BioNTech Aktie: 68,4 Prozent Ansprechrate bei Plattenepithel
BioNTech fokussiert Lungenkrebsstudie auf progressionsfreies Überleben. Die Aktie fällt, während der Konzern seine Pipeline umbaut.
Kurz zusammengefasst
- Phase-3-Studie mit pumitamig gestartet
- Primärer Endpunkt: progressionsfreies Überleben
- Positive Zwischendaten aus Phase 2
- Umsatzrückgang durch sinkendes COVID-Geschäft
BioNTech richtet seine Krebsstrategie nach dem ASCO-Kongress neu aus. Im Zentrum steht pumitamig, ein bispezifischer Antikörper gegen PD-L1 und VEGF-A. Der Mainzer Konzern setzt bei der entscheidenden Lungenkrebsstudie auf einen klaren regulatorischen Hebel: progressionsfreies Überleben.
Die Aktie spiegelt diese Übergangsphase bereits wider. Am Mittwoch notiert BioNTech bei 75,95 Euro, ein Minus von 0,98 Prozent am Tag und 10,65 Prozent auf Monatssicht.
Ein Endpunkt als Signal an die Behörden
BioNTech und Bristol Myers Squibb haben für die globale Phase-3-Studie ROSETTA Lung-02 einen einzigen primären Endpunkt festgelegt. Die Studie prüft pumitamig zusammen mit Chemotherapie in der Erstlinie bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs.
Der gewählte Maßstab ist das progressionsfreie Überleben. Özlem Türeci erklärte auf dem ASCO-Kongress, dieser Fokus solle frühere Gespräche mit den Zulassungsbehörden ermöglichen, sobald die PFS-Daten vorliegen.
Das Gesamtüberleben bleibt ein wichtiger sekundärer Endpunkt. Damit unterscheidet sich BioNTech von Wettbewerbern wie Pfizer, die in ähnlichen Spätphasenstudien weiter auf beide Werte als primäre Endpunkte setzen.
Daten machen Hoffnung, Konkurrenz bleibt hart
Die Zwischendaten aus der Phase-2-Dosisoptimierung lieferten ein positives Signal. Pumitamig plus Chemotherapie zeigte Anti-Tumor-Aktivität über verschiedene PD-L1-Niveaus hinweg.
Bei nicht-plattenepithelialer Erkrankung lag die bestätigte objektive Ansprechrate bei 57,1 Prozent. Bei Plattenepithel-Tumoren erreichte sie 68,4 Prozent, die Krankheitskontrollrate lag bei 100 Prozent unter 40 auswertbaren Patienten.
Das ist klinisch relevant, weil BioNTech den Wirkstoff nicht nur in einer engen Patientengruppe positioniert. Die Daten sind bereits der dritte globale Hinweis auf konsistente Aktivität in Kombination mit Chemotherapie. Frühere Signale kamen aus Studien zu kleinzelligem Lungenkrebs und dreifach negativem Brustkrebs.
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Die Pipeline ist inzwischen breit. BioNTech führt mehr als 25 Studien in Phase 2 und Phase 3, davon gelten 13 als zulassungsrelevant. Der Konzern baut damit sichtbar weg vom alten Corona-Impfstoffprofil.
Umsatzlücke bleibt das Gegenstück
Der strategische Umbau kostet Zeit. Im ersten Quartal sank der Umsatz auf 118,1 Millionen Euro, nach 182,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Abhängigkeit vom rückläufigen COVID-19-Geschäft bleibt damit ein Thema.
Für das Gesamtjahr hält BioNTech an seiner Umsatzprognose fest. Erwartet werden 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro. Parallel läuft ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 1,0 Milliarden Dollar, das im Mai bestätigt wurde.
Auch Analysten bleiben vorsichtig. Bernstein nahm die Aktie am 22. Mai mit „Market Perform“ auf und setzte das Kursziel auf 96 Dollar. Die Begründung: Die klinische Expansion ist groß, der kurzfristige Spielraum der Aktie wirkt aber begrenzt.
Gründer ziehen sich aus dem Management zurück
Zur operativen Neuordnung kommt ein Einschnitt an der Spitze. Ugur Sahin und Özlem Türeci wollen sich bis Ende 2026 aus dem Management zurückziehen. Beide sollen eine neue, unabhängige mRNA-Forschungsgesellschaft führen.
BioNTech will daran voraussichtlich eine Minderheitsbeteiligung halten. Die Trennung passt zur neuen Struktur: Forschung auf der einen Seite, späte Entwicklung und Kommerzialisierung auf der anderen.
Der nächste harte Prüfstein ist der PFS-Readout aus ROSETTA Lung-02. Fällt er überzeugend aus, erhält BioNTech den Datenanker für frühere Gespräche mit den Behörden. Ohne starke Spätphasendaten bleibt die Krebsstrategie ambitioniert, aber noch nicht bewiesen.
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