establish the Base“ hatte bereits 220 Millionen Euro eingespart — vorzeitig.
Im vierten Quartal 2025 erzielte ams-OSRAM 874 Millionen Euro Umsatz bei einer bereinigten EBITDA-Marge von 18,4 Prozent, leicht über den eigenen Prognosen. Strategische Verkäufe schreiten voran: Anfang Februar unterzeichnete das Unternehmen den Verkauf des nicht-optischen Mixed-Signal-Sensorgeschäfts an Infineon für 570 Millionen Euro.
Die Prognose für das erste Quartal 2026 enttäuschte allerdings. Mit erwarteten 760 Millionen Euro Umsatz und einer bereinigten EBITDA-Marge von 15 Prozent liegt ams-OSRAM unter den Analystenschätzungen von 791 Millionen Euro und 16,6 Prozent Marge. Belastend wirken Dekonsolidierungseffekte, ein schwächerer Dollar und Einmalkosten aus den Desinvestitionen.
Positiv: Die Halbleiter-Designgewinne überstiegen 2025 erstmals die Marke von fünf Milliarden Euro, angetrieben vor allem vom Automobilbereich. Die Aktie legte in der vergangenen Woche über 13 Prozent zu und notiert bei 9,99 Euro — deutlich über dem 50-Tage-Durchschnitt. Der Analystenkonsens bleibt bei „Halten“. Am 7. Mai liefern die Q1-Zahlen den ersten konkreten Gradmesser, ob „Simplify“ greift.
Chipknappheit als Taktgeber für den Technologiesektor
Die Verbindung zwischen diesen fünf Werten entsteht über eine zentrale Erkenntnis: Die physische Infrastruktur hält mit der digitalen Nachfrage nicht Schritt. TSMCs Kapazitätsengpass ist kein Gegenwind für ASML — er ist der exakte Grund, warum SK Hynix Milliarden in EUV-Maschinen investiert, bevor die Konkurrenz zuschlägt. Das Investitionsmuster verschiebt sich: Kapital fließt nicht mehr nur in Chipdesign, sondern zunehmend in die Sicherung der Produktionsmittel selbst.
Rocket Lab bewegt sich in einem parallelen Universum, profitiert aber von der gleichen Grunddynamik — exponentiell wachsender Bedarf an technologischer Infrastruktur, ob im Orbit oder im Rechenzentrum. ams-OSRAM kämpft dagegen mit der Übergangsphase eines Konzernumbaus, während Strategy als reines Bitcoin-Finanzierungsvehikel eine Sonderrolle einnimmt.
Für die zweite Jahreshälfte 2026 bleiben die Weichenstellungen klar. ASML erwartet flache Umsätze, bevor 2027 das Wachstum durch High-NA-Adoption anziehen soll. TSMCs neue Fabriken dürften frühestens 2027 spürbare Entlastung bringen. Rocket Lab muss den Neutron-Erststart im vierten Quartal liefern. Und ams-OSRAM peilt nach dem Umbau mittelfristig einstelliges Umsatzwachstum und eine bereinigte EBITDA-Marge von über 25 Prozent bis 2030 an. Die Chipknappheit bleibt der gemeinsame Nenner — und sie wird den Sektor noch weit über dieses Jahr hinaus prägen.
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