BayWa: DZ Bank und UniCredit entscheiden über Stillhalt
Der Agrarkonzern BayWa steht vor entscheidenden Bankenabstimmungen, während Klagen und eine wachsende Finanzierungslücke die Sanierung erschweren.

Kurz zusammengefasst
- Kernbanken entscheiden über Stillhalteabkommen
- Massenklagen von Aktionären drohen
- Finanzierungslücke von 2,7 Milliarden Euro
- Verkauf von T&G Global soll helfen
Der Agrarkonzern BayWa kämpft an drei Fronten gleichzeitig. In den kommenden Tagen entscheiden Kernbanken über eine Standstill-Verlängerung, Tausende Klageverfahren drohen — und im Sanierungsplan klafft eine Lücke von 2,7 Milliarden Euro.
Banken entscheiden über Sanierungsgrundlage
Alles hängt an der Zustimmung von DZ Bank und UniCredit/HVB. Beide müssen einer Verlängerung der Stillhaltevereinbarung bis Herbst 2026 zustimmen — sonst verliert der im Mai 2025 finalisierte StaRUG-Plan seine rechtliche Basis. Die Vereinbarung verschafft BayWa den nötigen Zeitraum, um laufende Verkäufe und Restrukturierungen ohne sofortigen Liquiditätsdruck umzusetzen.
Das Scheitern dieser Abstimmung wäre mehr als ein Rückschlag. Es würde die gesamte Finanzierungsstruktur destabilisieren.
Massenklagen und Ermittlungen
Parallel dazu bereitet die Tübinger Kanzlei TILP Schadensersatzklagen für Aktionäre vor, die zwischen Januar 2022 und Januar 2026 BayWa-Aktien erworben haben. Grundlage ist ein BaFin-Bescheid: Die Behörde rügte, dass BayWa im Lagebericht 2023 wesentliche Details zu einem Milliardenkredit und Refinanzierungsrisiken einer 500-Millionen-Euro-Anleihe verschwieg.
Auch Abschlussprüfer PricewaterhouseCoopers gerät unter Druck. PwC erteilte für 2023 ein uneingeschränktes Testat, ohne auf existenzgefährdende Risiken hinzuweisen. Die Abschlussprüferaufsichtsstelle Apas hat ein berufsaufsichtsrechtliches Verfahren eingeleitet. BayWa schreibt das Prüfermandat neu aus und prüft eigene Ansprüche gegen PwC.
Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt gegen frühere Vorstandschefs — darunter Klaus Josef Lutz und Marcus Pöllinger — wegen Untreue und vorsätzlich falscher Darstellung von Liquiditätsrisiken. Im Januar kam es zu Hausdurchsuchungen. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Finanzierungslücke wächst, Verkäufe stocken
Das Kernproblem der Sanierung ist inzwischen größer als ursprünglich kalkuliert. Gestrichene US-Subventionen im Rahmen des „One Big Beautiful Bill Act“ entwerten die Energiesparte massiv. Der geplante Verkauf einer 51-Prozent-Beteiligung, der 2028 rund 1,7 Milliarden Euro bringen sollte, ist hinfällig. Von den bis 2028 benötigten vier Milliarden Euro sind derzeit nur 1,3 Milliarden gesichert.
Der Verkauf der neuseeländischen Tochter T&G Global — seit März 2026 von Goldman Sachs begleitet — soll helfen. Die erwarteten Erlöse von rund 300 Millionen Euro füllen die Milliardenlücke kaum. Obendrein bremst die Hongkonger Minderheitsaktionärin Joy Wing Mau Group den Prozess.
Operativ schrumpft BayWa planmäßig: Aus einem Konzern mit 24 Milliarden Euro Umsatz soll bis 2028 ein auf Agrar- und Baustoffhandel fokussiertes Unternehmen mit rund 10 Milliarden Euro entstehen, rund 1.300 Stellen fallen weg. Den testierten Konzernabschluss für 2025 erwartet BayWa erst im vierten Quartal 2026 — bis dahin fehlt jede belastbare Bewertungsgrundlage für die Aktie, die seit Jahresbeginn rund 14 Prozent verloren hat und mit 14,45 Euro mehr als 30 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch notiert.
Die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken haben die Lage bereits konkret bewertet: Von einem Schuldscheindarlehen schrieben sie im Jahresabschluss 2024 bereits 60 Prozent ab — im Extremfall droht der Totalausfall.
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