BioNTech Aktie: PFS-Ziel verfehlt, OS offen
Die Phase-3-Studie wird trotz fehlenden PFS-Vorteils fortgesetzt; ob BNT113 das Gesamtüberleben verbessert, bleibt ungeklärt.

Kurz zusammengefasst
- Kein signifikanter Vorteil beim progressionsfreien Überleben
- Datenkomitee empfiehlt Fortsetzung der Studie
- Citi bestätigt Kaufempfehlung und 125-Dollar-Kursziel
- BioNTech verfügt über 16,63 Milliarden Euro
Ein verfehlter Endpunkt, aber keine Absage: Die Phase-3-Studie zum mRNA-Krebsimmuntherapeutikum BNT113 läuft weiter. Die Aktie verlor am Dienstag an der Nasdaq mehr als sieben Prozent, auch am Mittwoch blieben die Vorzeichen im Xetra-Handel zunächst negativ.
Was die Studie zeigt
BNT113 wird bei Patienten mit fortgeschrittenem Kopf-Hals-Krebs getestet, der mit HPV16 zusammenhängt. Die Kombination mit Keytruda lieferte beim progressionsfreien Überleben keinen statistisch signifikanten Vorteil gegenüber Keytruda allein. Damit verfehlte die Studie einen von zwei primären Endpunkten.
Das unabhängige Datenüberwachungskomitee empfahl dennoch, weiterzumachen und nun das Gesamtüberleben auszuwerten. Der Ansatz soll Immunreaktionen gegen die HPV16-Onkoproteine E6 und E7 auslösen und vorhandene T-Zell-Immunität verstärken.
Medizinchefin Özlem Türeci sieht in den Daten Hinweise, dass das Präparat seinen vorgesehenen Wirkmechanismus anspricht. Immunvermittelte Antitumoreffekte bauten sich mit der Zeit auf, ein Vorteil beim Gesamtüberleben bleibe daher möglich.
Analysten zwischen Hoffnung und Skepsis
Citi hält an der Kaufempfehlung und am Kursziel von 125 Dollar fest. Analyst Geoffrey Meacham verweist darauf, dass Kopf-Hals-Krebs mit Immuntherapie besonders schwer zu behandeln ist. Frühere Krebsimmuntherapien erhielten Zulassungen, obwohl sie beim Fortschreiten der Krankheit enttäuschten, das Gesamtüberleben aber verbesserten.
Vorsichtiger klingt BMO Capital Markets. Eine Immunreaktion, die Zeit braucht, halten die Analysten für plausibel. Nach dem verfehlten PFS-Ziel zweifeln sie jedoch deutlich stärker, dass BNT113 das Gesamtüberleben verlängert.
Ein Präzedenzfall macht Mut: Ein Keytruda-Versuch bei Kopf-Hals-Tumoren verfehlte ebenfalls zunächst das PFS-Ziel, zeigte später aber einen Überlebensvorteil, der über fünf Jahre Bestand hatte. Allerdings scheitern viele Studien mit verfehltem PFS auch später beim Gesamtüberleben.
Polster für weitere Rückschläge
Die Aktie steuerte zuletzt auf den fünften Rückgang binnen sechs Handelstagen zu. Der Markt straft Enttäuschungen in der Onkologie derzeit spürbar ab.
Finanziell steht BioNTech allerdings solide da. Das Unternehmen verfügt über rund 16,63 Milliarden Euro an Barmitteln, bargeldähnlichen Mitteln und Wertpapieranlagen und betreibt 14 laufende Onkologie-Studien. Der Datenpunkt, der über BNT113 entscheidet, ist die Auswertung des Gesamtüberlebens in der fortgesetzten Studie. Ein konkreter Termin dafür liegt nicht vor.
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