BioNTech Aktie: 151,6 Millionen für Rückkäufe trotz Verlust

BioNTech investiert 151,6 Mio. Dollar in eigene Aktien, trotz hoher Verluste und gesenkter Prognose. Das Management setzt auf die Onkologie-Pipeline.

Dr. Robert Sasse ·
BioNTech Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Rückkauf von Aktien im Wert von 151,6 Mio. Dollar
  • Quartalsverlust steigt auf 820,8 Mio. Euro
  • Umsatzprognose auf 1,6 bis 1,9 Mrd. Euro gesenkt
  • Liquide Mittel betragen 16,6 Mrd. Euro

Es gibt einen stillen Indikator, den viele Anleger übersehen, wenn sie auf Studiendaten und Konferenztermine starren: Was tut ein Unternehmen eigentlich mit seinem eigenen Geld, wenn niemand hinschaut?

Bei BioNTech lohnt der Blick in die Bilanz gerade jetzt, denn zwischen all den Schlagzeilen über Lungenkrebs-Daten und Vorstandswechsel verbirgt sich eine Zahl, die eine eigene Geschichte erzählt: 151,6 Millionen Dollar. So viel hat BioNTech im zweiten Quartal für Aktienrückkäufe ausgegeben.

Das mag auf den ersten Blick wie eine Randnotiz wirken, gemessen an einer Marktkapitalisierung von 24,49 Milliarden Euro. Aber es ist ein Signal. Ein Unternehmen, das mitten in der teuersten Phase seiner Geschichte steckt – mit einem auf 820,8 Millionen Euro gewachsenen Quartalsverlust und einer nach unten korrigierten Umsatzprognose von nun 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro – entscheidet sich trotzdem, Kapital aus dem Markt zu nehmen statt es zu horten. Das ist eine Wette auf sich selbst.

Die Kriegskasse als Rückenwind

Diese Wette lässt sich nur verstehen, wenn man die andere Seite der Bilanz kennt: 16,6 Milliarden Euro an liquiden Mitteln und Wertpapieren hielt BioNTech zur Jahresmitte. Genug, um das aktuelle Forschungstempo mehr als ein Jahrzehnt durchzuhalten, selbst ohne einen Euro zusätzlichen Umsatzes.

Wer über eine solche Kriegskasse verfügt, kann es sich leisten, kurzfristige Verluste zu ignorieren und gleichzeitig Kapital zurückzugeben. Genau das tut das Unternehmen aus Mainz.

Der Kontrast zur Gewinn- und Verlustrechnung könnte kaum größer sein. Die Forschungs- und Entwicklungskosten kletterten im zweiten Quartal auf 551 Millionen Euro, getrieben von den Onkologie-Programmen rund um die Wirkstoffe Pumitamig und Gotistobart sowie der im Zuge der CureVac-Übernahme integrierten Aktivitäten.

Wer diese Zahlen isoliert betrachtet, sieht ein Unternehmen im Umbau, das Verluste schreibt, während das alte Geschäftsmodell – die Corona-Impfstoffe – schrumpft. Wer die Rückkäufe dazunimmt, sieht ein Management, das genau diesen Umbau für werthaltig hält.

Zwischen zwei Zeitrechnungen

BioNTech befindet sich in einem Übergang, der über das Unternehmen selbst hinausweist. Die gesamte mRNA-Branche verschiebt gerade ihren Schwerpunkt von der Pandemiebekämpfung zur individualisierten Krebstherapie – ein Strukturwandel, der sich zuletzt eindrucksvoll zeigte, als der Kurs an einem einzigen Tag um 22 Prozent sprang, ausgelöst nicht durch eigene Nachrichten, sondern durch den Erfolg einer vergleichbaren Melanom-Impfstoff-Studie von Moderna und Merck. BioNTechs eigener Kandidat in diesem Feld, Autogene cevumeran, zielt in Partnerschaft mit Genentech auf Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Diese Abhängigkeit von fremden Studienerfolgen ist unbequem, aber sie zeigt auch: Der Markt preist längst nicht mehr das Corona-Erbe, sondern die onkologische Zukunft. Die Rückkäufe fügen sich in dieses Bild – sie sind kein Ersatz für Studiendaten, aber ein Vertrauensbeweis in einer Phase, in der das operative Geschäft schrumpft und die Pipeline noch keine Umsätze liefert.

Ein Fußabdruck neben der eigentlichen Handlung

Rechtlich bleibt ein Schatten über der COVID-19-Sparte: Arbutus Biopharma und Genevant Sciences haben zusätzliche Patentklagen gegen Pfizer und BioNTech eingereicht, in Kanada und vor dem Einheitlichen Patentgericht, wegen der Lipid-Nanopartikel-Technologie hinter den Impfstoffen.

Ein weiterer juristischer Ballast, der die Kernstory aber kaum verändert: BioNTech baut sich neu auf, mit einer Kriegskasse im Rücken und einem Management, das bereit ist, eigenes Kapital dafür einzusetzen.

Ob sich diese Wette auszahlt, entscheidet sich nicht an der Höhe der Rückkäufe, sondern an den klinischen Daten, die im September in Seoul erwartet werden. Bis dahin bleibt der Aktienrückkauf ein leiser, aber deutlicher Hinweis darauf, wie das Unternehmen selbst seine Lage einschätzt – abseits der Schlagzeilen, die sonst den Ton angeben.

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BioNTech Aktie

99,80 EUR

+ 4,85 EUR +5,11 %
KGV
KUV 10,51
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung 25,40 Mrd. EUR
Ø Kursziel 104,04 EUR
ISIN: US09075V1026 WKN: A2PSR2

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