Bayer Aktie: Glyphosat-Urteil vor Weihnachten?

Höhere Pharmaergebnisse und eine angehobene Margenprognose treffen auf einen Nettoverlust und die ausstehende gerichtliche Prüfung.

Dieter Jaworski ·
Bayer-Logo auf einer grauen Maschine in einer modernen Abfüllanlage für Glasfläschchen (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Pharma treibt EBITDA im dritten Quartal
  • Nettoverlust gegenüber Vorjahr verringert
  • Gericht prüft Vergleich über 7,25 Milliarden US-Dollar
  • Analysten halten an unterschiedlichen Bewertungen fest

Bayers heutiges Kursplus von 2,7% wird vom starken Pharmageschäft getragen. Für mich rechtfertigt die operative Verbesserung mehr Zuversicht, aber noch keine Entwarnung bei den Rechtsrisiken. Die entscheidende Trennlinie verläuft zwischen einem verbesserten Geschäftsausblick und dem weiterhin gerichtlich geprüften Glyphosat-Sammelvergleich. Wer beides gleichsetzt, würde der Erholung mehr Sicherheit zuschreiben, als die Nachrichtenlage hergibt.

Der Vergleich ist noch keine Lösung

Laut Reuters sagte Bayer-CEO Bill Anderson am Dienstag, das Unternehmen erwarte vor Weihnachten eine Entscheidung über den vorgeschlagenen Glyphosat-Sammelvergleich. Dessen Volumen beträgt 7,25 Milliarden US-Dollar. Der Vergleich steht noch unter Prüfung eines Gerichts in Missouri.

Dieser Vorbehalt ist für meine Bewertung zentral. Eine erwartete Entscheidung ist keine Zustimmung. Und ein vorgeschlagener Vergleich darf nicht wie eine bereits erreichte Bereinigung behandelt werden. Der Termin vor Weihnachten gibt Anlegern einen Orientierungspunkt, nimmt dem Ausgang aber nicht seine Unsicherheit.

Eine positive Nachricht gab es bereits am 30. Oktober: Eine Jury in St. Louis entschied einstimmig zugunsten von Monsanto. Sie wies die Klagen dreier Frauen im Glyphosat-Verfahren ab.

Das Urteil spricht aus meiner Sicht dagegen, die Rechtslage ausschließlich durch mögliche Belastungen zu betrachten. Es wäre allerdings ebenso falsch, aus diesem einzelnen Prozesserfolg eine umfassende Entwarnung abzuleiten. Der Erfolg vor der Jury und die Prüfung des Sammelvergleichs sind unterschiedliche Vorgänge. Für die Einordnung der Aktie müssen sie getrennt bleiben.

Pharma liefert den belastbareren Fortschritt

Die operative Grundlage für mehr Optimismus ist konkreter. Bayer meldete am Dienstag für das dritte Quartal 2026 ein EBITDA vor Sondereinflüssen von 1,615 Milliarden Euro. Das entsprach einem Zuwachs von 6,9%; das starke Pharmageschäft trieb die Verbesserung.

Für mich ist diese Entwicklung das überzeugendere Argument hinter der positiven Marktreaktion. Sie beruht auf gemeldeter Geschäftsentwicklung und nicht auf der Hoffnung auf eine gerichtliche Entscheidung. Gleichwohl bleibt die Unterscheidung zwischen operativem Ergebnis und Konzernergebnis wichtig.

Bayer meldete am Dienstag einen Nettoverlust von 672 Millionen Euro nach 963 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Der Verlust ging damit zurück, verschwunden ist er nicht.

Die Verbesserung verdient Anerkennung. Sie rechtfertigt aber nicht, den Konzern bereits als durchgehend profitabel zu betrachten. Gerade bei einer optimistischeren Bewertung sollten Anleger nicht nur auf die bereinigte Ergebniskennzahl schauen.

Am Dienstag erhöhte Bayer außerdem die Prognose für die Pharma-Marge vor Sondereinflüssen auf 25 bis 27%. Die Erwartung für die Nettofinanzverschuldung sank auf 28 bis 29 Milliarden Euro.

Beides stärkt für mich die operative Erholungsthese. Die Aussagen bleiben jedoch Prognosen. Sie beschreiben, was Bayer erwartet, und nicht ausschließlich das bereits Erreichte. Genau diese Abstufung sollte auch die Bewertung der Aktie prägen.

Zustimmung ist keine Einigkeit

Auch nach den Zahlen lagen die Analystenurteile auseinander. Deutsche Bank Research bestätigte gestern die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 60 Euro. Jefferies hielt am Dienstag dagegen an der Halteempfehlung und einem Ziel von 46 Euro fest.

Die unterschiedlichen Bewertungen passen zum Spannungsfeld bei Bayer: Das bessere Pharmageschäft spricht für Zuversicht, der Nettoverlust und die offene Vergleichsprüfung mahnen zur Zurückhaltung. Keines dieser Argumente lässt sich durch das andere einfach aufheben.

Unterm Strich halte ich die positive Neubewertung deshalb für operativ nachvollziehbar, rechtlich aber noch nicht ausreichend abgesichert. Die Pharmastärke ist ein belastbarer Fortschritt. Ob daraus eine breiter abgesicherte Erholung wird, hängt auch davon ab, wie das Gericht über den vorgeschlagenen Vergleich entscheidet. Bis dahin ist begründeter Optimismus angemessener als Entwarnung.

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Bayer Aktie

55,72 EUR

+ 1,74 EUR +3,22 %
KGV —
KUV 0,92
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite 0,22 %
Marktkapitalisierung 54,74 Mrd. EUR
Ø Kursziel 58,33 EUR
ISIN: DE000BAY0017 WKN: BAY001

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