Automobil-Aktien: Rekordlieferungen bei Tesla und BYD, BMW wagt Neustart

Tesla und BYD melden Rekordlieferungen im zweiten Quartal. BMW bereitet den vollelektrischen X5 vor, während XPeng neue Modelle launcht.

Eduard Altmann ·
BYD Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Tesla übertrifft Analystenerwartungen deutlich
  • BYD trotz Exportrekord unter 52-Wochen-Hoch
  • BMW startet iX5 mit 800-Volt-Architektur
  • XPeng erholt sich vor MONA-Debüt

Zwei Rekorde, ein Widerspruch: Tesla meldete das beste zweite Quartal der Firmengeschichte – und lag trotzdem hinter BYD, das im gleichen Zeitraum mehr reine Elektroautos auslieferte. Während sich die beiden Schwergewichte um die globale Vorherrschaft bei Batteriefahrzeugen streiten, bereitet BMW den elektrischen X5 vor, XPeng surft auf einer Welle neuer Modelle und Robotaxi-Fantasie, und Daimler Truck bleibt für Analysten ein Fall für Vorsicht statt Euphorie.

Lieferzahlen als Stimmungsbarometer

Das Berichtsfenster zum Halbjahresende hat sich zu einer Art Nachweis der Nachfragestabilität entwickelt. Tesla lieferte im zweiten Quartal 480.126 Fahrzeuge aus, ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr und deutlich über den Erwartungen der Analysten. Europa trug maßgeblich zur Erholung bei, begünstigt durch steigende Kraftstoffkosten und staatliche Kaufanreize.

BYD kam im selben Zeitraum auf 557.090 ausgelieferte reine Elektrofahrzeuge und bleibt damit global die Nummer eins vor Tesla – obwohl die eigenen BEV-Auslieferungen um rund 8 Prozent zurückgingen. Der chinesische Heimatmarkt schwächelt spürbar: Prognosen für den gesamten Pkw-Markt in China wurden von einem Prozent Wachstum auf ein Minus von 11 Prozent für dieses Jahr nach unten korrigiert. Auslaufende Subventionen, eine anhaltende Immobilienkrise und volle Händlerlager drücken auf die Stimmung.

Diese Verschiebung zwingt chinesische Hersteller, stärker auf Exporte zu setzen, während europäische Platzhersteller wie BMW und Daimler Truck auf Elektrifizierungstempo und Margendisziplin achten. XPeng wiederum versucht, sich über Technologie – autonomes Fahren und KI – von der Konkurrenz abzusetzen.

BYD: Exportrekord kaschiert schwachen Heimatmarkt

BYD-Aktien haben zuletzt kräftig ausgeschlagen. Nach einem Wochenverlauf mit Kursgewinnen von 8,05 Prozent auf Sicht von sieben Tagen notierte das Papier gestern bei 8,96 Euro. Der Wert bleibt damit weiterhin deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch von 14,80 Euro aus dem Juli vergangenen Jahres – ein Abstand von fast 40 Prozent, der die Dimension der zurückliegenden Korrektur verdeutlicht.

Auslöser der jüngsten Erholung war ein Exportrekord: Im Juni verschiffte BYD 175.349 Fahrzeuge ins Ausland, ein Plus von 94,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Internationale Verkäufe machten damit rund 43,5 Prozent des monatlichen Absatzes aus und kompensierten einen Einbruch von 22 Prozent auf dem heimischen Markt. Analysten von Deutsche Bank rechnen für das zweite Quartal mit einem Sprung des Nettogewinns um 145 Prozent im Quartalsvergleich, getrieben von der wachsenden Bedeutung margenstärkerer Auslandsgeschäfte.

Die Europa-Expansion bleibt zentraler Baustein der Wachstumsstory. Das ungarische Werk soll noch in diesem Jahr die Massenproduktion erreichen, und die Entscheidung über einen zweiten europäischen Standort rückt näher – Spanien und Frankreich gelten als Favoriten für eine mögliche Übernahme bestehender Werkskapazitäten, womöglich von Stellantis. Nicht jede Auslandswette geht auf: Eine geplante Investition von einer Milliarde Dollar in der Türkei liegt auf Eis, am Standort Manisa ruht der Bau seit anderthalb Jahren.

BMW: Der X5 wird zum Elektro-Testfeld

BMW nimmt mit der nächsten X5-Generation eine seiner bedeutendsten Elektrifizierungsschritte in Angriff. Benzin, Diesel, Plug-in-Hybrid und batterieelektrisch, später ergänzt um eine Wasserstoffversion – fünf Antriebsarten in einem Modell sollen unterschiedlichen Mobilitätsprofilen weltweit gerecht werden. Produktionsstart ist im August im Werk Spartanburg, ab Dezember läuft dort auch der iX5 vom Band – das erste vollelektrische Modell der Baureihe.

