BayWa Aktie: Milliardenlücke wächst

BayWa steht vor einer Finanzierungslücke von vier Milliarden Euro. Der Verkauf der Obstsparte T&G Global bringt nur begrenzte Erlöse, während der geplante Verkauf der Energiesparte gescheitert ist.

Felix Baarz ·
BayWa Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Verkauf der Obsttochter T&G Global läuft an
  • Finanzierungsbedarf von vier Milliarden Euro bis 2028
  • Gescheiterter Verkauf der Energiesparte BayWa r.e.
  • Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-Vorstände

Der T&G-Global-Verkaufsprozess nimmt Form an — Goldman Sachs ist mandatiert, potenzielle Käufer stehen bereit. Für BayWa ist das ein sichtbares Zeichen der Handlungsfähigkeit. Gemessen an der Dimension der Finanzierungslücke bleibt der erhoffte Erlös von rund 300 Millionen Euro jedoch ein Tropfen auf den heißen Stein.

Profitable Obstsparte, komplizierter Abgang

T&G Global ist kein Sanierungsfall, sondern ein funktionierendes Unternehmen. Die neuseeländische Tochter vermarktet Apfelmarken wie Envy und Jazz in mehr als 60 Länder, erzielte 2024 einen Umsatz von 1,3 Milliarden US-Dollar und kehrte zuletzt mit einem Nettogewinn von 16 Millionen US-Dollar in die Gewinnzone zurück. BayWa hält knapp 74 Prozent der Anteile und will diese vollständig abstoßen.

Der Prozess läuft allerdings nicht reibungslos. Minderheitsaktionär Joy Wing Mau Group aus Hongkong, mit knapp 20 Prozent beteiligt, gilt als Komplikation. Als Interessenten werden auf Agrarwirtschaft spezialisierte Private-Equity-Gesellschaften wie Roc Partners, Paine Schwartz und Hancock gehandelt. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Vier Milliarden Euro — erst 1,3 gesichert

Das eigentliche Problem liegt woanders. Von den bis 2028 benötigten vier Milliarden Euro sind bislang lediglich 1,3 Milliarden gesichert. Der ursprüngliche Kern des Sanierungsplans — der Verkauf einer 51-Prozent-Beteiligung an der Energiesparte BayWa r.e. für bis zu 1,7 Milliarden Euro — ist gescheitert. Als die USA Anfang 2025 Fördermittel für erneuerbare Energien strichen, brachen die erzielbaren Preise ein und rissen die Rechengrundlage mit sich.

Operativ laufen harte Einschnitte: 1.300 Stellen fallen bis 2027 weg, 26 Niederlassungen schließen dauerhaft. Die Jahresprognose für 2026 wurde komplett gestrichen, das bereinigte EBITDA-Ziel für 2027 auf rund 140 Millionen Euro gesenkt.

Immerhin fließt im April 2026 Geld aus dem bereits abgeschlossenen Cefetra-Verkauf: 45 Millionen Euro sind bis spätestens 30. April fällig, dazu rund 62 Millionen Euro aus der Rückzahlung von Gesellschafterdarlehen. Durch die Entkonsolidierung von Cefetra sollen die Bankkredite der Gruppe um mehr als 600 Millionen Euro sinken.

Ermittlungen, BaFin-Rüge, kein Abschluss

Zur finanziellen Schieflage kommen juristische Belastungen. Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt wegen Untreue gegen die ehemaligen Vorstandschefs Klaus Josef Lutz und Marcus Pöllinger. Der Vorwurf: Die damalige Führung habe die Finanzlage im Jahresabschluss 2023 systematisch falsch dargestellt. Privaträume wurden bereits durchsucht. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Die BaFin hat den Jahresabschluss 2023 formell beanstandet — eine Steilvorlage für Schadensersatzforderungen geprellter Aktionäre. Der bisherige Abschlussprüfer PwC verliert das Mandat; die Aufsichtsbehörde Apas hat ein berufsaufsichtsrechtliches Verfahren eingeleitet.

Entscheidend für den weiteren Zeitplan ist die Haltung der Gläubigerbanken: Stimmen sie einer Verlängerung der Stillhaltevereinbarung bis Herbst 2026 zu, gewinnt das Management den nötigen Spielraum zur Umsetzung des angepassten Sanierungsplans. Der testierte Konzernabschluss für 2025 verzögert sich voraussichtlich bis ins vierte Quartal 2026 — eine belastbare fundamentale Einschätzung der Lage ist bis dahin schlicht nicht möglich.

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BayWa Aktie

13,50 EUR

– 0,10 EUR -0,74 %
KGV 0,00
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,00 %
Marktkapitalisierung 865,99 Mio. EUR
ISIN: DE0005194005 WKN: 519400

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