Bayer Aktie: 2,45 Milliarden Dollar für Perfuse
Bayer treibt mit Übernahme und KI-Kooperation die Pipeline voran, kämpft aber mit Milliarden-Schulden und Klagen.

Kurz zusammengefasst
- Übernahme von Perfuse Therapeutics
- KI-Kooperation mit Iambic Therapeutics
- Milliardenabflüsse für Rechtsstreitigkeiten
- Patentklage gegen mRNA-Hersteller
Bayer kauft, kooperiert und klagt — und der Kurs dankt es mit einem Plus von fast 22 Prozent im Monatsverlauf. Hinter dem Aufwärtstrend stecken zwei konkrete Pipeline-Schritte, die zeigen, wohin der Konzern steuert. Allerdings bleibt die finanzielle Last erdrückend.
Augenheilkunde: Übernahme für bis zu 2,45 Milliarden Dollar
Am 17. Juni schloss Bayer die Übernahme von Perfuse Therapeutics ab. Das US-Biotech forscht an Therapien gegen ischämiebedingte Augenerkrankungen. Bayer zahlt zunächst 300 Millionen Dollar. Weitere Zahlungen von bis zu 2,15 Milliarden Dollar folgen bei Entwicklungs- und Zulassungsmeilensteinen.
Im Mittelpunkt steht PER-001 — ein kleinmolekulares Implantat, das den Endothelin-Rezeptor blockiert. Der Wirkstoff befindet sich in Phase II und zielt auf Glaukom sowie diabetische Retinopathie. Beide Erkrankungen betreffen weltweit zusammen mehr als 200 Millionen Menschen. Eine vergleichbare Therapie gibt es bislang nicht.
KI-Plattform für schwer angreifbare Targets
Am 22. Juni folgte die nächste Meldung: Bayer kooperiert mit dem US-Unternehmen Iambic Therapeutics. Iambic bringt zwei KI-Plattformen ein — Enchant und NeuralPLexer. Beide sollen Moleküle gegen Targets identifizieren, die sich mit klassischen Methoden kaum adressieren lassen. Der Fokus liegt auf Onkologie und weiteren Therapiebereichen. Finanzielle Details nannte Bayer nicht.
Die Kooperation stärkt die frühe Pipeline. Konkrete Wirkstoffkandidaten gibt es noch nicht.
Schulden und Klagen als Gegengewicht
Die positive Stimmung hat einen harten Gegenpol. Bayer erwartet für 2026 einen Mittelabfluss von rund fünf Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten. Der freie Cashflow dürfte auf minus 1,5 bis minus 2,5 Milliarden Euro fallen. Die Nettofinanzverschuldung könnte bis Jahresende auf 32 bis 33 Milliarden Euro steigen.
Hinzu kommt eine frische Patentklage: Bayer hat beim Bundesgericht in Delaware Klage gegen Pfizer, BioNTech und Moderna eingereicht. Der Vorwurf lautet, die Unternehmen hätten bei der Entwicklung ihrer mRNA-Impfstoffe Technologien verletzt, die ursprünglich Bayers Tochter Monsanto entwickelte. Das Verfahren steckt noch in einem sehr frühen Stadium. Bei komplexen Biotech-Patentstreitigkeiten rechnen Branchenexperten mit einer Dauer von mehreren Jahren.
Einige Aktionäre drängen parallel auf eine Prüfung der Konzernstruktur. Eine Abspaltung der Consumer-Health-Sparte steht im Raum — ohne breiten Konsens unter den Anteilseignern.
Die Aktie notiert aktuell bei 46,70 Euro und damit noch rund sieben Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 49,93 Euro. Wie weit die Pipeline-Fortschritte den Schuldendruck kompensieren können, wird spätestens mit den nächsten Quartalszahlen klarer.
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