BASF Aktie: Kurs fällt auf 50,89 Euro
BASF sondiert einen möglichen Evonik-Kauf; Zustimmung der RAG-Stiftung und offene Finanzierung prägen den weiteren Verlauf.

Kurz zusammengefasst
- RAG-Stiftung kontrolliert 44 Prozent
- Formelle Übernahmegespräche laufen bislang nicht
- Möglicher Kaufpreis im zweistelligen Milliardenbereich
- BASF-Aktie verlor am Freitag 2,6 Prozent
Sondierungsgespräche eröffnen überraschend neue Wachstumsdimension
Die strategische Ausrichtung von BASF steht vor einer unerwarteten Weggabelung. Der Ludwigshafener Chemiekonzern hat Sondierungsgespräche mit der RAG-Stiftung und dem Essener Spezialchemiekonzern Evonik über eine mögliche Übernahme bestätigt. Bereits am gestrigen Freitag hatte Evonik eine unverbindliche Ansprache von BASF zu einem freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot für sämtliche Aktien offengelegt.
Für Anleger kommt dieser Schritt zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt. Bislang stand beim DAX-Konzern vor allem die Straffung des Portfolios im Vordergrund. Teile des Farben- und Lackgeschäfts wurden in den Jahren 2025 und 2026 schrittweise veräußert. Ein Zukauf dieser Größenordnung würde die jüngste Fokussierung aufspalten und wirft für Investoren unmittelbare Bewertungsfragen auf.
Der Kapitalmarkt reagierte am Freitag prompt mit Verunsicherung. Die BASF-Aktie verbuchte einen Tagesverlust von 2,6 Prozent und ging bei 50,89 Euro aus dem Handel. Der Markt preist damit umgehend die Unwägbarkeiten ein, die ein Vorstoß dieser Dimension mit sich bringt.
Die Haltung der RAG-Stiftung entscheidet über den Deal
Im Zentrum aller Überlegungen steht ein einziger maßgeblicher Faktor: das Votum der RAG-Stiftung. Die Stiftung kontrolliert 44 Prozent der Anteile an Evonik. Ohne ihre ausdrückliche Zustimmung ist eine Übernahme ausgeschlossen.
Ob es überhaupt zur Aufnahme formeller Verhandlungen kommt, hängt an der Schnittmenge zwischen den Vorstellungen der Stiftung und dem finanziellen Spielraum des Interessenten. Ein möglicher Deal könnte laut Medienberichten einen zweistelligen Milliardenbetrag kosten. Evonik selbst wird an der Börse mit rund 8,4 Milliarden Euro bewertet, während BASF auf eine Marktkapitalisierung von 45,03 Milliarden Euro kommt.
Für Anteilseigner geht es nun um die Frage, zu welchen Konditionen die Stiftung zu einem Verkauf bereit wäre. Da Evoniks Marktbewertung unter Fachleuten bereits als ambitioniert gilt, droht bei einer zu hohen Übernahmeprämie eine Verwässerung des Nutzens für die Ludwigshafener. Formelle Gespräche laufen nach Unternehmensangaben derzeit nicht, der Ausgang der Sondierungen ist vollkommen offen.
Ein Zusammenschluss brächte signifikante Marktstärke und Synergien
Befürworter eines Zusammenschlusses sehen in der Transaktion eine Chance, BASF im margenstärkeren Geschäft mit der Spezialchemie nachhaltig zu stärken. Beide Unternehmen erzielten im Vorjahr gemeinsam einen Umsatz von 74 Milliarden Euro. Ein vereinter Konzern würde seine Position auf den globalen Chemiemärkten deutlich festigen.
Neben der Marktmacht versprechen sich Strategen erhebliche Einsparungen bei Forschung und Entwicklung sowie in der Verwaltung. Evonik befindet sich bereits in einem umfassenden Sparprogramm. Bis Ende 2026 sollen die Kosten in einer ersten Phase um etwa 400 Millionen Euro sinken.
Zudem plant Evonik für den Zeitraum von 2027 bis 2029 den weltweiten Abbau von 3.200 Stellen. Seit Oktober 2023 wurden dort bereits rund 2.000 Arbeitsplätze in der Verwaltung und 800 in der Produktion gestrichen. Sollte BASF diese Effizienzmaßnahmen mit den eigenen Strukturen verzahnen können, entstünde mittel- bis langfristig ein wesentlich schlagkräftigerer Spezialchemie-Verbund.
Zweistellige Milliardenkosten bedrohen die finanzielle Disziplin
Auf der Kehrseite stehen handfeste Risiken, die das bärische Szenario zeichnen. Die Finanzierung einer Übernahme im zweistelligen Milliardenbereich würde die Bilanz von BASF spürbar belasten. In einem ohnehin herausfordernden konjunkturellen Umfeld für die chemische Industrie könnte eine hohe Fremdkapitalaufnahme die finanzielle Flexibilität empfindlich einschränken.
Hinzu kommt die operative Komplexität einer solchen Fusion. Evonik beschäftigt weltweit rund 33.000 Mitarbeiter. Die Zusammenführung zweier traditionsreicher Konzerne bindet über Jahre hinweg beträchtliche Managementkapazitäten.
Sollten die erhofften Synergien langsamer greifen als kalkuliert oder Reibungsverluste bei der Integration entstehen, gerieten die Renditen unter Druck. Investoren befürchten zudem, dass ein kostspieliger Übernahmekampf die Aktionärsrendite bei BASF auf Jahre hinaus schmälern könnte.
Zwischen Börsengang der Agrarsparte und Verhandlungsausgang
Für die weitere Einschätzung müssen Marktteilnehmer zwei konkrete Pfade abwägen. Solange der Kurs der BASF-Aktie die Marke von 50 Euro verteidigen kann, bleibt die charttechnische Verfassung des Papiers vorerst stabil. Sollte das Niveau jedoch nachhaltig nach unten durchbrochen werden, droht ein Test tieferer Unterstützungszonen.
Kippt das Vorhaben gänzlich, weil sich die RAG-Stiftung gegen einen Verkauf sperrt oder BASF die geforderte Prämie als zu hoch einstuft, dürfte dies die Fusionsfantasie schlagartig beenden. Die Erleichterung über eine geschonte Bilanz könnte in diesem Fall eine schnelle Kurserholung stützen.
Kommt es dagegen tatsächlich zur Einleitung formeller Übernahmeverhandlungen, dürfte der Nachweis einer tragfähigen Finanzierung über die weitere Kursentwicklung entscheiden. Der nächste strategische Fixpunkt im Konzernfahrplan bleibt unterdessen der geplante Börsengang der eigenen Agrarsparte, der unverändert für das Jahr 2027 anvisiert wird.
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