Bitcoin: Die 85.000-Dollar-Mauer
Verkaufsbereite Langzeitanleger und ein Optionsverfall über rund elf Milliarden Dollar belasten Bitcoins Erholung.

Kurz zusammengefasst
- Rund vier Millionen Bitcoin mit Verlust gehalten
- Kurs seit Januar selten über 85.000 Dollar
- Optionen über elf Milliarden Dollar laufen aus
- Glassnode sieht Kaufgebote bei 78.000 bis 79.000 Dollar
Bitcoin kämpft sich seit Monaten an derselben Marke ab. Zwischen 84.000 und 85.000 Dollar dreht der Kurs immer wieder ab, und Daten zur Verteilung der Coins zeigen, warum dieser Bereich so hartnäckig ist. Hinzu kommen ein großer Optionsverfall am Freitag und die Zwischenwahlen in den USA.
Halter mit Verlusten bremsen die Erholung
Langfristige Halter sitzen auf Verlusten bei rund vier Millionen Bitcoin, die zwischen 85.000 und 118.000 Dollar gekauft wurden. Das geht aus einer Analyse der On-Chain-Firma Glassnode hervor. Steigt der Kurs in diese Zone, könnten viele von ihnen verkaufen, um zumindest ohne Verlust auszusteigen.
Seit Januar schloss Bitcoin nur an fünf Tagen über 85.000 Dollar, nie länger als drei Tage am Stück. Zuletzt gelang das im September mit einem Hoch bei 87.100 Dollar. Aktuell notiert die Kryptowährung um die 80.000 Dollar, gut ein Drittel unter dem Rekord von 126.080 Dollar.
Auch die US-Spot-ETFs stehen nahe der Gewinnschwelle. Ihr durchschnittlicher Einstandspreis liegt je nach Schätzung bei etwa 81.500 bis knapp 82.000 Dollar.
Zinsen drücken, Verkaufsdruck bleibt gering
Die US-Notenbank ließ den Leitzins bei 3,75 bis 4,00 Prozent, zwei Mitglieder stimmten jedoch für eine Anhebung. An den Terminmärkten gilt ein weiterer Zinsschritt im Dezember als sehr wahrscheinlich. Die Inflationsdaten vom Donnerstag bestätigten die Sorgen: Der PCE-Preisindex stieg auf 3,6 Prozent.
HashKey-Forscher Tim Sun sieht vor allem die hohen Renditen am Anleihemarkt als Bremse, weil sie die Opportunitätskosten für riskante Anlagen erhöhen. Panikverkäufe gebe es nicht. Es fehle vielmehr an frischer Nachfrage. Tatsächlich fallen die realisierten Verluste bei Rücksetzern kleiner aus. Am Tief im August lagen sie bei rund 630 Millionen Dollar an einem Tag, Ende Oktober nur noch bei etwa 27 Millionen.
Die ETF-Zuflüsse zogen diese Woche wieder an. Ein Teil der Hedgefonds fährt seine Positionen im Gegenzug zurück, weil sich der Basishandel kaum noch lohnt.
Optionsverfall als Prüfstein
Am Freitag, 30. Oktober, laufen Optionen im Wert von rund 11 Milliarden Dollar aus, etwa ein Drittel aller offenen Kontrakte auf Deribit. Ein Großteil der Absicherungsgeschäfte konzentriert sich auf die Spanne von 75.000 bis 82.000 Dollar. Fällt Bitcoin unter 75.000 bis 78.000 Dollar, könnten Absicherungsgeschäfte die Verluste verstärken.
Nach dem Verfall könnten viele Händler neue Kontrakte erst nach der Wahl am 3. November eröffnen. Ein dämpfender Faktor würde dann fehlen. Eine Umfrage unter Marktteilnehmern zeigt, was auf dem Spiel steht: Bei republikanischer Mehrheit liegt die mittlere Jahresendprognose bei 90.800 Dollar, bei demokratischer Mehrheit in beiden Kammern nur bei 76.450 Dollar.
Sun erwartet kurzfristig eine Handelsspanne zwischen 75.000 und 85.000 Dollar. Auf der Unterseite stehen laut Glassnode Kaufgebote auf Binance zwischen 78.000 und 79.000 Dollar, die Kostenbasis jüngerer Käufer liegt bei 75.800 Dollar.
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