BioNTech Aktie: Morgan Stanley senkt Kursziel auf 119 Euro
BioNTech senkt wegen schwacher Impfstoffnachfrage die Jahresprognose deutlich. Zudem steht ein Führungswechsel an, während Morgan Stanley das Kursziel reduziert.

Kurz zusammengefasst
- Umsatzprognose für 2026 deutlich gesenkt
- Guido Oelkers wird neuer Vorstandschef
- Morgan Stanley senkt Kursziel auf 119
- Bristol-Myers-Zahlung als Hoffnungsträger
BioNTech durchlebt einen der turbulentesten Sommer seiner Börsengeschichte. Binnen weniger Tage hat der Mainzer Biotechkonzern eine deutlich gesenkte Jahresprognose vorgelegt, einen Chefwechsel an der Spitze verkündet und musste sich am heutigen Freitag ein niedrigeres Kursziel eines großen US-Analysehauses gefallen lassen. Die Aktie notierte am Donnerstag im deutschen Handel bei 79,05 Euro und büßte damit 0,94 Prozent ein – ein Kurs, der rund 6,08 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt liegt und die anhaltende Unsicherheit der Anleger widerspiegelt.
Schwacher Umsatz, tiefroter Verlust
Am Dienstag legte BioNTech seine Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor, und sie fielen deutlich schwächer aus als im Vorjahr. Der Umsatz brach auf 105,6 Millionen Euro ein, nach 260,8 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 820,8 Millionen Euro. Für das erste Halbjahr summierte sich der Umsatz auf 224 Millionen Euro gegenüber 444 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, während sich der Verlust seit Jahresbeginn auf 1.352,7 Millionen Euro ausweitete – nach 802,4 Millionen Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Als Hauptgrund nannte das Management eine schwächer als erwartete globale Nachfrage nach COVID-19-Impfstoffen sowie zeitliche Verschiebungen bei meilensteingebundenen Erlösen. Besonders ins Gewicht fällt, dass Deutschland für die Impfsaison 2026 auf vorhandene Impfstoffbestände zurückgreift, statt neue Bestellungen aufzugeben. In der Folge kappte BioNTech seine Umsatzprognose für 2026 von zuvor 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro auf nun 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro. Auch die Forschungs- und Entwicklungsausgaben wurden auf 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro nach unten korrigiert, während die Prognose für Vertriebs- und Verwaltungskosten mit 700 bis 800 Millionen Euro unverändert blieb. An der US-Börse reagierten Anleger prompt: Im vorbörslichen Handel fiel die Aktie um 3,54 Prozent auf 88,98 US-Dollar, nachdem der vorherige Schlusskurs bei 92,25 US-Dollar gelegen hatte.
Führungswechsel an der Spitze
Nur zwei Tage vor den Zahlen hatte BioNTech für die zweite große Nachricht des Sommers gesorgt: Der Aufsichtsrat berief Guido Oelkers zum neuen Vorstandsvorsitzenden. Oelkers übernimmt das Amt spätestens zum 1. Februar 2027 und tritt damit die Nachfolge von Prof. Ugur Sahin an, der das Unternehmen zusammen mit Özlem Türeci mitgegründet und über Jahre geprägt hatte. Oelkers war zuletzt CEO des schwedischen Pharmaunternehmens Swedish Orphan Biovitrum (Sobi), wo er laut Unternehmensangaben den Umsatz über neun Jahre mehr als vervierfachte und die Profitabilität deutlich steigerte. Der Führungswechsel fällt damit in eine Phase, in der BioNTech seine Wachstumsstory neu justieren muss – vom Impfstoffgeschäft hin zu einer stärker onkologisch ausgerichteten Pipeline.
Kursziel gesenkt, Rating bestätigt
Am heutigen Freitag reagierte Morgan Stanley auf die neue Gemengelage. Die Analysten bekräftigen ihre Einstufung „Overweight“, senkten das Kursziel jedoch von 126 auf 119. Die Anpassung dürfte die niedrigere Umsatzguidance und die schwächeren Kurzfristaussichten widerspiegeln, signalisiert aber zugleich, dass das Haus die mittelfristige Substanz des Unternehmens weiterhin positiv beurteilt.
Bristol-Myers-Squibb-Zahlung und Pipeline als Hoffnungsträger
Für die zweite Jahreshälfte erwartet BioNTech den Großteil seiner 2026er-Erlöse, darunter eine Kollaborationszahlung von Bristol Myers Squibb in Höhe von 613 Millionen Euro, die im dritten Quartal fließen soll. Finanziell steht der Konzern trotz der roten Zahlen solide da: Zum Quartalsende verfügte BioNTech über liquide Mittel und Wertpapiere von 16,6 Milliarden Euro. Parallel läuft ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,0 Milliarden US-Dollar; im zweiten Quartal kaufte das Unternehmen 1.693.056 American Depositary Shares zu einem Durchschnittspreis von 89,50 US-Dollar zurück.
Auf der Produktseite erteilte die Europäische Kommission Ende Juli die Marktzulassung für den an die Variante XFG angepassten COVID-19-Impfstoff von Pfizer und BioNTech für die Saison 2026/2027 – weltweit wurden inzwischen mehr als fünf Milliarden Dosen des gemeinsam entwickelten Impfstoffs ausgeliefert. Zugleich treibt BioNTech seine onkologische Pipeline voran: Bis 2030 und darüber hinaus werden mehr als 17 zulassungsrelevante Studienauswertungen erwartet, darunter Folgedaten zum Krebswirkstoff Pumitamig, der in einer Phase-2-Studie bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs im Frühjahr ermutigende Ansprechraten gezeigt hatte. Der nächste wichtige Termin für Anleger ist der 3. November 2026, wenn BioNTech seine Zahlen zum dritten Quartal vorlegt.
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