AstraZeneca: Camizestrant verfehlt Phase-III-Ziel
AstraZeneca verfehlt ein Brustkrebs-Studienziel, meldet aber Fortschritte bei COPD und Lungenkrebs sowie neue Rechte für den US-Markt.

Kurz zusammengefasst
- Camizestrant-Kombination verfehlt Studienziel
- Tozorakimab senkt COPD-Verschlimmerungen
- FDA prüft Tozorakimab vorrangig
- Zegfrovy-Rechte weltweit gesichert
Der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca steht zum Wochenbeginn im Fokus der Anleger, nachdem eine wichtige klinische Studie in der Onkologie die gesteckten Ziele verfehlt hat. Während die Kombinationstherapie gegen Brustkrebs einen Rückschlag erlitt, verzeichnete das Unternehmen zeitgleich signifikante Fortschritte bei der Behandlung von chronischen Lungenerkrankungen und sicherte sich strategische Lizenzen für den US-Markt.
Rückschlag für Brustkrebs-Hoffnung Camizestrant
Die klinische Erprobung des Medikaments Camizestrant, das unter dem Namen Etcamah geführt wird, lieferte am Freitag enttäuschende Ergebnisse. In einer Phase-III-Studie erreichte die Kombination aus Camizestrant und dem Wirkstoff Ibrance von Pfizer das primäre Ziel einer verbesserten progressionsfreien Überlebenszeit bei Patienten mit fortgeschrittenem Brustkrebs nicht.
Medienberichten zufolge reagierten die in den USA gelisteten Anteile von AstraZeneca bereits am Freitagabend nachbörslich mit einem Kursrückgang von rund 3 %.
Dieser Dämpfer steht im Kontrast zu einer vorangegangenen Entscheidung der US-Arzneimittelbehörde FDA. Erst am 4. September hatte die Behörde Etcamah in Kombination mit einem CDK4/6-Inhibitor eine beschleunigte Zulassung für Erwachsene mit spezifischen Mutationen (ESR1) bei fortgeschrittenem Brustkrebs erteilt.
Die jüngsten Studiendaten verdeutlichen nun jedoch die Herausforderungen bei der Ausweitung des Einsatzspektrums in Kombination mit etablierten Standardtherapien.
Tozorakimab überzeugt in Spätphasenstudien
Deutlich positivere Signale sendet die Sparte für Atemwegserkrankungen. AstraZeneca präsentierte am vergangenen Dienstag Ergebnisse der Phase-III-Studien OBERON und TITANIA für den Wirkstoff Tozorakimab. Die Daten belegen, dass das Medikament die Schübe der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) signifikant reduzieren konnte.
Bei ehemaligen Rauchern verringerte Tozorakimab die moderaten und schweren Verschlimmerungen der Krankheit um 29 % beziehungsweise 34 %. In der breiteren Patientenpopulation lag die Reduktion zwischen 29 % und 30 %.
Die klinischen Erfolge haben unmittelbare regulatorische Konsequenzen: Die FDA hat den Zulassungsantrag für Tozorakimab bereits zur vorrangigen Prüfung (Priority Review) angenommen. Das Unternehmen rechnet mit einer Entscheidung der Behörde im ersten Quartal 2027. Laut Reuters wurden die Ergebnisse zudem auf einem medizinischen Fachkongress in Barcelona hervorgehoben, wobei der breite Nutzen über verschiedene Patientengruppen hinweg betont wurde.
Expansion im Bereich Lungenkrebs
Parallel zu den Entwicklungen in der Atemwegstherapie treibt AstraZeneca sein Onkologie-Portfolio weiter voran. Am vergangenen Dienstag gaben AstraZeneca und Amgen bekannt, dass eine Kombinationstherapie aus Imfinzi und Imdelltra das Gesamtüberleben bei Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs in einer späten Studienphase signifikant verbessern konnte.
Zudem wurde am 1. September die globale Lizenzvereinbarung mit Dizal Pharmaceutical für den Wirkstoff Zegfrovy abgeschlossen. AstraZeneca hält nun die weltweiten Rechte für die Entwicklung und Vermarktung dieses Lungenkrebsmedikaments und plant den US-Marktstart für das vierte Quartal 2026.
Zusätzlich meldete das Unternehmen gemeinsam mit seinem Partner Hutchmed Erfolge für die Kombination aus Tagrisso und Orpathys, die in einer Phase-III-Studie das progressionsfreie Überleben in der Erstlinienbehandlung einer spezifischen Lungenkrebsform verbesserte.
Trotz der operativen Fortschritte spiegelt sich die Skepsis des Marktes in der langfristigen Kursentwicklung wider. Seit Jahresbeginn verzeichnet das Papier ein Minus von 11 %. Am heutigen Montag notiert die Aktie im deutschen Handel bei 140,05 Euro, was einem Tagesplus von 1,9 % entspricht. Damit bewegt sich der Wert weiterhin deutlich unter seinem 200-Tage-Durchschnitt, der gegenwärtig bei 157,56 Euro verläuft.
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