Bitcoin: Der September-Fluch ruft
Bitcoin fällt zum Monatsstart, während Fed-Zinssorgen, geopolitische Spannungen und ein offener US-Krypto-Gesetzentwurf den Markt belasten.
Kurz zusammengefasst
- Bitcoin startet September bei 77.670 Dollar
- August brachte knapp 25 Prozent Zuwachs
- Fed-Entscheidung und Senatsvotum stehen bevor
- Charttechnik liefert weiterhin kein klares Signal
Bitcoin startet den Monat mit einem Rückschlag. Der Kurs fiel auf rund 77.670 Dollar, nachdem die Kryptowährung im August noch knapp 25 Prozent zugelegt hatte – die beste Monatsperformance seit November 2024. Jetzt bremsen gleich zwei Faktoren die Rally: erneute militärische Spannungen zwischen den USA und dem Iran sowie wachsende Nervosität vor der Fed-Zinsentscheidung.
Die Kämpfe um die Straße von Hormus trieben die Ölpreise nach oben, was wiederum Inflationssorgen anheizte. Die Anleiherenditen in den USA, Japan, Australien und Europa zogen daraufhin an – Gift für ein Anlagegut wie Bitcoin, das stark auf sinkende Zinsen reagiert.
Der Markt preist inzwischen deutlich höhere Chancen für eine Zinserhöhung im September ein, befeuert auch durch Fed-Chef Kevin Warshs Warnung, die Inflation entwickle sich besorgniserregender als der Arbeitsmarkt.
Charttechnik zeigt gespaltenes Bild
Technisch bleibt die Lage uneindeutig. Bitcoin bewegt sich unterhalb einer Widerstandszone zwischen 81.455 und 82.538 Dollar, während sich darunter eine Unterstützung zwischen 73.670 und 75.157 Dollar gebildet hat. Der Tages-RSI liegt bei 66,1 – bullisch, aber nahe der Schwelle, an der Gewinnmitnahmen typischerweise einsetzen.
Bemerkenswerter ist die Entwicklung auf Monatsbasis: Bitcoin kletterte im August erstmals seit rund zehn Monaten wieder über seinen 50-Monats-Durchschnitt. Ein solcher Ausbruch fiel in der Vergangenheit nur selten – etwa nach den Bärenmärkten 2018/2019 und 2022. Der monatliche RSI von 50,6 und ein ADX knapp unter der Signalschwelle von 25 deuten allerdings darauf hin, dass ein bestätigter neuer Bullenmarkt noch nicht ausgemacht ist.
Saisonale Statistik spricht gegen Bullen
Seit 2013 schloss Bitcoin acht von 13 Septembern im Minus, mit einem durchschnittlichen Verlust von knapp drei Prozent. Händler nennen das Phänomen „Red September“. Auch der S&P 500 verzeichnet seit 1945 im September im Schnitt Verluste – ein Muster, das Analysten unter anderem auf das Fiskaljahresende vieler Fondsgesellschaften zum 31. Oktober zurückführen.
Strategy, größter börsennotierter Bitcoin-Halter, kaufte zwar erstmals seit zwei Monaten wieder zu, konnte den Abwärtsdruck aber nur begrenzt abfedern. Bei den Altcoins fielen Ether um 2,1 Prozent auf 2.419,3 Dollar und XRP um 2,7 Prozent auf 1,3461 Dollar.
Auf der regulatorischen Bühne bleibt der Ausgang ebenfalls offen. Der als Clarity Act bekannte Gesetzentwurf zur Marktstruktur für Kryptowährungen verpasste sein Zeitfenster vor der Sommerpause im Senat. Am 15. September steht nun eine prozedurale Abstimmung an, die den Weg für eine Vollabstimmung öffnen könnte – ungelöste Streitpunkte um Stablecoin-Vergütungen und Ethikregeln machen den Ausgang jedoch ungewiss.
Der 15. und 16. September markiert damit einen doppelten Prüfstein: An diesen Tagen entscheidet die Fed über die Zinsen, während im Senat parallel über die Zukunft der Krypto-Regulierung verhandelt wird. Beide Termine dürften die Richtung für die kommenden Wochen vorgeben.
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