BioNTech Aktie: Lungenkrebs-Daten im September

BioNTechs Aktie profitiert von vielversprechenden Krebsdaten, während ein Patentverfahren um COVID-19-Impfstoffe die Erwartungen dämpfen könnte.

Dr. Robert Sasse ·
BioNTech Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Lungenkrebs-Daten für September angekündigt
  • Aktie erholt sich trotz Patentstreit
  • Flossbach-Reduktion statt Aufstockung
  • Starke Pipeline mit 14 Pivotal-Studien

BioNTech hat sich in den vergangenen Wochen von der reinen Impfstofffirma zum Onkologie-Hoffnungswert gewandelt. Aus meiner Sicht ist das die richtige Erzählung – aber sie blendet ein Risiko aus, das Anleger nicht ignorieren sollten: die patentrechtliche Auseinandersetzung um das mRNA-LNP-COVID-19-Vakzin.

Das Pipeline-Update als eigentlicher Treiber

Während die Rally seit der Vorstandsentscheidung um Guido Oelkers, der spätestens zum 1. Februar 2027 den Chefsessel übernimmt, und seit den Quartalszahlen bereits ausführlich diskutiert wurde, verdient ein anderes Ereignis mehr Aufmerksamkeit: das Unternehmen hat am Donnerstag ein Update zu seinem Lungenkrebs-Programm veröffentlicht.

Erste globale Daten zur Kombination aus Pumitamig und Elfetabart Drozuntecan sollen auf dem Weltkongress der IASLC in Seoul vom 12. bis 15. September präsentiert werden. Parallel dazu untermauerte BioNTech mit aktualisierten Überlebensdaten aus der Phase-3-Studie PRESERVE-003 zu Gotistobart die Erzählung vom onkologischen Pivot.

Für mich ist das der eigentliche fundamentale Anker der Aktie – nicht die Sympathie-Rally, die tags zuvor durch positive Phase-3-Melanom-Daten von Moderna und Merck ausgelöst wurde und auch BioNTech mit nach oben zog.

Diese Unterscheidung ist wichtig: Ein Kursschub, der aus dem Erfolg der Konkurrenz entsteht, sagt wenig über die eigene Substanz aus. Das Lungenkrebs-Update dagegen ist BioNTechs eigene Leistung, mit einem konkreten, datierten Termin im September, der die Story testbar macht.

Zahlen mit Substanz – und eine Zäsur bei Flossbach

Der Kurs hat auf diese Nachrichtenlage kräftig reagiert: Am Freitag legte die Aktie 5,1 Prozent zu und schloss bei 99,80 Euro. Damit notiert sie zwar noch 5,7 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch aus dem Januar, hat sich aber seit dem Tief im März um 46 Prozent erholt. Diese Dynamik lässt sich nicht allein mit einer Randnotiz erklären – sie spiegelt, dass der Markt der Onkologie-Wette zunehmend Kredit einräumt.

Ein Punkt verdient jedoch Korrektur gegenüber mancher Kursberichterstattung: Von einer neu aufgebauten Position bei Flossbach Von Storch kann keine Rede sein. Nach vorliegenden Meldedaten hat das Haus seinen Bestand an BioNTech-Papieren im zweiten Quartal 2026 um rund 39,5 Prozent reduziert.

Wer also aus einer angeblichen Aufstockung institutionellen Rückenwind ableitet, irrt – die tatsächliche Bewegung deutet eher auf Gewinnmitnahmen als auf frisches Vertrauen hin. Das relativiert für mich die Erzählung, dass „smart money“ geschlossen hinter der Onkologie-Story steht.

Der übersehene Risikofaktor: Patentstreit ums COVID-Erbe

Während sich die Aufmerksamkeit auf Pipeline und Führungswechsel richtet, gerät ein juristisches Thema aus dem Blick: Arbutus und ein weiterer Kläger verlangen in einem laufenden Patentverfahren Schadenersatz und Unterlassungsverfügungen gegen die mRNA-LNP-COVID-19-Impfstoffe von Pfizer und BioNTech. Das betrifft ausgerechnet jenes Geschäft, das BioNTech einst groß gemacht hat und dessen Erlöse laut eigener Prognose im laufenden Jahr nur noch zwischen 1,6 und 1,9 Milliarden Euro liegen sollen.

Ein Verfahren dieser Art kann sich über Jahre hinziehen, doch die bloße Existenz eines Unterlassungsbegehrens ist ein Belastungsfaktor, den ich in der aktuellen Euphorie zu wenig gewichtet sehe.

Mein Fazit

Unterm Strich überwiegt für mich die operative Substanz: 14 laufende Pivotal-Studien, sechs neue Studienstarts im laufenden Jahr und eine Kriegskasse von 16,6 Milliarden Euro zum Ende des zweiten Quartals verschaffen BioNTech den langen Atem, den eine Onkologie-Transformation braucht.

Die für Q3 erwartete Erlöskomponente aus der Kollaboration mit Bristol Myers Squibb von 613 Millionen Euro dürfte zusätzlich stabilisierend wirken. Doch die Bewertung der Aktie – mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 65 Prozent ohnehin sprunghaft – blendet den Patentstreit weitgehend aus.

Wer jetzt einsteigt, kauft eine vielversprechende Onkologie-Pipeline mit ungewissem Preisschild auf das COVID-Erbe. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein Grund, die Erwartungen an weitere Kurssprünge zu zügeln.

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BioNTech Aktie

95,00 EUR

– 0,10 EUR -0,11 %
KGV
KUV 8,82
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung 23,94 Mrd. EUR
Ø Kursziel 104,26 EUR
ISIN: US09075V1026 WKN: A2PSR2

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