BASF Aktie: Fällt der Widerstand?
BASF steigerte im dritten Quartal Umsatz und bereinigtes EBITDA; die LBBW hob ihr Kursziel leicht an und blieb bei „Halten“.

Kurz zusammengefasst
- Evonik bekräftigte die Ablehnung des BASF-Angebots
- BASF-Umsatz stieg um 14 Prozent
- Bereinigtes EBITDA legte um 15 Prozent zu
- LBBW erhöhte das Kursziel auf 57 Euro
Evoniks Widerstand rückt die Umsetzung in den Fokus
Evoniks erneute Absage an das BASF-Übernahmeangebot stellt Anleger vor eine Abwägung: Wie stark trägt das eigene Geschäft die Perspektiven von BASF? Medienberichten zufolge bekräftigte Evonik-Interimschef Claus Rettig gestern die Ablehnung der Offerte. Die BASF-Aktie gewann gestern 2,5%. Für die weitere Einschätzung dürfte entscheidend werden, ob BASF die gestiegenen operativen Erwartungen erfüllt.
Rettig setzt auf Eigenständigkeit und sieht für Evonik eigene Wachstums- und Konsolidierungsmöglichkeiten. Damit steht dem Übernahmevorhaben eine Unternehmensführung gegenüber, die eine eigenständige Alternative verfolgt. Wer BASF beurteilt, sollte deshalb den operativen Ergebnissen besonderes Gewicht geben und einen möglichen Transaktionserfolg nur als bedingte Perspektive berücksichtigen.
BASF hatte Medienberichten zufolge zuletzt 24 Euro je Evonik-Aktie geboten. Die erneute Ablehnung erhöht aus Anlegersicht die Bedeutung der Angebotsdisziplin: Ein weiterer Schritt wäre daran zu messen, ob seine Konditionen einen überzeugenden wirtschaftlichen Nutzen erwarten ließen.
Die Ergebnisprognose wird zum zentralen Prüfstein
Der wichtigste operative Maßstab ist das EBITDA vor Sondereinflüssen. Vor gut einer Woche hob BASF die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 auf 7,4 bis 7,8 Milliarden Euro an. Für Anleger stellt sich damit die Frage, ob das Unternehmen diese höhere Erwartung im weiteren Geschäftsverlauf einlösen kann.
Die Prognose gibt der Bewertung einen konkreten Bezugspunkt. Je verlässlicher BASF diesen Ergebniskorridor erreicht, desto stärker ließe sich eine positive Einschätzung auf das eigene Geschäft stützen. Das wäre gerade dann relevant, wenn Evonik an seinem eigenständigen Kurs festhält.
Im dritten Quartal 2026 erzielte BASF laut Unternehmensangaben einen Umsatz von 16,4 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahresquartal entsprach das einem Wachstum von 14 Prozent.
Für die Beurteilung der Ergebnisqualität zählt daneben, wie sich die operative Ertragskennzahl entwickelt. Ein paralleler Anstieg würde die positive Lesart des Umsatzwachstums stützen.
Das EBITDA vor Sondereinflüssen erreichte im selben Berichtszeitraum 1,6 Milliarden Euro und lag damit 15 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Ergebniskennzahl wuchs somit etwas stärker als der Umsatz.
Eigenständiges Wachstum könnte die Bewertung tragen
Das positive Szenario beginnt mit einer Fortsetzung dieser operativen Entwicklung. Erreicht BASF den angehobenen Ergebniskorridor, könnte das die Zuversicht in die eigene Ertragskraft stärken. Die Anlageperspektive hätte dann einen tragfähigen operativen Bezugspunkt, während ein möglicher Evonik-Erwerb eine zusätzliche strategische Option bliebe.
Eine vorsichtige Aufhellung zeigt auch die jüngste Analystenaktion. Die LBBW erhöhte am Dienstag ihr BASF-Kursziel von 56 auf 57 Euro und beließ die Einstufung auf „Halten“.
Diese Kombination spricht für eine etwas günstigere Bewertung bei weiterhin abwartender Haltung. Ein überzeugenderes positives Szenario würde voraussetzen, dass BASF die höheren Erwartungen durch weitere Ergebnisse untermauert.
Hinzu kommt der laufende Aktienrückkauf. BASF meldete am Montag, im Zeitraum vom 26. bis einschließlich 30. Oktober insgesamt 355.128 Aktien zurückgekauft zu haben. Der Rückkauf ergänzt damit die operative Perspektive um eine bereits umgesetzte Kapitalmaßnahme.
Höhere Erwartungen erhöhen das Enttäuschungsrisiko
Das Gegenbild wäre ein Geschäftsverlauf, der hinter dem angehobenen Ergebniskorridor zurückbleibt. In diesem Fall müssten Anleger ihre Erwartungen an die operative Entwicklung überprüfen. Gerade die Prognoseanhebung erhöht die Messlatte für die nächsten Zahlen und macht deren Bestätigung besonders wichtig.
Beim Evonik-Vorhaben liegt das Risiko in der weiteren strategischen Abwägung. Sollte BASF ein verändertes Angebot erwägen, wären dessen Konditionen und wirtschaftlicher Nutzen neu zu beurteilen. Eine höhere finanzielle Verpflichtung wäre nur dann überzeugend, wenn der erwartete Nutzen sie rechtfertigte.
Evoniks Festhalten an eigenen Wachstumsplänen verstärkt diesen Prüfbedarf. Solange die Gegenseite ihre Eigenständigkeit bevorzugt, sollten Anleger einen erfolgreichen Abschluss nur unter Vorbehalt in ihre Erwartungen einbeziehen. Für BASF bleibt damit die eigene Ergebnisentwicklung der belastbarere Bewertungsanker.
Die nächsten Zahlen müssen die Zuversicht bestätigen
Solange BASF den angehobenen Ergebniskorridor bestätigt, könnte die operative Stärke die weitere Bewertung tragen. Geriete diese Erwartung unter Druck, verlöre auch das positive Szenario an Überzeugungskraft. Neue Übernahmeschritte wären zusätzlich anhand ihrer konkreten Konditionen zu prüfen.
Der nächste konkrete Ergebnistermin ist die voraussichtliche Veröffentlichung der Zahlen für das vierte Quartal 2026 am 26.02.2027. Dann könnten Anleger beurteilen, wie belastbar die höhere Prognose war. Bis dahin spricht eine bestätigte Ergebnisentwicklung für BASF; veränderte Angebotsbedingungen würden eine erneute Prüfung der strategischen Chancen und Risiken verlangen.
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