Bayer Aktie: Glyphosat-Haftung vor Gericht

Der US Supreme Court entscheidet Ende April über die Grundlage für Tausende Klagen. Das Urteil bestimmt, ob Bayer die milliardenschweren Rückstellungen dauerhaft begrenzen kann.

Felix Baarz ·
Bayer Aktie

Kurz zusammengefasst

  • US Supreme Court verhandelt Ende April über Glyphosat-Klagen
  • Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten bei 11,8 Milliarden Euro
  • Free Cashflow 2026 durch Prozesskosten im Minus
  • Dichte Terminlage mit HV, Quartalszahlen und Vergleichsfrist

Für den Leverkusener Agrar- und Pharmakonzern beginnt die entscheidende Phase im jahrelangen Glyphosat-Streit. Während das Management bei den US-Zöllen Entwarnung gibt, richtet sich der Blick der Anleger auf Washington. Dort könnte der US Supreme Court Ende April die Grundlage für Tausende künftige Klagen beseitigen – oder das massive finanzielle Risiko zementieren.

Die Bilanz unter Druck

Am 27. April beginnen die mündlichen Verhandlungen vor dem obersten US-Gericht. Bayer argumentiert, dass das bundesstaatliche Pestizidrecht FIFRA regionale Krebswarnpflichten überschreibt. Ein juristischer Erfolg würde Klagen wegen Non-Hodgkin-Lymphoms landesweit den Boden entziehen.

Diese Entscheidung ist für die Bilanzstruktur von enormer Bedeutung. Aktuell belaufen sich die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten auf 11,8 Milliarden Euro, wovon der Großteil auf den Unkrautvernichter entfällt. Allein für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen mit prozessbedingten Abflüssen von rund fünf Milliarden Euro. Diese Summe drückt den erwarteten Free Cashflow für 2026 tief ins Minus. Die parallel laufende Reduzierung der Nettofinanzverschuldung auf zuletzt knapp 30 Milliarden Euro lindert diesen Druck nur leicht.

Zölle bereits einkalkuliert

Abseits der Gerichtssäle bemüht sich das Management um operative Stabilität. Die von der US-Regierung angekündigten Zölle auf importierte Arzneimittel erfordern keine Prognoseanpassung. Laut US-Präsident Sebastian Guth sind die auf 15 Prozent begrenzten Abgaben in der Planung für 2026 bereits vollständig eingepreist. Der Konzern peilt weiterhin ein operatives Ergebnis (EBITDA) von bis zu 10,1 Milliarden Euro an. Zusätzlich stützt das neue Betriebsmodell die Profitabilität, das Einsparungen von zwei Milliarden Euro liefern soll.

Der Fahrplan für Anleger

Ein Blick auf den Kalender zeigt die ungewöhnliche Dichte an strategischen Terminen in den kommenden Wochen:

  • 24. April: Virtuelle Hauptversammlung mit Abstimmung über die Dividende von 0,11 Euro je Aktie.
  • 27. April: Verhandlungsauftakt vor dem US Supreme Court in Washington.
  • 12. Mai: Vorlage der Quartalszahlen inklusive erster Management-Einschätzungen zur Gerichtsanhörung.
  • 4. Juni: Fristende für Kläger, aus dem im Februar angekündigten landesweiten Sammelvergleich auszusteigen.

Fällt die Kläger-Beteiligung am Sammelvergleich bis zu diesem Stichtag Anfang Juni zu gering aus, behält sich Bayer die Kündigung der Vereinbarung ausdrücklich vor. Spätestens mit dem finalen Urteil des Supreme Courts im Sommer wird feststehen, ob der Konzern seinen größten juristischen Kostenblock dauerhaft begrenzen kann.

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