BASF Aktie: Langer Atem im Evonik-Poker
BASF verfolgt das Evonik-Projekt trotz abgelehntem Erstgebot weiter; Zustimmung der RAG-Stiftung und Zusagen für Beschäftigte bleiben entscheidend.
Kurz zusammengefasst
- Evonik wies BASFs erstes Angebot zurück
- BASF könnte bis 2028 verhandeln
- RAG-Stiftung hält rund 44 Prozent
- IGBCE verlangt Zusagen für Standorte und Beschäftigte
BASF will Evonik, und der Konzern hat es offenbar nicht eilig. Nach der Absage für das erste Angebot arbeitet Ludwigshafen Berichten zufolge weiter an dem Projekt. Insider sprechen von einem „längerfristigen und gut vorbereiteten Projekt und kein Schnellschuss“.
Angebot zu niedrig, Gespräche offen
Nach Marktberichten bot BASF rund 10,3 Milliarden Euro, das entspricht etwa 22,15 Euro je Evonik-Aktie. Der Essener Spezialchemiker lehnte ab und gewährte nach diesen Berichten auch keinen Blick in die Bücher. Bestätigt haben beide Seiten bislang nur Sondierungsgespräche.
Der Aufschlag hängt vom Vergleichskurs ab. Gemessen am Kurs vor den ersten Spekulationen sind es knapp 30 Prozent, zum aktuellen Evonik-Kurs von rund 19,80 Euro bleiben etwa zwölf Prozent. Diese Lücke halten viele für überbrückbar. Die Deutsche Bank nennt für den Fall eines höheren Gebots die Marke von 25 Euro je Evonik-Aktie.
Beim Zeitplan stellt sich BASF auf Geduld ein. Im Vorstand hält man es Insidern zufolge für denkbar, dass sich eine Transaktion bis 2028 zieht. Als Vergleich dient die Covestro-Übernahme durch ADNOC, die von den ersten Gerüchten bis zum Vollzug rund zwei Jahre dauerte.
Strategischer Sinn, offene Fragen
DZ-Bank-Analyst Peter Spengler sieht Vorteile für BASF. Das Spezialchemiegeschäft würde gestärkt, und Abnehmer aus konjunkturunabhängigen Branchen wie der Kosmetikindustrie könnten die Zyklik des Konzerns dämpfen. Überschneidungen sehen Beobachter etwa bei Katalysatoren, Tensiden und Isocyanaten.
Spengler verweist aber auf Unklarheiten: Wo sich Synergien heben lassen, ist offen. Ebenso unklar bleibt der finanzielle Spielraum der Ludwigshafener.
Die große Unbekannte ist die RAG-Stiftung mit ihren rund 44 Prozent an Evonik. Ohne ihre Zustimmung läuft nichts. Die Gewerkschaft IGBCE fordert zudem feste Zusagen für Standorte und Beschäftigte.
Rhein-Niedrigwasser als Nebenschauplatz
Parallel belastet extremes Niedrigwasser den Rhein, eine der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt. BASF nutzt den Strom am Standort Ludwigshafen als Transportweg und Kühlwasserreservoir. Wie stark der Konzern betroffen ist, blieb zunächst offen.
Kursrelevant bleibt vorerst der Evonik-Poker. Ein verbessertes Gebot oberhalb von 22,15 Euro je Aktie wäre das nächste greifbare Signal, ein Zeitplan bis 2028 spricht allerdings gegen eine schnelle Entscheidung.
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