BayWa: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Pöllinger

Der Agrarhandelskonzern BayWa sieht sich mit strafrechtlichen Ermittlungen, Sammelklagen und einer fragilen Finanzlage konfrontiert. Der Erfolg der Restrukturierung hängt von Banken und Verkäufen ab.

Redaktion Stock-World ·
BayWa Aktie (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-Management
  • BaFin-Rüge ermöglicht Aktionärsklagen
  • Schuldenabbau erreicht erst ein Drittel des Ziels
  • Überleben hängt von Banken-Verlängerung ab

Staatsanwaltschaft, BaFin und Sammelklagen — BayWa kämpft nicht nur um seine Finanzen, sondern zunehmend auch vor Gericht. Der Agrarhandelskonzern steckt mitten in einer Restrukturierung, die auf wackeligem Fundament steht.

Ermittlungen gegen Ex-Führung

Im Zentrum der strafrechtlichen Aufarbeitung steht der Konzernabschluss 2023. Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt gegen ehemalige Verantwortliche — darunter Ex-CEO Marcus Pöllinger — wegen des Verdachts der Untreue. Im Januar kam es zu Hausdurchsuchungen. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Die BaFin rügte parallel, dass BayWa im Lagebericht 2023 wesentliche Details zu einem Milliardenkredit und Refinanzierungsrisiken einer 500-Millionen-Euro-Anleihe verschwiegen hatte. Diese formelle Rüge liefert der Kanzlei TILP nun die Grundlage für Schadensersatzklagen von Aktionären, die zwischen Januar 2022 und Januar 2026 Aktien erworben haben.

Auch Abschlussprüfer PwC gerät unter Druck. Die Wirtschaftsprüfer hatten für 2023 ein uneingeschränktes Testat erteilt, ohne auf existenzgefährdende Risiken hinzuweisen. Die Aufsichtsbehörde Apas führt ein entsprechendes Verfahren. BayWa schreibt das Prüfmandat neu aus und prüft Schadensersatzansprüche gegen PwC.

Schuldenabbau bleibt zäh

Der juristische Druck trifft auf eine weiterhin fragile Bilanz. Mit dem Cefetra-Verkauf und weiteren Transaktionen hat BayWa bislang 1,3 Milliarden Euro an Schulden abgebaut — knapp ein Drittel des angestrebten Gesamtziels von vier Milliarden Euro.

Als nächster Schritt läuft der Verkaufsprozess für die neuseeländische Obsthandelstochter T&G Global, an der BayWa knapp 74 Prozent hält. Goldman Sachs begleitet den Prozess. T&G erzielte 2024 einen Umsatz von 1,3 Milliarden US-Dollar und kehrte mit einem Nettogewinn von 16 Millionen US-Dollar in die Gewinnzone zurück — die Apfelmarken Envy und Jazz machen sie für strategische Käufer attraktiv. Als Interessenten gelten auf Agrarwirtschaft spezialisierte Private-Equity-Gesellschaften wie Roc Partners, Paine Schwartz und Hancock.

Allerdings bremst die Hongkonger Minderheitsaktionärin Joy Wing Mau Group mit knapp 20 Prozent den Prozess. Analysten zweifeln zudem daran, dass die erwarteten Erlöse von rund 300 Millionen Euro die milliardenschwere Lücke spürbar schließen.

Banken entscheiden über das Überleben

Das Schicksal des Konzerns liegt letztlich bei DZ Bank und HVB. Verlängern sie die Stillhaltevereinbarung nicht bis Herbst 2026, verliert der im Mai 2025 finalisierte StaRUG-Plan seine rechtliche Grundlage. Der testierte Jahresabschluss für 2025 verzögert sich wegen komplexer Neubewertungen in der Energiesparte — erwartet wird er frühestens im vierten Quartal 2026.

An der Börse spiegelt sich die Unsicherheit wider: Trotz eines Tagesgewinns von gut sieben Prozent auf 14,35 Euro liegt die Aktie seit Jahresbeginn rund 14 Prozent im Minus und notiert mehr als 33 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Die Einigung mit den Banken bleibt bis auf Weiteres der einzige belastbare Gradmesser.

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BayWa Aktie

8,20 EUR

– 0,40 EUR -4,65 %
KGV —
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite —
Marktkapitalisierung 824,72 Mio. EUR
Ø Kursziel 6,00 EUR
ISIN: DE0005194005 WKN: 519400

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