Beginnt nun die saisonale Durststrecke?

Nach starkem April und guter Quartalssaison droht nun eine schwankungsreiche Phase bis September. Die US-Geldpolitik bleibt ein Unsicherheitsfaktor.

Stephan Feuerstein ·
Laptop mit Aktienhandelsplattform auf einem Schreibtisch

Kurz zusammengefasst

  • Quartalszahlen vieler US-Konzerne überzeugen
  • Saisonale Schwächephase ab Mai erwartet
  • US-Notenbank unter neuer Führung
  • Ölpreis als Risiko für Inflation

Die Quartalszahlensaison hat ihren Höhepunkt erreicht. Bislang haben rund 20 Prozent der 500 Titel aus dem Standard & Poors 500 Index ihre Ergebnisse präsentiert und konnten dabei trotz hoher Erwartungen überzeugen. In dieser Woche folgen weitere 40 Prozent, womit bis zum Wochenende rund 2/3 der Unternehmen ihre Zahlen zum abgelaufenen Jahresviertel veröffentlicht haben. Nun muss sich aber zeigen, ob die erhöhten Bewertungen auch aus fundamentaler Sicht gerechtfertigt sind. Schließlich haben die US-Indizes im saisonal starken April mit starken Kurszuwächsen geglänzt. Hierzulande fällt die Bilanz hingegen etwas nüchterner aus!

Keine steigenden Zinsen in den USA?

Die Amtszeit von Jerome Powell als Präsident der US-Notenbank neigt sich dem Ende. Zwar hat sein Nachfolger Kevin Warsh in den Anhörungen des US-Bankenausschusses noch einmal die Unabhängigkeit der US-Notenbank unterstrichen. Dennoch dürfte Warsh als Wunschkandidat des US-Präsidenten tendenziell eine offensivere Geldpolitik verfolgen. Wenngleich es in der zweiten Jahreshälfte zwar nicht unbedingt zu Zinssenkungen im Hinblick auf die gestiegene Inflation kommen muss, dürfte Warsh diese doch zumindest stabil halten. Es bleibt allerdings abzuwarten, wie sich die Situation im Nahen Osten weiterentwickelt. Ein weiterhin hoher oder gar noch weiter steigender Ölpreis würde den Inflationsdruck weiter erhöhen und damit auch den Spielraum der Notenbanken weiter eingrenzen.

Eintrübung der Saisonalität

Der April konnte in diesem Jahr mit steigenden Aktienkursen glänzen, die teilweise so stark wie seit 2020 nicht mehr nach oben geklettert sind. Die Anleger haben dementsprechend hohe Erwartungen. Mit dem Börsenmonat Mai werden die Akteure in der Regel vorsichtiger. Zwar ist der Mai noch kein sehr schlechter Börsenmonat, insgesamt beginnt aber eine schwankungsfreudige Durststrecke, welche in der Regel bis Ende September anhält. Auf eine Zwischenerholung im Juli folgt dann häufig eine abwärts gerichtete Bewegung im August und September. Nachdem sich der Aktienmarkt in diesem Jahr an der saisonalen Kurve orientiert hat, bleibt abzuwarten, ob nun auch die alte Börsenweisheit „sell in may …“ wieder eintritt!

Stephan Feuerstein
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