Technisch basiert der iX5 60 xDrive auf der sechsten Generation der BMW eDrive-Technologie und einer 800-Volt-Architektur, mit einer vorläufigen Reichweite von 645 bis 845 Kilometern nach WLTP-Norm. In den USA wurde bereits ein Einstiegspreis von 79.800 Dollar vor Aufpreisen genannt.

An der Börse bleibt das Bild gemischt. Die BMW-Aktie schloss gestern bei 60,66 Euro, ein Plus von 2,92 Prozent auf Wochensicht, doch auf Monatssicht steht ein Minus von 15,11 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn hat das Papier 36,76 Prozent verloren und notiert damit rund 38 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 97,90 Euro. Der RSI von 35,3 deutet auf eine überverkaufte Situation hin. Bei den Kurszielen gehen die Meinungen auseinander: Ein Analystenkonsens sieht 78,35 Euro als Zwölf-Monats-Ziel, eine andere Erhebung kommt auf 90,34 Euro – beide implizieren deutliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Niveau.

Tesla: Lieferrekord trifft auf Gewinnmitnahmen

Tesla hat mit den am Donnerstag veröffentlichten Zahlen eine Wende markiert. Die 480.126 ausgelieferten Fahrzeuge lagen rund 74.000 Einheiten oder etwa 18 Prozent über den Analystenschätzungen und bedeuten eine deutliche Erholung gegenüber den 358.023 Auslieferungen im ersten Quartal. Bemerkenswert ist der Wert nicht nur wegen der übertroffenen Prognosen, sondern weil er nach mehr als zwei Jahren stagnierender oder rückläufiger Auslieferungen die erste echte Trendwende darstellt.

Trotz der starken Zahlen reagierte die Aktie negativ – Investoren nahmen nach einem Wochenplus Gewinne mit, da die positiven Erwartungen offenbar bereits eingepreist waren. Das Papier schloss gestern bei 344,00 Euro, nach einem Wochengewinn von 2,90 Prozent, während auf Monatssicht ein Minus von 5,87 Prozent zu Buche steht. Seit Jahresbeginn liegt Tesla mit 8,00 Prozent im Minus, auf Zwölfmonatssicht dagegen mit 28,81 Prozent deutlich im Plus – ein Beleg für die enorme Schwankungsbreite der Aktie, die sich auch in der annualisierten Volatilität von knapp 52 Prozent widerspiegelt.

Truist-Analyst William Stein erhöhte sein Kursziel nach den Lieferzahlen auf 430 Dollar von zuvor 400 Dollar, beließ die Einstufung aber bei Hold. Der nächste Katalysator steht bereits fest: Die vollständigen Quartalszahlen werden am 22. Juli nach Handelsschluss veröffentlicht.

XPeng: Erholung vor dem MONA-Launch

XPeng zeigte im zweiten Quartal eine klare Erholung nach einem schwachen Jahresauftakt. Im Juni wurden 40.126 Fahrzeuge ausgeliefert, insgesamt kam das Unternehmen im Quartal auf 103.295 Einheiten – ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während der breitere chinesische E-Auto-Markt in den ersten fünf Monaten des Vorjahres um 14 Prozent schrumpfte. Vom GX-SUV lief im Juni die 10.000ste Einheit vom Band.

Ein neues Kapitel schlägt das Unternehmen mit dem MONA L03 auf, dessen China-Debüt samt Vorbestellstart für den 2. Juli angesetzt war, gefolgt von einem globalen Marktstart im Juli. Trotz der Erholung bleibt die Marktposition überschaubar: Mit einem Anteil von lediglich 3 Prozent am chinesischen Pkw-Markt für Elektrofahrzeuge liegt XPeng weit hinter Branchenprimus BYD.

Finanziell verbessern sich die Margen spürbar. Im ersten Quartal sanken die Auslieferungen zwar um 33,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, doch der Bruttogewinn stieg auf 2,7 Milliarden Renminbi von 2,5 Milliarden im Jahresvergleich, die Bruttomarge kletterte von 15,6 auf 20,6 Prozent. An der Börse hat die Aktie zuletzt kräftig zugelegt: Gestern schloss sie bei 11,48 Euro, ein Wochenplus von 7,69 Prozent, während sie auf Monatssicht mit 23,87 Prozent im Minus liegt und seit Jahresbeginn 34,21 Prozent verloren hat. Der durchschnittliche Analystenkonsens lautet weiterhin „Kaufen“.

