BASF Aktie: Evonik blockt ab
Evonik weist BASFs Übernahmevorschlag zurück; zugleich erschwert Niedrigwasser am Rhein die Versorgung des Werks Ludwigshafen.

Kurz zusammengefasst
- Evonik lehnt BASF-Angebot über 10,3 Milliarden Euro ab
- RAG-Stiftung hält 44 Prozent an Evonik
- Rheinpegel behindert Ludwigshafens Binnenschiff-Transporte
- Lieferengpässe für Chemieproduktion sind möglich
Ein Übernahmeangebot in Milliardenhöhe, eine klare Absage — und ein Konzernchef, der trotzdem an seiner Konsolidierungsstrategie festhält. BASF ist mit dem Versuch gescheitert, den kleineren Konkurrenten Evonik zu übernehmen. Das Management in Ludwigshafen dürfte sich damit aber kaum zufriedengeben.
Evonik weist Angebot zurück
BASF hatte Evonik rund 22,15 Euro je Aktie geboten, was einer Prämie von knapp 29 Prozent auf den Kurs vor Bekanntwerden der Übernahmespekulationen entsprach. Insgesamt bewertete der Vorschlag Evonik mit einem Unternehmenswert von etwa 14,2 Milliarden Euro, das Gesamtvolumen der Offerte lag bei rund 10,3 Milliarden Euro. Evonik lehnte ab — die Bewertung reiche nicht aus, um Verhandlungen oder eine Due-Diligence-Prüfung zu rechtfertigen, hieß es.
Damit rückt die RAG-Stiftung in den Fokus. Die Stiftung hält 44 Prozent an Evonik und finanziert über die Beteiligung frühere Verpflichtungen aus dem Steinkohlebergbau. Ihr Aufsichtsgremium ist politisch und gewerkschaftlich stark besetzt — jede mögliche Transaktion würde dort auf strenge Prüfung hinsichtlich Standortsicherung und Beschäftigungsgarantien stoßen.
BASF-Chef Markus Kamieth verfolgt mit dem Vorstoß eine ambitionierte Konsolidierungsstrategie. Angesichts hoher Energiekosten, globaler Überkapazitäten und wachsendem Wettbewerbsdruck durch Rivalen wie Dow oder Sinopec gilt eine Bündelung europäischer Chemiekapazitäten in der Branche zunehmend als notwendig.
BASF bekräftigte die strategische Logik des Vorstoßes, machte aber deutlich, dass mögliche Synergien ein aktives Mitwirken von Evonik voraussetzen. Die BASF-Aktie geriet in der vergangenen Woche unter Druck — Anleger äußerten Bedenken hinsichtlich Ausführungsrisiken und der finanziellen Last einer komplexen Integration.
Unter Analysten fällt das Bild gespalten aus: Während einige Häuser Chancen in der Marktkonsolidierung sehen, betonen andere die Risiken einer solchen Übernahme.
Niedrigwasser als zusätzliche Belastung
Parallel zur Evonik-Episode macht BASF ein ganz anderes Problem zu schaffen: der Rhein. Der Pegel in Kaub unterschritt am Wochenende zeitweise den Nullpunkt, ein historischer Tiefstand. Der Mittelrheinabschnitt zwischen St. Goar und Mainz gilt als Nadelöhr der Binnenschifffahrt — aktuell sind dort nur noch vereinzelt Güterschiffe unterwegs.
Für BASF ist das keine Nebensächlichkeit. Das Werk in Ludwigshafen bezieht rund die Hälfte seiner Vorprodukte per Binnenschiff. Bleibt die Fahrrinne so eingeschränkt, drohen Lieferengpässe für die Chemieproduktion am größten Konzernstandort. Behörden rechnen frühestens zum kommenden Wochenende mit steigenden Pegelständen.
Für BASF überlagern sich damit zwei Baustellen: eine zurückgewiesene Milliardenofferte, die die Konsolidierungspläne zumindest vorerst ausbremst, und eine Logistikkrise am wichtigsten Produktionsstandort. Wie es mit Evonik weitergeht, hängt nun maßgeblich von der Haltung der RAG-Stiftung ab.
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