Aurubis Aktie: Starke Zahlen, schwacher Kurs
Aurubis übertrifft Erwartungen mit starkem Quartal, doch die Verzögerung des Richmond-Projekts belastet die Aktie deutlich.

Kurz zusammengefasst
- Umsatzplus von 40 Prozent
- Gewinn fast verdreifacht
- Richmond-Projekt verschiebt sich
- Aktie fällt trotz Rekordzahlen
Aurubis liefert ein Rekordquartal ab – und die Aktie fällt trotzdem deutlich. Der Widerspruch hat einen konkreten Namen: Richmond. Das Recyclingprojekt der Kupferhütte in Virginia verzögert sich, und diese Nachricht wiegt an der Börse offenbar schwerer als die überraschend guten Geschäftszahlen.
Die Kennziffern selbst lassen wenig Raum für Kritik. Der Umsatz stieg im dritten Geschäftsquartal um 40 Prozent auf 6,45 Milliarden Euro, das operative Vorsteuerergebnis kletterte um rund 160 Prozent auf 149 Millionen Euro – deutlich über der Analystenerwartung von 128 Millionen Euro. Unter dem Strich verdreifachte sich der Nettogewinn nahezu auf 114 Millionen Euro. Treiber waren hohe Kupferpreise, angetrieben von KI-Boom, Elektromobilität und dem Ausbau erneuerbarer Energien, sowie kräftig gestiegene Erlöse aus Schwefelsäure, einem Nebenprodukt der Kupferproduktion.
Für die ersten neun Monate steht damit ein operativer Vorsteuergewinn von 374 Millionen Euro zu Buche. Der Vorstand erwartet fürs laufende Geschäftsjahr nun das obere Ende der bestätigten Prognosespanne von 425 bis 525 Millionen Euro – ein Wert, den der Markt allerdings längst eingepreist hatte.
Richmond verschiebt sich um ein Jahr
Der eigentliche Belastungsfaktor liegt im US-Geschäft. Die erste Ausbaustufe des Recyclingwerks in Richmond, Virginia, sollte ursprünglich bis Ende des laufenden Geschäftsjahres fertig sein. Jetzt wird sie erst im Geschäftsjahr 2026/27 erwartet, die zweite Stufe erst 2027/28. Grund sind überlappende Inbetriebnahmen beider Bauabschnitte, die den Hochlauf der Anlagen verzögern, dazu kommen Änderungen bei Qualität und Menge des verfügbaren Recyclingmaterials.
Das hat Folgen für die Ergebniserwartung: Die jährliche EBITDA-Beisteuerung aus Richmond dürfte beim vollen Ausbau nun unter dem ursprünglichen Ziel von 180 Millionen Euro liegen, wenn auch weiterhin im dreistelligen Millionenbereich. Richmond machte rund 65 Prozent der insgesamt anvisierten Ergebnisverbesserung von 260 Millionen Euro aus strategischen Projekten aus – die Verzögerung trifft also den größten Baustein der Wachstumsstory.
Auch bei Cashflow und Verschuldung zeigten sich Schwächen. Der freie Cashflow lag mit minus 302 Millionen Euro deutlich unter den Erwartungen, die Nettoverschuldung stieg auf 686 Millionen Euro – ein Vielfaches der ursprünglich veranschlagten Konsensschätzung. Grund war ein stärkerer Aufbau des Working Capitals als erwartet.
Analystin und Analysten reagierten verhalten. Morgan Stanley bestätigte sein „Equal-weight“-Rating mit Kursziel 177 Euro. Beim DZ Bank-Analysten Dirk Schlamp hieß es, die Zahlen bestätigten die operative Widerstandsfähigkeit von Aurubis, zusätzliche kurzfristige Fantasie über das obere Prognoseende hinaus sei angesichts bereits hoher Markterwartungen aber begrenzt.
Die Aktie fiel im Tagesverlauf zeitweise um mehr als sechs Prozent, konnte sich später an der 21-Tage-Linie stabilisieren. Der technische Aufwärtstrend bleibt damit intakt, auch wenn die Kursreaktion zeigt: Der Markt blickt inzwischen genauso auf die Wachstumsprojekte wie auf das laufende Geschäft.
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