BASF Aktie: Altreifen als Rohstoffquelle
BASF startet mit Partnern ein Kreislaufprojekt zur Wiederverwertung von Altreifen als Rohstoffquelle für die Chemieproduktion.

Kurz zusammengefasst
- Pyrolyse zerlegt Altreifen in Rohstoffe
- BASF nutzt Pyrolyseöl für Synthesekautschuk
- Pirelli integriert recycelten Ruß in Produktion
- Ccycled-Portfolio wird kontinuierlich ausgebaut
Wenn aus einem ausgedienten Autoreifen wieder ein neuer wird, steckt dahinter mehr als nur gutes Marketing. BASF hat sich mit drei Partnern zusammengetan, um genau das industriell umzusetzen — und liefert damit ein konkretes Beispiel dafür, wie der Konzern seine Kreislaufwirtschaft-Strategie in die Praxis bringt.
Vier Unternehmen, ein geschlossener Kreislauf
Die „Tyre-to-Tyre“-Initiative, angeführt vom italienischen Reifenhersteller Pirelli, bringt vier Firmen entlang einer neuen Wertschöpfungskette zusammen. Pyrum Innovations zerlegt Alt- und Ausschussreifen per Pyrolyse in zwei Sekundärrohstoffe: wiedergewonnenen Ruß und Reifenpyrolyseöl. Während der Ruß direkt zurück in Pirellis Produktion fließt, landet das Pyrolyseöl bei BASF.
Dort speist der Konzern das Material zusammen mit fossilen Rohstoffen in die Produktion von Butadien und Styrol ein — Grundbausteine für Synthesekautschuk. Über einen Massenbilanzansatz lässt sich der recycelte Anteil den ISCC-PLUS-zertifizierten Ccycled-Produkten zuordnen, was Rückverfolgbarkeit entlang der gesamten Kette garantiert. Synthos verarbeitet das Material anschließend zu zertifiziertem Synthesekautschuk für High-Performance-Reifen, den Pirelli wieder in seine Produktion integriert. Der Kreis schließt sich.
Gesammelt werden die Ausgangsstoffe unter anderem in deutschen DRIVER-Filialen, bei Motorsport-Veranstaltungen sowie im Pirelli-Werk in Breuberg. Für BASF ist das Projekt Teil einer breiteren Linie: Der Konzern positioniert sich als Partner für die „grüne Transformation“ seiner Kunden und baut sein Ccycled-Portfolio aus recycelten und alternativen Rohstoffen kontinuierlich aus. Mit rund 95.000 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von etwa 60 Milliarden Euro im Jahr 2025 bleibt die Chemiesparte dabei das Kerngeschäft, das solche Nischenprojekte finanziell trägt.
Für die BASF-Aktie ist das „Tyre-to-Tyre“-Projekt kein Kurstreiber im klassischen Sinn — dazu ist das Volumen zu klein. Es zeigt aber, wie der Konzern versucht, regulatorischen Druck bei Kreislaufwirtschaft und CO2-Bilanz in handfeste Kundenbeziehungen zu übersetzen. Ob sich daraus mittelfristig ein skalierbares Geschäftsfeld entwickelt, hängt davon ab, wie schnell sich weitere Reifenhersteller dem europäischen Ökosystem anschließen.
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