BioNTech Aktie: Merck und Moderna treiben Rally um 21 Prozent

Merck & Moderna gelingt Phase-3-Durchbruch bei mRNA-Krebstherapie. BioNTech profitiert mit 21% Kursplus, Analysten zeigen sich optimistisch.

Dieter Jaworski ·
BioNTech Aktie

Kurz zusammengefasst

  • 21% Kursplus durch Konkurrenz-Erfolg
  • Phase-3-Durchbruch bei mRNA-Krebsimpfstoff
  • Analysten erhöhen Kursziele und Empfehlungen
  • Führungswechsel bei BioNTech angekündigt

Manchmal braucht eine Aktie keine eigene gute Nachricht, um zu fliegen – die Nachricht eines Konkurrenten reicht. Am Mittwoch legte die BioNTech-Aktie um 21 Prozent zu, ausgelöst durch einen Erfolg, den nicht BioNTech selbst gemeldet hat, sondern Merck & Co. und Moderna.

Deren personalisierter mRNA-Krebsimpfstoff intismeran autogene erreichte in der Phase-3-Studie INTerpath-001 bei Melanom-Patienten den primären Endpunkt – der erste erfolgreiche Phase-3-Nachweis für eine mRNA-basierte Krebstherapie überhaupt. Für eine Technologie, die bislang vor allem als Impfstoff gegen Infektionskrankheiten bekannt wurde, ist das ein Signal weit über den Einzelfall hinaus.

Wenn der Konkurrent das eigene Versprechen einlöst

BioNTech verfolgt mit Wirkstoffen wie pumitamig und gotistobart ähnliche Ambitionen in der Onkologie, mit Daten aus zentralen Studien in nicht-kleinzelligem Lungenkrebs und platinresistentem Eierstockkrebs, die für die zweite Jahreshälfte erwartet werden.

Der Erfolg der Konkurrenz wirkt deshalb wie ein Vorabtest für das gesamte Feld: Wenn die mRNA-Plattform bei einem Krebstyp funktioniert, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch anderswo funktioniert.

Morgan Stanley bekräftigte am Mittwoch seine kaufäquivalente Einstufung und verwies dabei auf die Kriegskasse von 16,6 Milliarden Euro, mit der BioNTech seine eigenen Auslesungen finanzieren kann, ohne auf externes Kapital angewiesen zu sein.

Canaccord Genuity hob am selben Tag das Kursziel von 130 auf 142 US-Dollar an und bekräftigte die Kaufempfehlung, mit Verweis sowohl auf die positiven Signale aus der Onkologie-Konkurrenz als auch auf den bevorstehenden Führungswechsel an der BioNTech-Spitze.

Diese Rally trifft auf einen Markt, der BioNTech zuletzt eher skeptisch beäugt hat. Erst vor rund zwei Wochen hatte das Unternehmen seine Umsatzprognose für das laufende Jahr von 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro auf 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro gesenkt, begründet mit schwächerer globaler Nachfrage nach Covid-19-Impfstoffen.

Die Quartalszahlen dazu waren ernüchternd: Der Umsatz brach im zweiten Quartal um 59,5 Prozent auf 105,6 Millionen Euro ein, unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 820,8 Millionen Euro. Wall Street Zen stufte die Aktie daraufhin Anfang August von „Hold“ auf „Sell“ herab.

Evercore ISI und Berenberg senkten im Zuge dieser Prognosekürzung ihre Kursziele leicht, blieben aber bei positiven Einstufungen. Dass die Aktie seither dennoch so kräftig zulegen konnte, zeigt: Anleger bewerten BioNTech derzeit weniger nach dem schrumpfenden Impfstoffgeschäft als nach dem Potenzial der Onkologie-Pipeline.

Ein Führungswechsel als zusätzlicher Vertrauenstest

Verstärkt wird diese Neubewertung durch den anstehenden Wechsel an der Unternehmensspitze. Vor gut drei Wochen hatte BioNTech bekanntgegeben, dass Guido Oelkers, zuvor Vorstandschef von Sobi, zum 1. Februar 2027 die Nachfolge von Mitgründer Ugur Sahin antreten wird.

Sahin und die medizinische Vorstandschefin Özlem Türeci wollen danach ein eigenes, auf mRNA fokussiertes Biotech-Unternehmen gründen. Seit dieser Ankündigung hat die Aktie bereits um 23,2 Prozent zugelegt – ein Vertrauensvorschuss, den der jüngste Kurssprung nun noch einmal verstärkt.

Regulatorisch bewegt sich das bestehende Geschäft ebenfalls, wenn auch geräuschloser. Die Europäische Kommission hatte bereits Ende Juli die Marktzulassung für den an die XFG-Variante angepassten Covid-19-Impfstoff von Pfizer und BioNTech für Personen ab sechs Monaten erteilt – ein Routinevorgang im bestehenden Kerngeschäft, der aber zeigt, dass das Impfstoffgeschäft trotz sinkender Nachfrage weiterläuft.

Kurs und Bewertung nach dem Sprung

Der aktuelle Kurs liegt noch immer 8,6 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch vom 22. Januar, aber 42 Prozent über dem Tief vom 10. März. Mit einem RSI von 79,4 gilt die Aktie technisch als deutlich überkauft, was nach einem derart kräftigen Sprung wenig überrascht.

Die Marktkapitalisierung von rund 19,85 Milliarden Euro spiegelt damit weniger das aktuelle Umsatzniveau wider als die Wette der Anleger auf die kommenden Onkologie-Daten. Ob diese Wette aufgeht, hängt nun tatsächlich von BioNTechs eigenen Studienergebnissen ab – der Erfolg der Konkurrenz war nur der Vorgeschmack.

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BioNTech Aktie

95,10 EUR

+ 15,65 EUR +19,70 %
KGV
KUV 8,82
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung 19,68 Mrd. EUR
Ø Kursziel 104,26 EUR
ISIN: US09075V1026 WKN: A2PSR2

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