BioNTech wechselt die Spitze, Commerzbank wartet auf Orcel, Novartis zittert
BioNTech ordnet die Führung neu, während Commerzbank und Novartis vor wichtigen Weichenstellungen durch Gespräche und Studiendaten stehen.

Kurz zusammengefasst
- Oelkers soll BioNTechs CEO werden
- Bund fordert Bedingungen von UniCredit
- Commerzbank nahe dem 52-Wochen-Hoch
- Novartis verliert nach Studienrückschlägen
Liebe Börsianerinnen und Börsianer,
drei Chefetagen, ein Wochenende: In Mainz, Frankfurt und Basel entscheidet sich in den kommenden Tagen, wohin drei der meistbeachteten Aktien aus dem deutschsprachigen Raum steuern. Der Schweizer Leitindex SMI hat die vergangene Woche mit einem Minus von 4,3 Prozent beendet – doch die eigentliche Geschichte spielt sich auf Einzelwert-Ebene ab. Ein Machtwechsel bei BioNTech, ein Übernahmepoker um die Commerzbank, ein Pipeline-Rückschlag bei Novartis. Wer diese Woche investiert bleibt, sollte alle drei Stränge kennen.
BioNTech baut die Führung um
Großaktionär Thomas Strüngmann rechnet mit einer zeitnahen Neubesetzung des Medizinvorstands, nachdem die Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci ihre bisherigen Führungsrollen abgegeben haben. Sein Family Office hält mehr als 40 Prozent an BioNTech – genug, um den weiteren Umbau maßgeblich zu steuern. Als CEO-Nachfolger ist Guido Oelkers vorgesehen, der spätestens im Februar 2027 übernehmen soll. Für Anleger ist das mehr als eine Personalie: Es signalisiert, dass der Großaktionär eine strategische Neuausrichtung jenseits des reinen Impfstoffgeschäfts forciert. Laut Strüngmann werden wichtige Daten aus der Krebsmedikamenten-Forschung in ein bis zwei Jahren erwartet. Die Aktie notiert aktuell bei 83,65 Euro, gut 3,9 Prozent über dem Niveau vor 30 Tagen, aber weiterhin deutlich unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 105,80 Euro. Wer auf den Turnaround setzt, sollte die kommenden Wochen auf konkrete Ankündigungen zum neuen Medizinvorstand beobachten – daran lässt sich ablesen, in welche therapeutischen Felder BioNTech künftig investiert.
Commerzbank: Der Bund zieht die Zügel an
Am Montag treffen sich Finanzminister Klingbeil und UniCredit-Chef Andrea Orcel – ein Termin, der über die Zukunft der Commerzbank mitentscheiden dürfte. UniCredit hält bereits 47,6 Prozent direkt und kommt über Derivate auf fast 49,65 Prozent der Stimmrechte, der Bund hält rund 12 bis 12,7 Prozent im Wert von etwa 5,8 Milliarden Euro. Berlin pocht auf harte Bedingungen: Erhalt der deutschen Börsennotierung, Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen, zwei Aufsichtsratsmandate sowie den Fortbestand der Mittelstandsfinanzierung am Standort Frankfurt. Auch Hessen mischt mit und fordert Sitz und Vorstand in Frankfurt. Die Commerzbank-Aktie schloss am Freitag bei 43,02 Euro, praktisch am 52-Wochen-Hoch von 43,12 Euro. Das heißt für Anleger: Der Kurs hat einen erfolgreichen Deal schon weitgehend eingepreist. Enttäuscht das Montagstreffen, ist die Luft nach unten größer als die nach oben.
Novartis: Zwei Rückschläge stellen die Zukaufstrategie infrage
Novartis hat an einem einzigen Handelstag Anfang September rund 9 bis 10 Prozent an Börsenwert verloren, umgerechnet etwa 24 Milliarden Franken, nachdem gleich zwei klinische Studien scheiterten: Del-Desiran gegen Muskelschwund, das Herzstück der zwölf Milliarden Dollar teuren Avidity-Übernahme, und der Herz-Kandidat Pelacarsen. CEO Vas Narasimhan hat seit seinem Amtsantritt 2018 rund 70 Milliarden Franken in Zukäufe investiert – jetzt stellen Investoren erstmals offen infrage, ob diese Strategie aufgeht. Berenberg hat bereits reagiert: Kursziel von 120 auf 105 Franken gesenkt, Einstufung nur noch „Hold“. Die Analysten erwarten bis 2030 nur noch 4 Prozent Umsatzwachstum pro Jahr, deutlich unter dem Konzernziel von 5 bis 6 Prozent. Die nächste Bewährungsprobe folgt im Oktober, wenn Daten zum MS-Kandidaten Remibrutinib erwartet werden. Die Aktie notiert aktuell bei 118,68 Euro, rund 10 Prozent unter dem Niveau vor 30 Tagen und weiterhin deutlich unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 144,30 Euro. Wer die Aktie hält, sollte den Oktober-Termin im Kalender markieren: Ein weiterer Fehlschlag würde die Zweifel an der Zukaufstrategie weiter verschärfen.
Ob BioNTech, Commerzbank oder Novartis – wie stark einzelne Unternehmensentscheidungen ganze Kursverläufe drehen können, zeigt sich in diesen Tagen besonders deutlich. Wer sein Depot nicht dem Zufall überlassen möchte, findet in einem kostenlosen Report fünf sorgfältig ausgewählte Unternehmen mit überzeugender Wachstumsperspektive für 2026 – basierend auf Qualität, Wachstum und intelligenten Trendfaktoren statt bloßer Spekulation. Jetzt Report anfordern
Unterm Strich
Drei Unternehmen, drei völlig unterschiedliche Ausgangslagen – und ein gemeinsamer Nenner: In allen drei Fällen entscheidet ein konkreter Termin, nicht die allgemeine Marktstimmung, über die nächsten Monate. Bei BioNTech ist es die Vorstandsbesetzung, bei der Commerzbank das Klingbeil-Orcel-Treffen am Montag, bei Novartis die Remibrutinib-Daten im Oktober. Der Fed-Entscheid zur Wochenmitte liefert den großen Makro-Rahmen, doch für Ihr Depot zählen diese drei Einzeltermine mehr als jeder Index-Stand. Das Wochenende neigt sich dem Ende zu – ab Montag entscheidet sich, wer von den drei Geschichten Recht behält.
Beste Grüße,
Ihr Eduard Altmann
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