Daimler Truck: Stabiler Kurs, vorsichtiger Ton bei UBS

Während die Pkw-Hersteller um Marktanteile ringen, bewegt sich Daimler Truck in ruhigerem Fahrwasser. UBS-Analyst Hemal Bhundia beließ seine Einstufung bei Neutral, senkte das Kursziel aber leicht von 46 auf 45 Euro. Der breitere Analystenkonsens fällt konstruktiver aus: Im Schnitt wird ein Zwölf-Monats-Kursziel von 46,29 Euro angesetzt, mit einer Spanne von 30 bis 54 Euro und einer Mehrheit von Kaufempfehlungen – daraus ergibt sich ein Aufwärtspotenzial von rund 9,12 Prozent.

Die Aktie selbst zeigt sich als einer der stabilsten Werte im Sektor. Gestern schloss sie bei 42,90 Euro, ein Wochenplus von 4,58 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 14,19 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht 5,77 Prozent – als einziges der fünf Assets notiert Daimler Truck sowohl über dem 50-Tage- als auch über dem 200-Tage-Durchschnitt. Der RSI von 58,7 signalisiert moderaten Aufwärtsdruck ohne Überhitzung. Die geografische Verteilung des Umsatzes mit einem starken US-Anteil von 34,6 Prozent bleibt dabei ein Risikofaktor, sollte sich das nordamerikanische Nutzfahrzeuggeschäft eintrüben. Die nächsten Zahlen sind für den 7. August terminiert.

Sektordynamik im Überblick

Der Vergleich zwischen BYD und Tesla zeigt, wie sich das globale Rennen um die Elektromobilität zuspitzt statt sich zu entscheiden. Die Lücke zwischen beiden schrumpft: Tesla liegt inzwischen nur noch rund 77.000 Einheiten hinter BYD, vor einem Jahr waren es noch über 220.000. Das zweite Halbjahr könnte darüber entscheiden, wer sich am Jahresende die Krone bei reinen Elektrofahrzeugen sichert.

Einige übergreifende Muster fallen auf:

  • Exportfokus als Ausweg: Chinesische Hersteller kompensieren die Schwäche im Heimatmarkt zunehmend über Auslandsgeschäfte – neben BYD zeigen auch Leapmotor (Juni-Auslieferungen +95 Prozent) und Zeekr (+111 Prozent) ähnliche Muster.
  • Europäische Mehrgleisigkeit: BMW setzt mit dem X5 bewusst auf mehrere Antriebsarten statt auf eine reine Elektro-Strategie – ein Gegenentwurf zur binären Positionierung von Tesla, BYD und XPeng.
  • Nutzfahrzeuge als Sonderfall: Daimler Truck bleibt vom Preiskampf bei Pkw-Elektrofahrzeugen weitgehend abgeschirmt, bleibt aber konjunktursensibel wegen seiner starken US- und Europa-Ausrichtung.
  • Volatilität als Konstante: Mit annualisierten Schwankungsbreiten zwischen 28 Prozent (Daimler Truck) und über 50 Prozent (Tesla) bleibt der gesamte Sektor für kurzfristige Kursausschläge anfällig.

Ausblick: Diese Termine entscheiden über die zweite Jahreshälfte

Die kommenden Wochen bringen eine dichte Abfolge an Ereignissen. Tesla muss am 22. Juli beweisen, dass sich der Lieferrekord auch in Margen niederschlägt – insbesondere angesichts der laufenden Investitionen in autonomes Fahren und KI-Infrastruktur. Bei BYD dürfte die Frage im Fokus stehen, ob sich die Exportdynamik fortsetzt und wie die Entscheidung über den zweiten europäischen Produktionsstandort ausfällt.

Für BMW wird das Tempo der iX5-Einführung und der breiteren Neue-Klasse-Modellpalette bis 2027 zum Gradmesser dafür, wie schnell sich die Mehrgleisigkeit in tatsächliche Marktanteile übersetzen lässt. XPengs globaler Start des MONA L03 und die Robotaxi-Ambitionen liefern einen eigenen Technologie-Blickwinkel, während die Augustzahlen von Daimler Truck zeigen werden, ob die Zurückhaltung von UBS berechtigt war oder der optimistischere Analystenkonsens näher an der Realität liegt.

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BYD Aktie

8,94 EUR

+ 0,22 EUR +2,49 %
KGV 32,20
Sektor Zyklischer Konsum
Div.-Rendite 0,49 %
Marktkapitalisierung 660,54 Mrd. EUR
ISIN: CNE100000296 WKN: A0M4W9

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