BayWa Aktie: Zählt die Zeit

Der BayWa-Konzern steht vor einem kritischen Quartalsabschluss, der über die Verlängerung der Stillhaltevereinbarung mit Gläubigerbanken entscheidet. Die Sanierung ist durch gescheiterte Pläne und Ermittlungen belastet.

Dieter Jaworski ·
BayWa Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Q4-Zahlen 2025 entscheiden über Stillhaltevereinbarung
  • Gescheiterter Verkauf der Energietochter BayWa r.e.
  • Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue-Verdacht
  • Umbau mit Stellenabbau und niedrigeren Zielen

Drei Milliarden Euro Schulden, ein gescheiterter Kernplan und die Staatsanwaltschaft im Rücken — BayWa steht vor einem der kritischsten Momente seiner laufenden Restrukturierung. Am Donnerstag legt der Konzern die Q4-Zahlen für 2025 vor. Sie sind mehr als ein Rechenschaftsbericht: Die Gläubigerbanken machen ihre Entscheidung über eine Verlängerung der Stillhaltevereinbarung maßgeblich davon abhängig.

Der ursprüngliche Plan trägt nicht mehr

Das Herzstück der Sanierung war der Verkauf der 51-prozentigen Beteiligung an der Energietochter BayWa r.e. — geplanter Erlös: 1,7 Milliarden Euro bis Ende 2028. Dieser Wert ist nicht mehr realistisch. US-Präsident Trump stoppte im Januar 2025 Fördermittel für erneuerbare Energien im Umfang von über 300 Milliarden Dollar, was die Bewertung der Sparte fundamental verändert hat.

Als greifbarer Entschuldungsbeitrag bleibt vorerst der Verkauf der 74-prozentigen Beteiligung am neuseeländischen Obsthandelskonzern T&G Global. Insidern zufolge könnten rund 300 Millionen Euro fließen. Gemessen an der Gesamtlücke von 2,7 Milliarden Euro ist das ein bescheidener Schritt — aber derzeit der konkreteste.

Immerhin: Seit 2025 hat BayWa die Schuldenlast um rund 1,3 Milliarden Euro reduziert, maßgeblich durch den Verkauf der Handelstochter Cefetra. Beim Gesamtziel von 4 Milliarden Euro bis 2028 stehen damit knapp 33 Prozent auf der Habenseite.

Umbau auf allen Ebenen

Parallel zum Schuldenabbau läuft ein struktureller Konzernumbau. Bis 2027 sollen rund 1.300 Stellen wegfallen, 26 Niederlassungen schließen, der Umsatz bis 2028 auf rund 10 Milliarden Euro sinken. Das bereinigte EBITDA-Ziel für 2027 wurde auf gut 140 Millionen Euro gesenkt — das ursprüngliche Gutachten hatte für 2028 noch rund 230 Millionen Euro angesetzt. Der Planungshorizont verlängert sich damit auf 2030.

Die Prognose für 2026 hat BayWa komplett gestrichen. Den vollständigen Jahresabschluss 2025 erwartet das Unternehmen wegen notwendiger Neubewertungen erst im vierten Quartal 2026.

Auch an der Spitze wird nachgesteuert. Vorständin Marlen Wienert übernimmt zusätzlich das Personal- und Nachhaltigkeitsressort. Drei Aufsichtsratsmitglieder legen ihre Mandate nieder — darunter Monika Hohlmeier und Michael Höllerer Ende März. Sie standen in der Kritik, den schuldenfinanzierten Expansionskurs mitgetragen zu haben. Die Zustimmungspflicht für Geschäfte wurde von 200 auf 50 Millionen Euro abgesenkt, eine direkte Reaktion auf die Kontrolldefizite der Vergangenheit.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Zusätzlichen Druck erzeugt die juristische Front. Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt wegen des Verdachts der Untreue gegen mehrere frühere Verantwortliche — darunter die ehemaligen Vorstandschefs Klaus Josef Lutz und Marcus Pöllinger.

Die Aktie notiert rund 14 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt und spiegelt damit die anhaltende Unsicherheit wider. Gelingt mit den Q4-Zahlen die Grundlage für eine verlängerte Stillhaltevereinbarung bis Herbst 2026, gewinnt das Management Zeit für ein überarbeitetes Sanierungskonzept. Scheitert diese Verlängerung, muss ein neuer Plan zu einem Zeitpunkt vorgelegt werden, an dem der ursprüngliche bereits gescheitert ist.

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BayWa Aktie

15,10 EUR

KGV 0,00
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,00 %
Marktkapitalisierung 933,35 Mio. EUR
ISIN: DE0005194005 WKN: 519400

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