BASF und Evonik: Jobgarantien als Türöffner für ein höheres Gebot

BASF will Evoniks Beschäftigungsschutz bis 2032 wahren; zugleich rücken Nordex-Aufträge, Telekom-Schulden und US-Bankzahlen in den Fokus.

Eduard Altmann ·
KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • BASF will Evonik-Garantien bis 2032 respektieren
  • Nordex meldet 2.810 Megawatt Quartalsbestellungen
  • Telekom-Nettofinanzschulden steigen auf 138,39 Milliarden Euro
  • US-Großbanken starten am Dienstag ihre Berichtssaison

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

die Übernahmeschlacht um Evonik bekommt heute eine neue Wendung. BASF würde laut Insidern die Standort- und Beschäftigungsgarantien bei Evonik nicht antasten, falls der Zusammenschluss zustande kommt. Damit räumt Ludwigshafen den politisch heikelsten Einwand ab, bevor am Mittwoch der NRW-Landtag über den Deal debattiert.

Der Tag zeigt zudem, wo jenseits der Tech-Giganten reale Cashflows gehandelt werden: bei Nordex, bei RWE und bei den US-Banken, die ab morgen die Berichtssaison eröffnen.

Evonik: Der Markt wartet auf die Nachbesserung

BASF bereitet erkennbar den Boden für einen zweiten Anlauf. Das erste Angebot über 22,15 Euro je Aktie hat der Evonik-Vorstand im September abgelehnt und eine bessere Offerte gefordert. Nun deuten Signale aus dem BASF-Umfeld laut Reuters darauf hin, dass 22,15 Euro nicht das letzte Wort sind.

Zugleich sichert BASF zu, die bei Evonik geltenden Garantien zu respektieren, nach denen betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland bis 2032 ausgeschlossen sind. Das zielt direkt auf die IG BCE, die Zusagen und Standortinvestitionen verlangt, und auf die Landespolitik in Düsseldorf.

Der entscheidende Akteur bleibt die RAG-Stiftung mit 43 Prozent der Anteile. Die RAG-Stiftung beriet am Freitag über die Offerte, will aber nicht gegen den Vorstand entscheiden und hatte zuvor eine Reduzierung ihres Anteils auf 25,1 Prozent angekündigt.

Die Evonik-Aktie notiert bei 21,08 Euro, im Verlauf 1,6 Prozent leichter, nachdem sie am Freitag mit 21,62 Euro ein 52-Wochen-Hoch markiert hatte. Seit Jahresbeginn hat das Papier 58 Prozent gewonnen. Dass die Evonik-Aktie unter dem abgelehnten Gebot bleibt, zeigt den Zwiespalt: Der Markt rechnet mit einem höheren Preis, preist aber auch das Risiko ein, dass Stiftung, Politik und Gewerkschaft den Prozess in die Länge ziehen.

BASF kauft unterdessen unbeirrt eigene Aktien zurück, allein in der vergangenen Woche 215.302 Stück und seit Programmstart Anfang August gut 6 Millionen. Die BASF-Aktie liegt bei 51,43 Euro, mit 16 Prozent Plus seit Jahresbeginn.

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Nordex und RWE: Energieinfrastruktur mit vollem Auftragsbuch

Die Energiewende liefert messbare Aufträge, allerdings nicht überall. Nordex hat im dritten Quartal Bestellungen über 2.810 Megawatt eingesammelt, 29,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Analysten hatten mit 2,5 Gigawatt gerechnet. Insgesamt wurden 427 Anlagen für Projekte in zehn Ländern geordert, wobei allein die Türkei mehr als 900 Megawatt beisteuerte.

Die Durchschnittspreise je Megawatt fielen leicht schwächer aus, was Berenberg und Jefferies dennoch nicht vom positiven Urteil abbringt. Berenberg bestätigt „Buy“ mit Kursziel 58 Euro. Die Nordex-Aktie notiert bei 36,26 Euro, im Verlauf 1,7 Prozent fester, bleibt aber deutlich unter dem April-Hoch von 51,40 Euro.

Für RWE sieht Deutsche Bank Research ebenfalls Luft: „Buy“, Kursziel 65 Euro, und Analyst Olly Jeffery nennt den Versorger seinen Favoriten für das vierte Quartal. RWE liegt bei 59,00 Euro, 30 Prozent über dem Jahresstart. Politischen Rückenwind liefert Kanzler Merz, der die Stromsteuer für alle Haushalte auf das EU-Minimum senken will, sobald das Wachstum von 1,3 Prozent für 2026 Spielräume schafft.

Ganz anders sieht es bei den Kleinanlagen aus. Der Solarmarkt wandelt sich strukturell: Anlagen über 750 Kilowatt stellten 2026 rund 57 Prozent der neuen Leistung. Das Segment der kleinen Dachanlagen schrumpfte dagegen seit 2024 um mehr als 40 Prozent.

Die Speicherkapazität legte in den ersten neun Monaten um 69 Prozent zu, getrieben von Großspeichern. Wer in die Energiewende investiert, sollte deshalb auf die Projektentwickler und Betreiber großer Anlagen setzen, nicht auf das Geschäft mit Privathaushalten.

Deutsche Telekom: Die Schuldenfrage nach dem Frequenzschock

Nach dem Kursrutsch der US-Mobilfunker rückt bei der Deutschen Telekom die Bilanz in den Fokus. Die Nettofinanzschulden stiegen zum 30. Juni auf 138,39 Milliarden Euro, nach 132,52 Milliarden Euro Ende 2025. Treiber waren Aktienrückkäufe von T-Mobile US über 6,1 Milliarden Euro, Dividenden von 5,8 Milliarden Euro und eigene Rückkäufe. Dem steht ein Cashflow von 13,4 Milliarden Euro im ersten Halbjahr gegenüber.

