Bilfinger Aktie: LBBW senkt Kursziel auf 96 Euro
Bilfinger verzeichnet Umsatzplus, aber deutlichen Auftragsrückgang. Das Management senkt die Margenprognose und erwartet erst im zweiten Halbjahr eine Erholung.

Kurz zusammengefasst
- Umsatzplus von sieben Prozent
- Auftragseingang sinkt um 16 Prozent
- EBITA-Marge fällt auf 5,3 Prozent
- CEO-Vertrag bis 2032 verlängert
Der Industriedienstleister Bilfinger blickt nach einem durchwachsenen zweiten Quartal vorsichtiger auf das laufende Geschäftsjahr. Zwar konnte das Unternehmen den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7 Prozent steigern, doch am Markt sorgte vor allem der deutliche Rückgang beim Auftragseingang für Verunsicherung. Dieser sank um 16 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro.
Infolge der aktuellen Entwicklungen konkretisierte das Management die Gewinnziele und peilt bei der EBITA-Marge nun lediglich das untere Ende der ursprünglichen Spanne an.
Umsatzwachstum trifft auf operative Herausforderungen
Die operative Marge (EBITA) ging im zweiten Quartal auf 5,3 Prozent zurück, nachdem sie im Vorjahr noch bei 5,5 Prozent gelegen hatte. Medienberichten zufolge belasten insbesondere die geopolitischen Spannungen infolge des Iran-Konflikts die Nachfrage der Kunden.
Vor allem im Segment Central Europe machte sich eine deutliche Zurückhaltung bemerkbar: Hier sank die Profitabilität um 90 Basispunkte, was das Unternehmen unter anderem auf eine Unterauslastung durch geopolitische Schocks zurückführt.
Trotz des operativen Drucks konnte Bilfinger das Konzernergebnis um 14 Prozent auf 54 Millionen Euro steigern. Dieser Zuwachs war maßgeblich auf eine verbesserte Steuerquote von 23 Prozent zurückzuführen. Das Management betonte zudem, dass die Backlog-Abdeckung mit rund 90 Prozent weiterhin auf einem soliden Niveau verbleibe, auch wenn die Dynamik im Neugeschäft zuletzt nachließ.
Management setzt auf Belebung im zweiten Halbjahr
Für das Gesamtjahr 2026 hält Bilfinger an seiner allgemeinen Prognose fest. Das Unternehmen erwartet weiterhin einen Umsatz zwischen 5,4 und 5,9 Milliarden Euro sowie einen Free Cashflow von bis zu 300 Millionen Euro.
CEO Thomas Schulz erklärte, dass das Marktumfeld derzeit zwar von Unsicherheit geprägt sei, man für die zweite Jahreshälfte jedoch eine zunehmende Dynamik erwarte. Die Mittelfristziele bis zum Jahr 2030, die ein jährliches Wachstum von bis zu 10 Prozent vorsehen, bleiben unverändert.
An der Börse spiegelt sich die Skepsis der Anleger bereits seit Längerem wider. Die Aktie verzeichnete seit Jahresanfang ein Minus von 28 Prozent. Mit dem Schlusskurs am Freitag von 77,30 Euro notiert das Papier zudem mit einem Abstand von 38 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Damit reagiert der Markt deutlich auf die Sorgen um die künftige Auftragsentwicklung und die Profitabilität.
Langfristige Stabilität durch Vertragsverlängerung des CEO
Um in diesen unruhigen Zeiten personelle Kontinuität zu gewährleisten, hat der Aufsichtsrat am vergangenen Dienstag den Vertrag des Vorstandsvorsitzenden Thomas Schulz vorzeitig verlängert. Schulz, der das Unternehmen seit März 2022 leitet, soll nun bis Februar 2032 an der Spitze bleiben. Unter seiner Führung gelang Bilfinger unter anderem die Rückkehr in den MDAX sowie die Aufnahme in den STOXX Europe 600 im Juni 2025.
Die Analysten bewerten die Lage derweil differenziert. Am Mittwoch senkte die LBBW ihr Kursziel für das Papier von 110 Euro auf 96 Euro, behielt die Einstufung jedoch auf „Buy“ bei. Die Experten begründeten diesen Schritt mit den nach unten korrigierten Margenerwartungen infolge der geopolitischen Restriktionen. Medienberichten zufolge senkte auch der Analysten-Konsens die Prognosen für den Gewinn je Aktie im Jahr 2026 leicht ab.
Um das Portfolio weiter zu stärken, integriert Bilfinger zudem neue digitale Kompetenzen. Bereits Anfang Juli schloss der Konzern die Übernahme der digitalen Plattform von Zentur.io ab. Diese Akquisition umfasst unter anderem KI-gestützte Simulationen für Wärmenetze und ein Kundenportal für Verbrauchstransparenz.
Die Transaktion soll die Strategie in den Bereichen Effizienz und Nachhaltigkeit im Energiesektor unterstützen. Dennoch bleibt die kurzfristige Kursentwicklung maßgeblich von der erhofften Belebung der Kundennachfrage abhängig.
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