BASF Aktie: IPO-Fantasie treibt Kurs
Der geplante Börsengang der Agrarsparte treibt die BASF-Aktie. Analysten bewerten Chancen und Risiken der Aufspaltung.

Kurz zusammengefasst
- Kursplus dank IPO-Fantasie
- Agrarsparte als stabiler Cash-Lieferant
- Börsengang für 2027 geplant
- Risiko durch Iran-Krise
BASF-Aktien steigen am Dienstag um 2,01 Prozent auf 49,59 Euro. Der DAX gerät zeitgleich unter Druck. Der Ludwigshafener Chemiekonzern schwimmt gegen den Strom – und der Grund dafür hat einen Namen: der geplante Börsengang der Agrarsparte.
Der Fahrplan für die Agrarsparte steht
Der Carve-out der Agricultural Solutions nimmt Form an. Die Hauptversammlung hat die Abspaltung bereits im April 2026 beschlossen. Jetzt steht die Eintragung ins Handelsregister unmittelbar bevor.
Die Sparte erwirtschaftet rund 10 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Das operative Ergebnis liegt bei etwa 2 Milliarden Euro. Damit ist sie der stabilste Cash-Lieferant im Konzern.
BASF will laut aktuellen Plänen die Mehrheit an der Tochter behalten. Das unterstreicht, wie wichtig das Geschäft für den Konzern bleibt. Parallel prüft das Management einen Direktverkauf als Alternative zum Börsengang – ein Dual-Track-Verfahren, das der Konzernführung maximale Flexibilität sichert. Der Börsengang selbst ist für 2027 an der Frankfurter Börse geplant.
Die entscheidende Kennzahl: Löst der IPO den Konglomeratsabschlag?
Für Anleger zählt am Ende eine Zahl: der Konglomeratsabschlag der BASF-Holding. Bei einer angestrebten Bewertung der Agrarsparte von 20 bis 30 Milliarden Euro würde dieser eine Unternehmensteil im Bestcase fast drei Viertel der gesamten Marktkapitalisierung von 42,05 Milliarden Euro abdecken.
Die Frage lautet: Erkennt der Markt das verbleibende Chemiegeschäft künftig als eigenständigen Werttreiber an? Oder bleibt die Aktie an die zyklischen Risiken der Grundstoffchemie gekettet – ohne die stabilisierenden Agrar-Cashflows im Rücken?
Bullisches Szenario: Sichtbare stille Reserven
Für weiter steigende Kurse spricht vor allem die Hebelwirkung des IPOs. Wettbewerber wie Corteva werden mit dem 14-fachen ihres operativen Ergebnisses bewertet. Diese Vergleichswerte stützen die Ambition, für die BASF-Sparte bis zu 30 Milliarden Euro zu erzielen.
Verankert sich diese Bewertung am Markt, dürfte das die Muttergesellschaft stützen. Die stillen Reserven im Portfolio würden plötzlich sichtbar.
Der Konzern zeigt zudem operative Widerstandskraft. Trotz der Eskalation im Iran und einem Brent-Ölpreis von rund 85 US-Dollar konnte BASF laut Finanzvorstand Dirk Elvermann die gestiegenen Rohstoffkosten bislang weitergeben. Charttechnisch nähert sich die Aktie mit 49,59 Euro wieder ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 49,85 Euro – nur noch 0,53 Prozent trennen sie davon.
Ein nachhaltiger Ausbruch über diese Marke könnte den Weg zum 52-Wochen-Hoch bei 55,05 Euro öffnen. Seit Jahresanfang steht die Aktie bereits mit 10,84 Prozent im Plus. Das signalisiert wachsendes Vertrauen in die Transformation.
Bärisches Szenario: Die Straße von Hormus als Risiko
Das größte Risiko liegt in einer Verschärfung der Versorgungskrise. Der Verband der Chemischen Industrie warnt vor gravierenden Lieferengpässen in den kommenden sechs bis acht Wochen, sollte die Blockade der Straße von Hormus andauern.
Besonders kritisch: die Versorgung mit Ammoniak, Phosphaten und Schwefel. Diese Grundstoffe braucht auch die Agrarsparte. Rund die Hälfte des globalen Seehandels mit Schwefel läuft über diese Route – eine dauerhafte Unterbrechung könnte die Produktion in Ludwigshafen massiv treffen.
Hinzu kommt das lange Zeitfenster bis 2027. Ein schwieriges IPO-Umfeld könnte die Bewertungsfantasie dämpfen, wie der Kurssturz der SMAG-Aktie am ersten Handelstag jüngst gezeigt hat.
Gerät die Profitabilität im Kernsegment Chemie durch hohe Energiepreise und chinesische Überkapazitäten weiter unter Druck, drohen andere Interpretationen. Der Markt könnte die Trennung von der Agrarsparte dann nicht als Befreiung werten, sondern als Verlust einer wichtigen Absicherung. In diesem Fall rückt das 52-Wochen-Tief von 41,60 Euro wieder in Reichweite – aktuell liegt die Aktie 19,21 Prozent darüber.
Ausblick: Die Marke bei 47,51 Euro als Frühwarnsystem
Kurzfristig entscheidet die Bestätigung der operativen Stabilität über die Richtung. Solange die Aktie über dem 200-Tage-Durchschnitt von 47,51 Euro notiert – aktueller Abstand: 4,38 Prozent – bleibt das konstruktive Bild intakt. Entscheidend wird sein, ob BASF die Margen im Bereich Agricultural Solutions trotz Logistikproblemen bei rund 20 Prozent halten kann.
Der nächste Katalysator steht bereits fest: Am 29. Juli 2026 legt BASF den Quartalsbericht für das zweite Quartal vor. Anleger dürften vor allem auf zwei Punkte achten: die Entwicklung der Rohstoffkostenweitergabe und den Fortschritt beim Carve-out.
Bestätigt der Konzern die Jahresprognose trotz der Iran-Krise, dürfte die IPO-Story das dominierende Thema bleiben und den Kurs weiter stützen. Kippt die Stimmung in der globalen Chemiekonjunktur durch Rohstoffknappheit, tritt die Aufspaltung dagegen in den Hintergrund – und die zyklischen Risiken der Grundstoffchemie rücken wieder in den Vordergrund.
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