BioNTech Aktie: 72,7 Prozent Ansprechrate bei Lungenkrebs

BioNTechs Aktie legt trotz Studienabbruch zu. Neue Lungenkrebs-Daten in Seoul und die Onkologie-Pipeline bestimmen nun die Bewertung.

Dr. Robert Sasse ·
Abstrakte Darstellung molekularer Strukturen in einer klinischen Laborumgebung für die medizinische Forschung. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Aktie seit Studienabbruch 2,3 Prozent erholt
  • Quartalsumsatz sinkt auf 105,6 Millionen Euro
  • Seoul zeigt neue Onkologie-Daten
  • Canaccord reduziert BioNTech-Kursziel

Der Rückschlag ist verdaut, das Kapitel Darmkrebs-Studie fast schon abgehakt. Seit dem Abbruch der BNT122-01-Studie am vergangenen Montag hat sich die Aktie sogar um 2,3 Prozent erholt. Für mich ist das kein Zeichen von Sorglosigkeit der Anleger, sondern ein Hinweis darauf, wo der eigentliche Fokus liegt: bei der Lungenkrebs-Pipeline, die Mitte September in Seoul auf den Prüfstand kommt.

Der Markt hat längst umgeschichtet

BioNTech notiert aktuell bei 89,40 Euro, nach 87,40 Euro am Dienstag. Der Blick auf die vergangenen Wochen zeigt eine bemerkenswerte Entwicklung: Seit der Ernennung von Guido Oelkers zum künftigen CEO vor rund einem Monat steht ein Plus von 11,8 Prozent zu Buche, seit den Quartalszahlen vor ebenfalls rund einem Monat sogar 13,2 Prozent.

Der Kurs liegt damit 7,1 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt, während der Abstand zum 52-Wochen-Hoch aus Januar noch 16 Prozent beträgt. Unterm Strich lese ich daraus: Der Markt hat das Darmkrebs-Aus fast beiläufig abgehakt und stattdessen auf das größere Bild gesetzt – eine Führungsspitze im Umbruch und eine Onkologie-Strategie, die sich zunehmend auf Lunge statt Darm konzentriert.

Das ist aus meiner Sicht auch konsequent. Die Zahlen zum zweiten Quartal waren für sich genommen ernüchternd: Der Umsatz brach um 59 Prozent auf 105,6 Millionen Euro ein, der Nettoverlust weitete sich auf 820,8 Millionen Euro aus. Das Unternehmen kappte die Umsatzprognose für das laufende Jahr auf 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro.

Dass die Aktie darauf mit einer Rally reagierte, lag an der Kriegskasse von 16,6 Milliarden Euro und einem Aktienrückkaufprogramm über bis zu einer Milliarde Dollar – ein Signal, dass das Management trotz schwacher Zahlen an den eigenen Perspektiven festhält.

Warum Seoul für mich der eigentliche Test ist

Genau hier liegt für mich der Knackpunkt der kommenden Wochen. Vom 12. bis 15. September präsentiert BioNTech beim IASLC-Weltkongress zu Lungenkrebs in Seoul neue Daten aus der späten Onkologie-Pipeline.

Im Zentrum steht die Kombination aus pumitamig – gemeinsam mit Bristol Myers Squibb entwickelt – und dem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat elfetabart drozuntecan, entwickelt mit Duality Biologics. Dazu kommen aktualisierte Überlebensdaten für gotistobart bei squamösem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs sowie mRNA-basierte Immuntherapieansätze.

Diese Kombination halte ich für den eigentlichen Bewertungstreiber, nicht die COVID-Impfstoffsparte, deren Schwäche die Guidance-Kürzung erklärt. Bereits im Mai hatte BioNTech bei der ASCO-Jahrestagung Phase-2-Zwischendaten präsentiert, wonach pumitamig in Kombination mit Chemotherapie bestätigte Ansprechraten von bis zu 72,7 Prozent bei fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs erzielte, bei einer Krankheitskontrollrate von 100 Prozent.

UBS reagierte damals mit einer Hochstufung von Neutral auf Buy und einem Kursziel von 135 Dollar. Solche Daten – sofern sie sich in Seoul bestätigen – wären für mich weit gewichtiger als ein einzelner gestoppter Darmkrebs-Arm.

Vorsicht ist trotzdem angebracht

Ganz ausblenden sollte man die jüngste Skepsis der Analysten aber nicht. Nach dem Studienabbruch senkte Canaccord Genuity sein Kursziel Ende August auf 136 von 142 Dollar, während Morgan Stanley bereits Anfang August – noch vor dem Studienabbruch – seine Zielmarke von 126 auf 119 Dollar reduzierte, die Einstufung „Overweight“ aber beibehielt. Beide Bewegungen zeigen: Die Erwartungshaltung wird eingedampft, nicht die grundsätzliche Zuversicht.

Für mich überwiegen die Chancen, dass Seoul zum positiven Katalysator wird – die Volatilität von 71 Prozent auf Jahressicht spricht allerdings dafür, dass diese These auch scheitern kann. Wer BioNTech hält, sollte sich bewusst sein, dass der nächste Kursimpuls nicht aus Mainz, sondern aus Südkorea kommt.

Die Ernennung Oelkers’ zum CEO, wirksam spätestens zum 1. Februar 2027, bleibt dabei eher ein strategisches Signal für die längere Frist als ein kurzfristiger Kurstreiber. Entscheidend wird sein, ob die Onkologie-Daten aus Seoul die hohen Erwartungen tatsächlich einlösen – daran, nicht an der Impfstoff-Guidance, wird sich für mich zeigen, ob die jüngste Erholung Substanz hat.

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BioNTech Aktie

86,00 EUR

+ 2,80 EUR +3,37 %
KGV
KUV 9,14
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung 20,76 Mrd. EUR
Ø Kursziel 102,47 EUR
ISIN: US09075V1026 WKN: A2PSR2

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