BioNTech Aktie: 1.860 Stellen fallen weg
BioNTech fährt radikalen Sparkurs und kritisiert geplante Gesundheitsreformen. Der Konzern setzt auf Krebsforschung, während Umsatz und Aktie fallen.

Kurz zusammengefasst
- Kritik an Gesundheitsreform gemeinsam mit Eli Lilly
- Schließung von vier Standorten bis 2027
- Umsatz auf 118 Millionen Euro geschrumpft
- Hoffnung auf Krebsmedikamente bis 2030
Sinkende Impfstoff-Umsätze, ein harter Sparkurs und nun auch noch politischer Gegenwind. BioNTech schlägt gemeinsam mit Eli Lilly Alarm gegen die geplanten Gesundheitsreformen der Bundesregierung. Für den Mainzer Konzern steht dabei weit mehr auf dem Spiel als nur der heimische Standort.
Radikaler Umbau der Produktion
Der US-Riese Eli Lilly streicht geplante Investitionen in Deutschland massiv zusammen. BioNTech schließt sich dieser Kritik an. Das Timing ist brisant. Der Impfstoffhersteller baut seine eigene Produktion bereits radikal um.
Bis Ende 2027 schließt das Management vier Standorte, darunter Marburg und Tübingen. Etwa 1.860 Arbeitsplätze fallen weg. Das entspricht fast einem Viertel der gesamten Belegschaft.
Die Folge: Einsparungen von jährlich rund 500 Millionen Euro. Dieses Kapital fließt direkt in die Krebsforschung.
Rote Zahlen und ein schwacher Kurs
Der finanzielle Druck wächst spürbar. Im ersten Quartal schrumpfte der Umsatz auf 118 Millionen Euro. Der Verlust weitete sich auf 532 Millionen Euro aus. Ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm soll nun den Kurs stützen. Finanziert wird dies aus den üppigen Barreserven von fast 17 Milliarden Euro.
An der Börse zeigt sich ein nüchternes Bild. Die Aktie notiert aktuell bei 77,20 Euro. Auf Jahressicht steht ein Minus von gut 20 Prozent auf der Anzeigetafel. Der Abstand zur wichtigen 200-Tage-Linie beträgt mehr als zehn Prozent.
Analysten sind gespalten
Operativ ruhen alle Hoffnungen auf der Onkologie-Pipeline. Für den Antikörper-Wirkstoff BNT323 plant BioNTech noch in diesem Jahr den Zulassungsantrag. Parallel dazu stehen wichtige Studiendaten für weitere Krebstherapien an.
Die Wall Street bewertet diesen Wandel unterschiedlich. Die Schweizer Großbank UBS empfiehlt die Aktie zum Kauf. Analyst David Dai sieht ein Kursziel von 135 US-Dollar. Er lobt das unterschätzte Potenzial der Krebs-Pipeline. Bernstein-Analyst Jeffrey Walch bleibt hingegen vorsichtig. Er vergibt ein Kursziel von 96 US-Dollar und sieht kaum Aufwärtspotenzial.
Dieser radikale Umbau fällt in eine sensible Phase. Die Gründer Uğur Şahin und Özlem Türeci verlassen das Unternehmen zum Jahresende. Das neue Management erbt eine gewaltige Aufgabe. Bis 2030 sollen zehn Krebsmedikamente die Marktzulassung erhalten. Die Weichen dafür werden im zweiten Halbjahr gestellt. Dann präsentiert BioNTech entscheidende Daten aus den späten Studienphasen.
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