Bayer Aktie: 2 Milliarden Euro Hybridkapital platziert

Mit neuen Hybridanleihen über zwei Milliarden Euro stärkt Bayer die Refinanzierung; die endgültige US-Gerichtszulassung des Glyphosat-Vergleichs steht noch aus.

Dieter Jaworski ·
Moderne Glasfassade eines Bürogebäudes im Morgenlicht, symbolisch für Stabilität und Wachstum in der Industrie. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Zwei Tranchen mehrfach überzeichnet
  • Hybridanleihen laufen über 30 Jahre
  • Kapitalerhöhung derzeit ausgeschlossen
  • Endgültige Vergleichszulassung noch offen

Frisches Hybridkapital verschafft dem Konzern finanzielle Luft

Der Leverkusener Agrar- und Pharmakonzern hat am Mittwoch nach Börsenschluss Hybridanleihen im Gesamtvolumen von 2 Milliarden Euro am Kapitalmarkt platziert.

Für Aktionäre kommt dieser Schritt zu einem kritischen Zeitpunkt: Bayer treibt die Neuordnung seiner Verbindlichkeiten voran, um milliardenschwere Altlasten zu bewältigen, schließt eine verwässernde Kapitalerhöhung derzeit jedoch ausdrücklich aus.

Die beiden begebenen Tranchen laufen über 30 Jahre und stießen am Markt auf deutliches Interesse, da beide Tranchen mehrfach überzeichnet waren. An der Börse ging die Aktie gestern bei 49,51 Euro aus dem Handel.

Die Transaktion reiht sich in eine Serie umfangreicher Finanzierungsmaßnahmen der vergangenen Monate ein. Zuvor flossen Bayer bereits 3 Milliarden Euro Eigenkapital des Investors Apollo für eine Beteiligung am LARC-Geschäft zu, flankiert von klassischen Anleiheemissionen im Umfang von 5 Milliarden US-Dollar.

Parallel trennt sich das Unternehmen von Randaktivitäten, wie der vereinbarte Verkauf der Rechte am Onkologie-Präparat Stivarga an Grünenthal für bis zu 375 Millionen Euro verdeutlicht. Die neuen Mittel dienen allgemeinen Unternehmenszwecken und stärken das Fundament für die anstehenden Refinanzierungen.

Das Schicksal des US-Glyphosat-Vergleichs bestimmt die Kapitalstruktur

Für Investoren spitzt sich die Lage auf eine Kernfrage zu: Reicht das derzeit aufgebaute Liquiditätspolster aus, um den US-Rechtsstreit um Glyphosat endgültig zu befrieden, ohne die Bilanz strukturell zu überfordern? Dreh- und Angelpunkt ist der im Februar geschlossene Sammelvergleich über 7,25 Milliarden US-Dollar.

Dieser Betrag entspricht nach damaligen Maßstäben rund 6,3 Milliarden Euro. Bayer hat zur Absicherung dieses Vergleichs sowie für anstehende Anleihefälligkeiten eine Kreditlinie in Höhe von 8 Milliarden US-Dollar aufgesetzt, die schrittweise über Anleihen und eigenkapitalähnliche Instrumente abgelöst werden soll.

Die entscheidende Unsicherheit bleibt jedoch juristischer Natur: Für den Vergleich liegt bislang lediglich eine vorläufige Genehmigung vor, während die finale gerichtliche Genehmigung weiterhin aussteht.

Bis dieser Richterspruch rechtskräftig wird, bleibt die gigantische Kreditzusage als potenzieller Block in der Bilanz stehen. Das Management muss beweisen, dass die Finanzierungskette aus Apollo-Mitteln, Verkäufen und Anleiheemissionen bis zur gerichtlichen Klärung lückenlos hält.

Gelingende Refinanzierung schützt Aktionäre vor Verwässerung

Im optimistischen Szenario gelingt es Bayer, den milliardenschweren Rechtskomplex ohne Ausgabe neuer Aktien abzuhaken. Da Ratingagenturen die nun platzierten Hybridanleihen zur Hälfte als bilanzielles Eigenkapital einstufen, gewinnt der Konzern wertvollen Spielraum bei den Bonitätsnoten. Das gesamte ausstehende Hybridanleihevolumen steigt durch die jüngste Emission auf 6,55 Milliarden Euro an. Die Bonitätswächter erhalten damit die gewünschte Pufferwirkung, während Altaktionäre keine Verwässerung ihrer Anteile fürchten müssen.

Sollte der US-Vergleich gerichtlich vollends abgesegnet werden, wäre das größte Bewertungsrisiko der vergangenen Jahre neutralisiert. Der Markt honoriert diesen Weg bereits mit Vorschusslorbeeren: Seit Jahresanfang konnte das Papier um 34 Prozent zulegen.

Mit dem Abschluss der Transaktionen könnte sich das Augenmerk wieder auf das operative Geschäft richten, in dem Bayer unter anderem durch Effizienzprojekte – etwa den gemeinsamen Einsatz spezialisierter Software mit Partnern zur Beschleunigung von Verwaltungsprozessen – die Marge stützen will.

Hohe Zinslasten und juristische Hängepartien belasten die Rechnung

Das bärische Szenario speist sich aus den anhaltend hohen Finanzierungskosten und der verbleibenden Prozessgefahr. Die neuen 30-jährigen Tranchen sind teuer erkauft: Die Tranche mit einer sechsjährigen Kündigungssperrfrist ist mit einem Kupon von 5,75 Prozent ausgestattet, während für die Tranche mit neunjähriger Sperrfrist 6,25 Prozent Zinsen anfallen. Diese Verpflichtungen drücken dauerhaft auf das Finanzergebnis und schränken künftige Investitionsbudgets ein.

Sollte das zuständige US-Gericht dem Sammelvergleich über 7,25 Milliarden US-Dollar in der Endabstimmung die Zustimmung verweigern, stünde Bayer vor einem Scherbenhaufen. Die 8-Milliarden-Dollar-Kreditlinie müsste unter veränderten Vorzeichen bedient werden, und das Unternehmen wäre erneut unkalkulierbaren Einzelklagen ausgesetzt.

In einem solchen Fall dürften die Ratingagenturen die Daumenschrauben anziehen, was die Frage nach einer regulären Kapitalerhöhung schlagartig wieder auf die Tagesordnung setzen würde.

Der juristische Schlusspunkt setzt die Leitplanken für den Kurs

Solange die vorläufige Einigung im Glyphosat-Komplex hält und die Notierung über dem 50-Tage-Durchschnitt von 48,42 Euro verharrt, bleibt das Sanierungsszenario für den Konzern intakt. Anleger honorieren in diesem Fall die schrittweise Absicherung der Verbindlichkeiten und die Schonung der Aktionärsstruktur durch bonitätsrelevante Hybridmittel.

Kippt das Verfahren hingegen bei der finalen richterlichen Prüfung, droht der eingepreiste Bewertungsabschlag wieder aufzubrechen und die teure Refinanzierungsstrategie in Schieflage zu bringen. Der nächste zentrale Katalysator für die weitere Richtung der Aktie ist daher die anstehende finale gerichtliche Entscheidung über die Genehmigung des 7,25-Milliarden-Dollar-Vergleichs in den USA.

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Bayer Aktie

49,51 EUR

+ 0,16 EUR +0,32 %
KGV
KUV 1,06
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite 0,23 %
Marktkapitalisierung 48,64 Mrd. EUR
Ø Kursziel 58,22 EUR
ISIN: DE000BAY0017 WKN: BAY001

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