BASF und SAP: Warum gute Zahlen die Kurse nicht retten

BASF überrascht mit Gewinnsprung und Prognoseerhöhung, SAP leidet unter IBMs Kurseinbruch. Der Markt zeigt sich dennoch skeptisch.

Eduard Altmann ·
SAP Aktie

Kurz zusammengefasst

  • BASF hebt Jahresprognose an
  • Gewinnsprung durch Einmaleffekt aus Coatings-Verkauf
  • SAP unter Druck nach IBM-Kurssturz
  • Commerzbank-Übernahme politisch nicht mehr aufhaltbar

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

die Schlagzeilen kleben an IBMs Kurssturz und am Rüstungsboom. Doch der eigentliche Wirtschaftstext dieses Mittwochs steht in zwei deutschen Geschäftsberichten: BASF und SAP. Der DAX kämpfte den Handelstag über um die Marke von 25.000 Punkten und rutschte zeitweise darunter — doch die Kursbewegung selbst war nicht das Signal. Das Signal steckte in den Zahlen: Chemie und Software zeigen echte operative Substanz, während der deutsche Bankensektor eine Machtfrage längst entschieden hat, sie nur noch nicht so nennen will.

BASF hebt die Prognose — Gewinnsprung mit einem großen Sternchen

Das ist die deutsche Zahl des Tages: BASF hat vorläufige Q2-Zahlen vorgelegt und den Jahresausblick angehoben. Der Umsatz stieg um 16 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro (Konsens: 16,5 Mrd.), das EBITDA vor Sondereinflüssen kletterte auf 2,4 Milliarden Euro (Konsens 2,1 Mrd., Vorjahr 1,6 Mrd.). Das Ergebnis nach Steuern schoss auf 4,1 Milliarden Euro hoch — nach mageren 79 Millionen im Vorjahresquartal. Der neue EBITDA-Korridor für 2026 liegt bei 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro, zuvor 6,2 bis 7,0 Milliarden.

Der Haken, den Anleger sehen sollten: Rund 3,9 Milliarden Euro dieses Nettogewinns stammen aus dem Veräußerungsgewinn der Coatings-Transaktion — ein Einmaleffekt, kein wiederkehrender Ertrag. Und der freie Cashflow lag mit minus 0,2 Milliarden Euro im roten Bereich, nach plus 0,5 Milliarden im Vorjahr. Die operative Verbesserung ist real, der Gewinnsprung optisch überzeichnet. Trotzdem reagierte die Aktie paradox: Sie zählte mit über drei Prozent Minus zu den größten DAX-Verlierern des Tages. Der Grund liegt nicht in den Q2-Zahlen, sondern in der Zukunftsannahme: BASF hat seiner Prognose einen deutlich höheren Brent-Ölpreis zugrunde gelegt — 80 statt bisher 65 Dollar je Fass —, was die Rohstoffkosten belastet, dazu kommt eine leicht gesenkte BIP-Annahme. Zur Einordnung: Der tatsächliche Brent-Preis notiert wegen der Nahost-Eskalation ohnehin schon über 85 Dollar, BASFs Planungsannahme von 80 Dollar ist also eher konservativ als alarmistisch. Der Markt handelt heute trotzdem die Kostenseite, nicht die Coatings-Milliarden.

SAP: Die Schwäche ist Ansteckung, nicht Ursache

Am Dienstag hatte IBM an der Wall Street 25 Prozent verloren, nachdem der Konzern mit einem Q2-Umsatz von 17,2 Milliarden Dollar (nur plus 1 Prozent) die Erwartungen verfehlte — Kunden verschieben ihre Budgets zunehmend in KI-Infrastruktur. Diese Erschütterung reichte, um auch SAP unter Druck zu setzen: Die Aktie handelte am Mittwoch volatil, näherte sich zwischenzeitlich dem Jahrestief von 130,86 Euro, drehte dann aber wieder ins Plus. Am Vortag hatte SAP in den USA bereits bei 154,81 Dollar geschlossen, minus 3,2 Prozent.

Der entscheidende Punkt für das Depot: SAPs Schwäche ist Ansteckung, nicht Ursache. Wenn IBMs Kunden Geld von klassischer IT in KI-Workflows umschichten, ist das für einen Workflow- und ERP-Spezialisten mittelfristig eher Rücken- als Gegenwind. Genau diese Logik zeigt sich bei ServiceNow: Oppenheimer hob das Kursziel von 130 auf 140 Dollar an und bestätigte das „Outperform“-Rating — die Sorge vor KI-Disruption sei angesichts der Workflow-Automatisierung übertrieben. Die Zahlen von ServiceNow stehen kommende Woche an und werden zum Stimmungstest für die gesamte Software-Branche. Wer Software im Depot hält, sollte die aktuelle Schwäche also als das lesen, was sie ist: ein Hardware-Zyklus, der auf Software abfärbt, ohne deren Geschäftsmodell tatsächlich zu treffen.

