Bayer Aktie: Drei Fronten, ein Urteil

Bayer kämpft an drei Fronten gegen die Roundup-Klagen, während der Ausblick für 2026 den Markt enttäuscht. Zwei Schlüsseltermine könnten die Aktie neu bewerten.

Eduard Altmann ·
Bayer Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Vorläufige Genehmigung für Milliarden-Vergleich erteilt
  • Supreme Court verhandelt über Klagewelle im April
  • Erwarteter negativer freier Cashflow für 2026
  • Aktie signalisiert deutliche Überverkauft-Situation

Rund 11 Milliarden Dollar hat Bayer die Roundup-Litigation bisher gekostet — und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Gleichzeitig enttäuschte der Ausblick auf 2026 die Märkte, die Aktie hat seit dem Februar-Hoch rund 21 Prozent verloren. Doch ausgerechnet jetzt verdichten sich die Signale, dass 2026 zum Wendejahr werden könnte.

Vergleich auf dem Weg — aber mit Widerstand

Am 4. März erhielt Bayers vorgeschlagener Klassenvergleich über 7,25 Milliarden Dollar die vorläufige Genehmigung des 22nd Judicial Circuit Court of Missouri. Der Deal würde den Großteil der rund 65.000 noch offenen Klagen von Roundup-Anwendern beilegen, die an Non-Hodgkin-Lymphom erkrankt sind. Bayer räumt dabei keine Haftung ein.

Der Weg zur endgültigen Genehmigung ist allerdings nicht frei: Anwälte aus 14 Kanzleien, die fast 20.000 potenzielle Kläger vertreten, haben beantragt, den Prozess zu verlangsamen. Die vorgeschlagene Haftungsfreistellung sei „atemberaubend weit gefasst“, so die Kritik. Bis zum 4. Juni können Mitglieder der Klägerklasse Einwände erheben oder aussteigen.

Parallel dazu kämpft Bayer auf dem Gesetzgebungsweg. In rund einem Dutzend US-Bundesstaaten unterstützt das Unternehmen Gesetzesentwürfe, die Klagen wegen fehlender Krebswarnungen auf Pestiziden erschweren sollen. North Dakota und Georgia haben entsprechende Gesetze bereits verabschiedet. Der entscheidendere Schauplatz liegt jedoch in Washington: Am 27. April 2026 verhandelt der US Supreme Court, ob Bundesrecht staatliche Klagen wegen fehlender Warnhinweise grundsätzlich ausschließt. Ein günstiges Urteil könnte die Klagewelle weitgehend beenden.

Zahlen 2025: Solide Basis, schwieriges Jahr voraus

Das Geschäftsjahr 2025 lief im Rahmen der eigenen Ziele. Der Konzernumsatz erreichte 45,6 Milliarden Euro, das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 4,91 Euro. Unter dem Strich blieb wegen hoher Sonderaufwendungen für Rechtsstreitigkeiten ein Nettoverlust von 3,6 Milliarden Euro. Das Agrargeschäft lieferte dabei einen positiven Akzent: Das Mais-Saatgutgeschäft wuchs währungsbereinigt um 13,2 Prozent.

Für 2026 rechnet Bayer mit einem EBITDA vor Sonderposten zwischen 9,1 und 9,6 Milliarden Euro — das obere Ende liegt knapp unter den Analystenschätzungen. Gravierender ist der erwartete negative freie Cashflow von minus 1,5 bis minus 2,5 Milliarden Euro, in den rund 5 Milliarden Euro an Rechtsstreitigkeits-Auszahlungen eingepreist sind. Die Nettoverschuldung dürfte dadurch bis Jahresende wieder auf 32 bis 33 Milliarden Euro steigen — nach zuletzt 29,8 Milliarden Euro.

Aktie zwischen Belastung und Katalysator

Mit einem RSI von knapp 20 signalisiert die Aktie eine deutliche Überverkauft-Situation. Das spiegelt die Stimmungslage: Der enttäuschende Ausblick und die anhaltende Unsicherheit rund um die Klagen haben das Papier seit dem Februarhoch bei 49,17 Euro merklich unter Druck gesetzt.

Zwei Termine werden den weiteren Verlauf maßgeblich bestimmen: das Supreme-Court-Urteil, das nach der Anhörung am 27. April erwartet wird, sowie die Quartalszahlen am 12. Mai 2026. Fällt das Urteil zugunsten Bayers aus und erhält der Klassenvergleich die finale Gerichtsgenehmigung, wäre die jahrelange Rechtslast zumindest strukturell eingehegt — und der Markt müsste die Aktie neu bewerten.

Anzeige

Bayer-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Bayer-Analyse vom 12. August liefert die Antwort:

Die neusten Bayer-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Bayer-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 12. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Bayer: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Bayer Aktie

48,72 EUR

– 0,40 EUR -0,81 %
KGV
KUV 1,08
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite 0,22 %
Marktkapitalisierung 48,36 Mrd. EUR
Ø Kursziel 56,81 EUR
ISIN: DE000BAY0017 WKN: BAY001

Community Forum zu Bayer

Ähnliche Artikel

EcoGraf: 12,13 Prozent auf 0,1368 Euro

EcoGraf: 12,13 Prozent auf 0,1368 Euro

Emerging Markets ·
Vanguard FTSE All-World: Halbleiter fallen 16,7 Prozent

Vanguard FTSE All-World: Halbleiter fallen 16,7 Prozent

ETFs ·
Almonty Aktie: 1,2 Milliarden Kanada-Dollar Kriegskasse

Almonty Aktie: 1,2 Milliarden Kanada-Dollar Kriegskasse

Gold & Edelmetalle ·
LG Electronics Aktie: 14,2-Prozent-Sprung auf 207.500 KRW

LG Electronics Aktie: 14,2-Prozent-Sprung auf 207.500 KRW

Trading & Momentum ·
Commerzbank Aktie: Orlopp und Orcel starten Gespräche

Commerzbank Aktie: Orlopp und Orcel starten Gespräche

Banken & Versicherungen ·

Weitere Artikel zu Bayer

Alle Artikel anzeigen
Bayer Aktie: EBITDA übertrifft um 10 Prozent

Bayer Aktie: EBITDA übertrifft um 10 Prozent

Pharma & Biotech ·
Bayer Aktie: Anhörung zum 7,25-Milliarden-Vergleich verschoben

Bayer Aktie: Anhörung zum 7,25-Milliarden-Vergleich verschoben

Pharma & Biotech ·
Bayer Aktie: Baumwollsaatgut +69 Prozent nach Dicamba-Zulassung

Bayer Aktie: Baumwollsaatgut +69 Prozent nach Dicamba-Zulassung

Pharma & Biotech ·
Bayer Aktie: Kursziele klettern kräftig

Bayer Aktie: Kursziele klettern kräftig

Pharma & Biotech ·
Vier Berichte, ein Muster: Der Markt bestraft Umsatz ohne Marge

Vier Berichte, ein Muster: Der Markt bestraft Umsatz ohne Marge

Rüstung & Luftfahrt ·