BayWa Aktie: Prüfer unter Beschuss

Der angeschlagene Agrarkonzern BayWa schreibt sein Prüfmandat neu aus. Hintergrund ist ein uneingeschränktes Testat von PwC, das unter Druck der Finanzaufsicht BaFin steht.

Redaktion Stock-World ·
BayWa Aktie (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Wechsel des Abschlussprüfers von PwC
  • BaFin sieht Verstöße gegen Rechnungslegung
  • Abschluss 2025 verzögert sich bis Q4 2026
  • Sanierungsziel von vier Milliarden Euro

Der Wechsel des Abschlussprüfers ist selten eine Schlagzeile wert — bei BayWa schon. Der angeschlagene Agrarkonzern schreibt das Prüfmandat neu aus und beendet damit die Zusammenarbeit mit PricewaterhouseCoopers. Hintergrund ist ein uneingeschränktes Testat, das PwC im Frühjahr 2024 für den Konzernabschluss 2023 erteilte — zu einem Zeitpunkt, als die Finanzlage des Konzerns bereits erheblich unter Druck stand.

PwC im Visier von BaFin und Apas

Die Finanzaufsicht BaFin ordnete im November 2024 eine Sonderprüfung des Konzernabschlusses 2023 an und sieht „konkrete Anhaltspunkte für Verstöße gegen Rechnungslegungsvorschriften“. Konkret fehlen im Abschluss Hinweise auf Kreditbedingungen sowie Refinanzierungsrisiken einer 500-Millionen-Euro-Anleihe und kurzlaufender Schuldverschreibungen über 632 Millionen Euro — Informationen, die das Handelsgesetzbuch ausdrücklich vorschreibt.

Die staatliche Abschlussprüferaufsichtsstelle Apas leitete daraufhin ein berufsaufsichtsrechtliches Verfahren gegen PwC ein. Ergebnisse beider Untersuchungen stehen noch aus. Das aktuelle BayWa-Management prüft parallel Schadensersatzansprüche gegen den bisherigen Prüfer.

Abschluss 2025 lässt auf sich warten

Der Prüferwechsel fällt in eine Phase, in der Transparenz dringend nötig wäre. Der vollständige Konzernabschluss 2025 soll wegen ausstehender Neubewertungen erst im vierten Quartal 2026 vorliegen. Zusätzlich ermittelt die Staatsanwaltschaft München I gegen ehemalige Führungskräfte, darunter Ex-CEO Marcus Pöllinger, wegen des Verdachts der Untreue im Zusammenhang mit dem Konzernlagebericht 2023. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Operativ meldet BayWa unterdessen Fortschritte: Der Verkauf von Raiffeisen Ware Austria und Cefetra gilt als abgeschlossen, bis 2027 sollen rund 1.300 Stellen wegfallen. Als nächster Schritt steht der Verkauf der neuseeländischen Tochter T&G Global an — aus dem Verkauf könnten Insidern zufolge etwa 300 Millionen Euro fließen. Vom Sanierungsziel von vier Milliarden Euro bis 2028 fehlen noch rund 2,7 Milliarden.

Entscheidend in den kommenden Wochen ist die Haltung der Gläubigerbanken: Stimmen sie einer Verlängerung der Stillhaltevereinbarung zu, bleibt das Sanierungskonzept handlungsfähig. Verweigern sie die Zustimmung, verliert der gesamte Restrukturierungsplan seine Grundlage. Die Aktie notiert mit einem Minus von rund 31 Prozent auf Jahressicht deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 17,30 Euro — ein Spiegelbild der strukturell hohen Unsicherheit, die sich so schnell nicht auflösen wird.

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