Der Verschuldungsgrad liegt mit 2,68 nur knapp unter der internen Obergrenze von 2,75, die Liquiditätsreserve beträgt 14,7 Milliarden Euro. Die Telekom-Anleihe bis 2045 rentiert inzwischen mit 4,8 Prozent, ein Hinweis darauf, dass der Anleihemarkt die Lage ernst nimmt. Die Telekom-Aktie notiert bei 24,75 Euro und hat in 30 Tagen 13 Prozent verloren. Das Juni-Tief von 23,54 Euro ist nicht weit.

Ausgelöst hatte den Druck der Kauf eines landesweiten 800-Megahertz-Spektrums durch SpaceX für rund 8 Milliarden Dollar, der am Freitag T-Mobile US 13,3 Prozent kostete. Am Montag erholen sich die Netzbetreiber: T-Mobile US gewinnt im Verlauf 3,6 Prozent, AT&T und Verizon legen ebenfalls zu.

Die Deutsche Bank sieht die Reaktion als übertrieben und stuft AST SpaceMobile von „Hold“ auf „Buy“ hoch, Kursziel 93 Dollar. Analyst Bryan Kraft hält es für wahrscheinlich, dass T-Mobile im Satellitenfunk von Starlink zu AST wechselt. Dafür spricht, dass AT&T, Verizon und T-Mobile am 1. Oktober ein gemeinsames Vorhaben für den direkten Satellitenempfang per Handy vereinbart haben.

Für Telekom-Aktionäre heißt das: Die Dividende ist durch den Cashflow gedeckt, aber das Rückkaufprogramm von bis zu 5 Milliarden Euro verkleinert den Puffer zur Schuldenobergrenze weiter.

US-Banken: Der erste Test, ob die Gewinne breiter werden

Die Bankbilanzen ab Dienstag prüfen, ob die Gewinnstärke über die Chipbranche hinausreicht. Morgen eröffnen JPMorgan, Goldman Sachs, Citigroup und Wells Fargo die Berichtssaison, am Mittwoch folgen Morgan Stanley und Bank of America. Der Konsens erwartet für JPMorgan ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 5,93 Dollar, 17 Prozent mehr als vor einem Jahr, bei 51,23 Milliarden Dollar Umsatz.

Das Umfeld ist rau: Der KBW-Bankenindex verlor im vergangenen Monat 9,7 Prozent, während die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen am vergangenen Mittwoch mit 5,36 Prozent den höchsten Stand seit 2002 erreichte.

Die Fed hatte den Leitzins im September um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent erhöht, die erste Anhebung seit 2023. Für Ende Oktober preisen die Terminmärkte mit 81 Prozent eine Pause ein, bis Jahresende aber zu 85 Prozent einen weiteren Schritt. Am Mittwoch entscheidet der US-Verbraucherpreisindex für September mit erwarteten 3,7 Prozent darüber, welches Szenario trägt.

Die JPMorgan-Strategen um Mislav Matejka liefern dazu die größere Perspektive: Das Gewinnwachstum im S&P 500 schrumpft ohne Nvidia und Micron von 24 auf 15 Prozent, die Medianfirma schafft 8 Prozent. In Europa liegt der Median bei 9 Prozent, die Margen der Industrie sollen 2026 mit 14,4 Prozent um 250 Basispunkte über 2019 liegen.

Goldman Sachs stuft Aktien auf Dreimonatssicht wegen gesunkener Bewertungen auf „Overweight“ hoch und empfiehlt KI-Gewinner kombiniert mit zinsreagiblen Dividendentiteln. Die Berichtssaison entscheidet also nicht nur über Bankkurse, sondern darüber, ob die Hausse endlich auf mehr als zwei Chipherstellern ruht.

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Wo die Hausse breiter werden soll, lohnt der Blick auf Themen abseits der Chipbranche. Analyst Mike Rückert stellt in einem PDF-Sonderreport fünf Aktien aus Energie, Gesundheit und Hightech vor, denen er für 2026 besonders großes Renditepotenzial zutraut, kostenlos erhältlich. Fünf Aktien-Favoriten sichern

Kurz notiert

Deutsche Bank Research streicht die Kaufempfehlung für Flatexdegiro: „Hold“, Kursziel von 46 auf 31 Euro, weil das Kundenwachstum nachlässt und der Nettogewinn 2027 nur noch um 9 Prozent wachsen soll. Die Flatexdegiro-Aktie markierte am Montag ein neues 52-Wochen-Tief von 25,02 Euro.

Daimler Truck bleibt für dieselbe Bank ein Kauf mit Ziel 54 Euro, trotz enttäuschender Aufträge für schwere Lkw in Nordamerika im September; die Q3-Zahlen folgen am 6. November. Traton steigerte die Auslieferungen im dritten Quartal um 10 Prozent, mwb research bleibt dennoch bei „Verkaufen“ mit Ziel 23 Euro.

Den Wirtschaftsnobelpreis 2026 erhalten Robert Hall und Michael Woodford für Modelle, die Stabilisierungspolitik durch Notenbanken und Regierungen präziser machen.

Unterm Strich

In dieser Woche fallen gleich mehrere Entscheidungen: Evonik braucht ein nachgebessertes Gebot über 22,15 Euro, die Telekom braucht Ruhe an der Zinsfront, und die US-Banken müssen am Dienstag beweisen, dass Handelserträge den Druck höherer Renditen auffangen. Nordex und RWE zeigen derweil, dass volle Auftragsbücher und Analystenvertrauen auch ohne KI-Etikett belohnt werden. Der Verbraucherpreisindex am Mittwoch bleibt der Taktgeber für alles.

Beste Grüße,

Ihr Eduard Altmann

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