Astrazeneca Aktie: Pipeline liefert gemischtes Bild

Astrazeneca meldet zwei positive Lungenkrebs-Studien, während die Volrustomig-Phase-3-Studie gestoppt wird. Die Pipeline zeigt sich trotzdem robust.

Dr. Robert Sasse ·
Moderne Laborumgebung mit medizinischen Glasfläschchen und hochwertiger Forschungstechnik in kühler, atmosphärischer Lichtstimmung. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Volrustomig-Studie wird gestoppt
  • Tagrisso-Kombination zeigt Überlebensvorteil
  • Enhertu übertrifft Standardtherapie
  • Pipeline bleibt trotz Rückschlag robust

Drei Studienmeldungen an einem Morgen — und alle drehen sich um Lungenkrebs. Astrazeneca zeigt an diesem Montag, wie unberechenbar Onkologie-Forschung sein kann: zwei Erfolge, ein Rückschlag, alles aus derselben Therapiesparte.

Volrustomig scheitert an Zwischenanalyse

Die Phase-3-Studie eVOLVE-Lung02 wird gestoppt. Getestet wurde der bispezifische Antikörper Volrustomig in Kombination mit Chemotherapie bei metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs mit niedriger PD-L1-Expression.

Der unabhängige Datenüberwachungsausschuss kam nach einer turnusmäßigen Prüfung zum Schluss, dass die Kombination die primären Endpunkte progressionsfreies Überleben und Gesamtüberleben gegenüber Pembrolizumab plus Chemotherapie voraussichtlich nicht erreichen würde. 895 Patienten in 25 Ländern waren eingeschlossen.

Neue Sicherheitssignale gab es keine. Die übrigen Volrustomig-Studien zu Gebärmutterhalskrebs, Kopf-Hals-Tumoren und Mesotheliom laufen unverändert weiter — der Rückschlag betrifft also nur einen Teil des Entwicklungsprogramms für den PD-1/CTLA-4-Doppelblocker.

Zwei Erfolgsmeldungen kontern den Ausfall

Parallel dazu meldet Astrazeneca positive Resultate aus der SAFFRON-Studie. Tagrisso plus Orpathys, entwickelt gemeinsam mit HUTCHMED, verbesserte sowohl progressionsfreies als auch Gesamtüberleben bei EGFR-mutiertem Lungenkrebs mit MET-getriebener Resistenz nach Tagrisso-Vorbehandlung — verglichen mit einer platinbasierten Chemotherapie-Doublette. Die Studie lief an 230 Zentren in 29 Ländern mit 338 Patienten.

Die dritte Meldung betrifft Enhertu, gemeinsam mit Daiichi Sankyo entwickelt. In der DESTINY-Lung04-Studie zeigte das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat als Erstlinientherapie bei HER2-mutiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs eine statistisch signifikante Verbesserung beim progressionsfreien Überleben gegenüber dem bisherigen Behandlungsstandard aus Chemotherapie und Pembrolizumab. Es handelt sich nach Unternehmensangaben um die erste Phase-3-Studie, die in dieser Indikation einen solchen Vorteil gegenüber dem globalen Standard zeigt. Die Auswertung zum Gesamtüberleben läuft noch weiter.

Beide positiven Studien sollen ihre Daten auf einem kommenden Fachkongress vorstellen und den globalen Zulassungsbehörden übermitteln — konkrete Zulassungsanträge sind damit noch nicht gestellt.

Einordnung für die Onkologie-Pipeline

Astrazeneca positioniert sich in der Lungenkrebs-Behandlung inzwischen über mehrere Wirkmechanismen gleichzeitig: Checkpoint-Inhibitoren, MET-Hemmer in Kombination mit dem etablierten Tagrisso, und HER2-gerichtete Antikörper-Wirkstoff-Konjugate.

Der Ausfall bei Volrustomig trifft ein Programm mit ohnehin diversifizierten Indikationen, während SAFFRON und DESTINY-Lung04 zwei zentrale Wachstumsträger der Onkologie-Sparte — Orpathys und Enhertu — in ihrer klinischen Position stärken.

Für die Bewertung der Pipeline zählt an diesem Tag weniger der einzelne Rückschlag als das Gesamtbild: Astrazeneca bleibt in der Lage, aus einem breiten Portfolio heraus Ausfälle zu kompensieren, ohne dass ein gescheitertes Programm die Gesamtstrategie in der Lungenkrebstherapie infrage stellt.

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