BayWa Aktie: Agravis-Chef Köckler greift in Süddeutschland an

Agravis dringt in BayWa-Kernmarkt vor. Der Agrarkonzern steht unter Druck: Schuldenabbau stockt, Kundenvertrauen schwindet vor der Ernte.

Redaktion Stock-World ·
Stock-World bei Google bevorzugenBei Google bevorzugen
Ein entschlossener Geschäftsmann in einem modernen Agrarbetrieb in Süddeutschland, mit verschwommenen Maschinen im Hintergrund. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Agravis expandiert in süddeutschen Raum
  • Kundenvertrauen vor Ernte bröckelt
  • T&G-Verkauf durch Minderheitsaktionär blockiert
  • Sanierungsplan sieht Stellenabbau vor

BayWa kämpft an zwei Fronten. Während der Münchner Agrarkonzern seine Sanierung vorantreiben muss, rückt Agravis in ein Gebiet vor, das lange als BayWa-Kernmarkt galt. Der Zeitpunkt ist heikel: Kurz vor der Ernte zählt nicht nur die Bilanz, sondern auch das Vertrauen der Landwirte.

Die Konkurrenz nutzt genau diese Lücke. Agravis will in Süddeutschland stärker Fuß fassen und sich dort als Großhandelspartner für Genossenschaften positionieren. Für BayWa wird das operative Geschäft damit zum nächsten Prüfstein.

Agravis sucht die Lücke in Süddeutschland

Nach einem Bericht des Münchner Merkur sieht Agravis-Chef Dirk Köckler in der BayWa-Krise eine Chance, Marktanteile zu gewinnen. Die Agravis Raiffeisen AG ist bislang vor allem in Nord-, West- und Ostdeutschland stark. Nun spricht der Konzern gezielt Landhandelsgenossenschaften in Süddeutschland an.

Im Zentrum steht der Großhandel mit Betriebsmitteln. Dazu gehören Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmittel. Auch der Ankauf von Marktfrüchten wie Getreide, Mais und Raps spielt eine Rolle.

Andere BayWa-Geschäfte nimmt Agravis derzeit nicht ins Visier. Der Verkauf von Landmaschinen, Baustoffen und Heizöl sei aktuell kein Thema. Der Angriff zielt damit klar auf das landwirtschaftliche Kerngeschäft.

Vertrauen vor der Ernte wird knapp

BayWa trifft dieser Vorstoß in einer empfindlichen Phase. Nach der Führungskrise zum Jahreswechsel und dem Abgang von CEO Dr. Frank Hiller ist die Stimmung an der Basis angespannt. Eine Umfrage des Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatts zeigte im Januar: Knapp die Hälfte der Teilnehmer wollte die Ernte nicht mehr über BayWa vermarkten.

Das ist mehr als ein Stimmungswert. Die Erntevermarktung bindet Kunden, Ware und Liquidität. Wenn Landwirte ausweichen, verliert BayWa nicht nur Umsatz, sondern auch Nähe zu einem Markt, der über Jahrzehnte gewachsen ist.

Der Konzern selbst spricht von Investitionszurückhaltung bei vielen Kunden. Als Gründe nennt BayWa Unsicherheiten rund um die Beteiligung BayWa r.e. sowie das schwierige Marktumfeld. Kein Wunder, dass Agravis jetzt genauer hinsieht.

T&G-Verkauf bleibt ein Schlüssel

Parallel dazu stockt ein wichtiger Baustein beim Schuldenabbau. Goldman Sachs sucht seit März 2026 einen Käufer für den 74-prozentigen BayWa-Anteil an T&G Global. Das Unternehmen vermarktet Apfelmarken wie Envy und Jazz in mehr als 60 Ländern.

T&G ist operativ kein Sanierungsfall. Das Unternehmen erzielte 2024 einen Umsatz von 1,3 Milliarden US-Dollar und kehrte mit 16 Millionen US-Dollar Nettogewinn in die Gewinnzone zurück.

Der erwartete Verkaufserlös liegt bei rund 300 Millionen Euro. Das Problem: Die Joy Wing Mau Group hält knapp 20 Prozent an T&G und blockiert den Prozess.

Für BayWa zählt jeder größere Verkauf. Bislang hat der Konzern durch den Cefetra-Verkauf sowie Erlöse aus RWA, WHG und EDL rund 1,3 Milliarden Euro gesichert. Das Ziel liegt bei vier Milliarden Euro bis 2028.

