Bayer Aktie: Klage gegen Johnson & Johnson

Bayer wirft J&J vor, mit methodisch fehlerhaften Daten die Überlegenheit von Erleada gegenüber Nubeqa beworben zu haben. Der Konzern klagt auf Unterlassung und Schadenersatz.

Redaktion Stock-World ·
Bayer Aktie (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Klage wegen irreführender Werbung für Prostatakrebsmittel
  • Vorwurf wissenschaftlich fehlerhafter Vergleichsdaten
  • KI verbreitet angeblich falsche Behauptungen
  • Rechtsstreit um Milliardenmarkt für Krebsmedikamente

Bayer zieht vor Gericht. Der Leverkusener Konzern hat beim Bundesbezirksgericht in Manhattan Klage gegen Johnson & Johnson eingereicht – es geht um irreführende Werbung im Milliardenmarkt für Prostatakrebs-Medikamente. Der Vorwurf wiegt schwer: J&J soll mit wissenschaftlich fehlerhaften Daten die Überlegenheit seines Mittels Erleada gegenüber Bayers Nubeqa beworben haben.

Anfang Februar hatte J&J verkündet, Erleada senke das Sterberisiko bei Patienten mit metastasiertem, kastrationssensitivem Prostatakrebs um 51 Prozent im Vergleich zu Nubeqa – allerdings ohne gleichzeitige Gabe des Chemotherapeutikums Docetaxel. Eine beeindruckende Zahl, die bei Ärzten und Patienten für Aufmerksamkeit sorgte. Doch Bayer widerspricht vehement.

Methodische Mängel als Kernvorwurf

Die Deutschen bemängeln fundamentale Schwächen in der J&J-Analyse. Entscheidende prognostische Faktoren und Ausgangsmerkmale – etwa Begleiterkrankungen außerhalb der Krebsdiagnose – seien nicht ausreichend erfasst worden. Zudem habe die mit Erleada behandelte Patientengruppe fünfmal so viele Teilnehmer umfasst wie die Nubeqa-Gruppe. Ein solches Ungleichgewicht führe zu einem „Selection Bias“, der Überlegenheitsbehauptungen unzuverlässig mache.

Bayer moniert zudem, dass die meisten Nubeqa-Patienten in der Vergleichsstudie das Medikament außerhalb der zugelassenen Indikation erhielten – also „off-label“. Die Datenbasis sei damit nicht vergleichbar. Erschwerend komme hinzu, dass die FDA retrospektive Real-World-Analysen wie die von J&J verwendete nicht als Ersatz für traditionelle klinische Direktvergleiche anerkennt.

KI verstärkt die Botschaft

Besonders brisant: Laut Bayer verbreitet künstliche Intelligenz die falschen Behauptungen. Eine Google-Suche zu Erleada, Nubeqa und Sterberisiko liefere bereits „unsubstanziierte Botschaften über das Risiko, mit Nubeqa zu sterben“. Die Werbekampagne von J&J – inklusive Pressemitteilungen und Präsentationen auf der Medical-Connect-Website – verstoße gegen den Lanham Act, ein Bundesgesetz, das falsche oder irreführende kommerzielle Aussagen über Produkte verbietet.

Der Konzern fordert vor Gericht neben einer einstweiligen und dauerhaften Verfügung auch Schadenersatz in dreifacher Höhe sowie die Rückzahlung unrechtmäßig erzielter Gewinne. J&J reagierte bislang nicht auf Anfragen.

Kampf um einen Milliardenmarkt

Es geht um viel. In den USA wurden 2025 etwa 313.780 Männer mit Prostatakrebs diagnostiziert, 35.770 starben an der Erkrankung. Nubeqa erzielte in den ersten neun Monaten 2025 einen Umsatz von rund 1,63 Milliarden Euro. Erleada lag mit 2,62 Milliarden Dollar im vergleichbaren Zeitraum deutlich vorne – und kam auf einen Jahresumsatz von 3,57 Milliarden Dollar.

Die Bayer-Aktie reagierte zunächst verhalten. Im nachbörslichen Handel auf Tradegate notierte das Papier zeitweise 0,33 Prozent tiefer bei 42,66 Euro. Johnson & Johnson zeigte sich dagegen robuster und legte an der NYSE um 1,16 Prozent auf 245,30 Dollar zu. Für Bayer steht in diesem Rechtsstreit mehr auf dem Spiel als nur Marktanteile – es geht um das Vertrauen von Ärzten und Patienten in die Datenlage eines wichtigen Krebsmedikaments.

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Bayer Aktie

49,71 EUR

– 0,61 EUR -1,21 %
KGV —
KUV 0,92
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite 0,23 %
Marktkapitalisierung 48,84 Mrd. EUR
Ø Kursziel 58,33 EUR
ISIN: DE000BAY0017 WKN: BAY001

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