BioNTech Aktie: Arife-Chaos!
Bernd Förtsch verlangt eine unabhängige Bewertung der Arife-Vermögenswerte; BioNTech plant zugleich Standortschließungen und Stellenabbau.

Kurz zusammengefasst
- Förtsch verlangt Rücktritt von Şahin und Türeci
- Arife-Aufteilung der Vermögenswerte bleibt ungeklärt
- Drei Werksschließungen sind beabsichtigt
- Abbau von 1.800 Stellen steht im Raum
Aktionär Bernd Förtsch übt scharfe Kritik an der Unternehmensspitze des Mainzer Biotech-Unternehmens. Er fordert den Rücktritt von Ugur Şahin und Özlem Türeci wegen möglicher Interessenkonflikte. Hintergrund ist die ungeklärte Aufteilung von Vermögenswerten für das geplante Projekt Arife. An der Börse verliert die Aktie am heutigen Donnerstag 1,1 Prozent auf 86,05 Euro.
Vorwurf von Interessenkonflikten bei Ausgründung
Im Zentrum der Vorwürfe steht die künftige Ausgründung Arife. Eine vertragliche Einigung über die Zuweisung von Patenten und Betriebsmitteln sollte ursprünglich bis zum 30. Juni vorliegen. Diese Einigung steht allerdings weiterhin aus. Dennoch planen Şahin und Türeci den Start des neuen Unternehmens bis zum 31. Dezember. Förtsch dringt auf eine rasche Klärung sowie eine unabhängige Bewertung der Vermögenswerte.
Der Investor verweist auf die hohe Liquidität des Konzerns. BioNTech verfügt über einen Cash-Bestand von 16,6 Milliarden Euro. Förtsch beziffert den verbleibenden Wert des operativen Geschäfts nach Abzug der Barmittel auf 5,2 Milliarden Euro. Er selbst hält nach eigenen Angaben Positionen an BioNTech sowie am Konkurrenten Moderna.
Der schwelende Konflikt über die Aufteilung von Rechten belastet das Vertrauen am Markt. Branchenbeobachter werten die Auseinandersetzung um die Führung als erhebliche Belastung zur Unzeit. Die ungeklärte Zuordnung von geistigem Eigentum bindet wertvolle Führungszeit und erschwert eine klare strategische Positionierung gegenüber den Wettbewerbern.
Werksschließungen und operative Einschnitte
Neben dem Führungsstreit steht das Unternehmen vor tiefgreifenden operativen Einschnitten. BioNTech beabsichtigt die Schließung von drei Produktionsstandorten. Zudem steht der Abbau von 1.800 Arbeitsplätzen im Raum. Das Unternehmen erklärte hierzu, dass bislang kein Käufer für die Werke in Sicht sei. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer widersprach dieser Darstellung öffentlich und vermutet eine von Beginn an geplante Schließung.
Für zusätzliche Unruhe sorgten zuletzt Bewegungen auf Vorstandsebene. Die Aktienverkäufe von BioNTech-CEO Sahin wurden über einen vorab festgelegten Handelsplan abgewickelt.
Gleichzeitig musste der Konzern Rückschläge in der Forschung verkraften. Der Abbruch der Kolonkrebs-Studie beendete die Phase-2-Erprobung des Kandidaten BNT122 mit dem Partner Genentech.
Ausblick auf die Onkologie-Pipeline
Trotz der personellen und operativen Baustellen treibt BioNTech andere klinische Projekte voran. Dazu zählen der Kandidat BNT113 zur Behandlung von HPV16-positivem Kopf-Hals-Krebs sowie BNT116 gegen nicht-kleinzelligen Lungenkrebs. Das Marktumfeld für mRNA-Therapien bleibt dynamisch, da Konkurrenten wie Moderna und Merck mit positiven Phase-3-Ergebnissen beim Melanom vorangehen.
BioNTech verfügt mit einer Marktkapitalisierung von 21,95 Milliarden Euro weiterhin über ein stabiles finanzielles Fundament. Die künftige Entwicklung hängt nun maßgeblich davon ab, wie schnell das Management Klarheit bei Arife schafft. Anleger fordern eine transparente Lösung, um den Fokus wieder voll auf die onkologische Pipeline zu lenken.
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