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Commerzbank: Der politische Widerstand ist verbal geworden

Die Konsolidierungsfrage im deutschen Bankensektor ist entschieden — nur will es in Berlin niemand so nennen. Kanzler Merz bezeichnete das Vorgehen von UniCredit bei der Commerzbank als „aggressiv“, stellte aber unmissverständlich klar: „Wir werden diese Fusion oder Übernahme nicht verhindern, noch haben wir es jemals versucht.“ Die Commerzbank-Aktionäre hätten das UniCredit-Angebot „beachtlich“ angenommen — der Bund allerdings nicht.

Für Aktionäre ist das die eigentliche Nachricht: Der letzte politische Widerstand gegen eine europäische Bankenfusion ist zu verbaler Symbolik geschrumpft. Die Übernahme läuft, die Regierung schaut zu. Wer Commerzbank-Papiere hält (die Aktie gab am Mittwoch leicht nach), spielt damit weniger auf das Standalone-Geschäft als auf den Abschluss einer Übernahme, die politisch nicht mehr aufzuhalten ist. Merz‘ Wortwahl ändert daran nichts.

Nahost treibt Öl — und zwingt die EZB zum Umdenken

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran um die Straße von Hormuz hat Brent in den vergangenen Wochen von rund 70 Dollar Anfang Juli auf über 85 Dollar getrieben. US-Präsident Trump drohte dem Iran erneut mit Angriffen, US-Streitkräfte nahmen zuletzt die Seeblockade gegen iranische Häfen wieder auf. Für Anleger zählt weniger der Ölpreis selbst als seine geldpolitische Nebenwirkung: Vor der EZB-Sitzung am 22. Juli preisen Investoren das eigentlich erwartete Halten der Zinsen wieder ein Stück weit aus. Bundesbank-Präsident Nagel nannte die Lage „extrem volatil“.

In den USA läuft die Geldpolitik in die Gegenrichtung. Der Juni-CPI fiel mit 3,5 Prozent nach 4,2 Prozent im Mai deutlich schwächer aus als erwartet, die Kernrate sank auf 2,6 Prozent. Die von Investoren eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im Juli brach von rund 50 auf 15 Prozent ein. Damit driften die beiden Notenbanken auseinander — mit spürbarem Effekt auf Euro/Dollar, der sich um 1,143 hält. Wer Öl-nahe Titel oder Energie-ETCs im Depot hat, profitiert von dieser Divergenz; wer auf eine schnelle EZB-Erleichterung gesetzt hat, muss seine Erwartung gerade neu justieren.

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Während die Fed nach schwächeren Inflationsdaten eine Zinserhöhung im Juli nahezu ausgeschlossen hat, rückt am US-Aktienmarkt eine andere Frage in den Vordergrund: Wohin fließt das Kapital, wenn sich das Bild jenseits der großen Tech-Werte verschiebt? Ein kostenloser Sonderreport von Börsenexperte Henrik Voigt nennt drei US-Aktien abseits der bekannten Namen, die von dieser Rotation profitieren könnten. Kostenlosen US-Marktreport sichern

Unterm Strich

Der heutige Handelstag lehrt zweierlei. Erstens: Ein Gewinnsprung ist erst dann einer, wenn der Cashflow mitzieht — bei BASF tut er es noch nicht, obwohl die operative Verbesserung real ist und die Prognose zu Recht angehoben wurde. Zweitens: Die interessanteren Depotentscheidungen liegen dort, wo der Markt Ansteckung mit Substanzschwäche verwechselt. SAP und die Software-Ecke leiden unter einem Hardware-Zyklus, der ihr Geschäftsmodell mittelfristig eher stärkt als schwächt. Bei der Commerzbank ist die politische Debatte inzwischen reine Rhetorik — die eigentliche Entscheidung ist längst gefallen. Für die kommenden Tage bleiben zwei Termine entscheidend: die EZB-Sitzung am 22. Juli, deren Kurs der Ölpreis gerade neu verhandelt, und die ServiceNow-Zahlen als Stimmungstest für den gesamten Software-Sektor.

Beste Grüße, Ihr Eduard Altmann

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