Enge Fristen, schwacher Kurs

Bis Herbst 2026 braucht BayWa den testierten Jahresabschluss 2025, die Zustimmung der Kernbanken DZ Bank und UniCredit/HVB zur Verlängerung der Stillhaltevereinbarung sowie den abgeschlossenen T&G-Verkauf. Scheitert ein Baustein, gerät der Sanierungsplan weiter unter Druck.

Das neue Sanierungskonzept soll bis Mitte 2026 stehen. Es sieht vor, dass Gläubiger auf rund eine Milliarde Euro verzichten und BayWa rund 1.300 Stellen abbaut.

Auch das Geschäftsvolumen soll schrumpfen. Bis 2028 peilt der Konzern einen Umsatz von zehn Milliarden Euro an. Bis 2027 sollen 26 der rund 400 Standorte geschlossen werden.

Der Jahres- und Konzernabschluss für das Geschäftsjahr 2025 kann nicht fristgerecht veröffentlicht werden. BayWa will ihn erst nach der Überarbeitung des Sanierungskonzepts und nach dem Bestätigungsvermerk des Abschlussprüfers vorlegen.

Die Aktie zeigt die Nervosität. Der Kurs liegt bei 13,00 Euro und hat auf Wochensicht 4,00 Prozent gewonnen. Das wirkt eher wie eine technische Erholung als wie ein Vertrauenssignal.

Seit Jahresanfang steht ein Minus von 22,39 Prozent zu Buche. Auf Sicht von zwölf Monaten beträgt der Rückgang 33,67 Prozent, der Kurs liegt weiter deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 15,84 Euro. Die annualisierte Volatilität von 106,76 Prozent zeigt, wie unsicher der Markt die Lage bewertet.

BayWa braucht nun Fortschritte auf mehreren Ebenen: einen funktionierenden T&G-Verkauf, belastbare Bankenzusagen und Kundenbindung im Agrargeschäft. Die nächsten Wochen vor der Ernte werden damit nicht nur operativ wichtig, sondern auch ein Praxistest für die Sanierung.

Anzeige

Stand heute, 7. November: BayWa – Kaufen, halten oder verkaufen?

Wer in BayWa investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 7. November gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.

BayWa: Gratis-Analyse (PDF) öffnen …

BayWa Aktie

6,08 EUR

– 0,42 EUR -6,46 %
KGV —
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite —
Marktkapitalisierung 652,15 Mio. EUR
Ø Kursziel 6,00 EUR
ISIN: DE0005194005 WKN: 519400

Community Forum zu BayWa

Ähnliche Artikel

IBM Aktie: Stufe C bei der DARPA ist erreicht

IBM Aktie: Stufe C bei der DARPA ist erreicht

Dow Jones ·
OMV Aktie: Konzern erwartet 500 Millionen vom Gasfeld

OMV Aktie: Konzern erwartet 500 Millionen vom Gasfeld

Earnings ·
Cameco Aktie: Uran-Erholung echt?

Cameco Aktie: Uran-Erholung echt?

Rohstoffe ·
Deutsche Telekom Aktie: Der Webcast-Termin!

Deutsche Telekom Aktie: Der Webcast-Termin!

Telekommunikation ·
IREN Aktie: Das große Umsatzziel ist verschoben

IREN Aktie: Das große Umsatzziel ist verschoben

KI & Quantencomputing ·

Weitere Artikel zu BayWa

Alle Artikel anzeigen
BayWa Aktie: Sanierung nimmt Gestalt an?

BayWa Aktie: Sanierung nimmt Gestalt an?

Turnaround ·
BayWa Aktie: Hybridanleihe-Abstimmung eingeleitet

BayWa Aktie: Hybridanleihe-Abstimmung eingeleitet

Turnaround ·
BayWa Aktie: Jahresbericht erst am 22. Dezember

BayWa Aktie: Jahresbericht erst am 22. Dezember

Earnings ·
BayWa Aktie: Hybridanleihe-Hammer?

BayWa Aktie: Hybridanleihe-Hammer?

Turnaround ·
BayWa Aktie: Hybridanleihe-Verzicht!

BayWa Aktie: Hybridanleihe-Verzicht!

Turnaround ·